Seit dem 5. Oktober 2026 bleiben die Türen der Aldi-Filiale in der Platanenstraße im Neubrandenburger Stadtteil Lindenberg Süd geschlossen. Dahinter wird kräftig umgebaut: Aldi Nord will den Markt von rund 660 auf gut 880 Quadratmeter vergrößern – ein Zuwachs von etwa einem Drittel.

Mehr Platz soll die Warenpräsentation übersichtlicher machen und den Einkauf bequemer. Auch die Leergutannahme wird neu geordnet. Bei der Backwarenauslage entsteht ein dahinterliegender Backraum. Brot und Brötchen können dort künftig von hinten nachgefüllt werden; Beschäftigte müssen dann keine Wagen mehr durch den Verkaufsraum schieben.

Wiedereröffnung erst im Frühjahr 2027

Der genaue Eröffnungstag steht noch nicht fest. Nach aktuellem Plan soll der Markt Mitte bis Ende März 2027 wieder öffnen. Die Schließung dauert damit voraussichtlich knapp sechs Monate. Während der Bauarbeiten kann es auf dem Parkplatz zu geringfügigen Einschränkungen kommen. Aldi will die Auswirkungen auf benachbarte Geschäfte, Passanten und Anwohner möglichst klein halten.

Für die benachbarte Torney-Fleischerei ist die Bauphase trotzdem spürbar. Ihre Verkaufsstelle bleibt ebenfalls vorübergehend zu. Aldi ist dort Ankermieter und bringt einen großen Teil der Kundschaft. Ohne diesen Kundenverkehr sei ein wirtschaftlicher Betrieb während der Arbeiten nicht möglich, erklärt das Unternehmen. Nach der Aldi-Wiedereröffnung will die Fleischerei zurückkehren. Seit August befindet sie sich in einem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung.

In Neubrandenburg stehen gleichzeitig weitere Veränderungen an. Ein neuer Aldi-Markt am Eschenhof beziehungsweise an der Demminer Straße im Norden soll Ende November 2026 eröffnen. Ein genaues Datum gibt es noch nicht. In der Umgebung betreibt Aldi außerdem Märkte in Altentreptow, Burg Stargard und Friedland.

Verspätete Rückkehr in der Südstadt

Bereits am 1. Oktober 2026 wurde die modernisierte Filiale in der Wilhelm-Külz-Straße wiedereröffnet. Ihre Verkaufsfläche wuchs von rund 780 auf knapp 920 Quadratmeter. Eine neue Ladeneinrichtung, breitere Gänge und ein von hinten bestückbarer Backwarenbereich gehören zu den Neuerungen. Die Modernisierung hatte sich verzögert und fast elf Monate gedauert.

Ursprünglich sollte der Markt nach der Schließung am 5. November 2025 Ende Mai 2026 zurückkommen. Im Juni verschob Aldi den Termin auf Juli, doch auch daraus wurde nichts. Ein ungewöhnlich langer Winter mit Bodenfrost hatte Gründungs-, Erd- und Betonarbeiten behindert. Außerdem verlief eine Leitung auf dem Grundstück anders als in den Bauunterlagen verzeichnet. In einer früheren Stellungnahme bezeichnete Aldi sie als Fernwärmeleitung. Ein Bauabschnitt und die zugehörige Statik mussten deshalb neu geplant werden. Warum der Juli-Termin anschließend erneut verfehlt wurde, erläuterte Aldi nicht gesondert.

Zum Stand der Wiedereröffnung am 1. Oktober liefen noch Arbeiten am Innenausbau, an der Fassade und an der Stellplatzanlage. Erst danach konnte die Filiale mit Waren bestückt werden. Der Markt wurde erweitert und vollständig saniert. Vorgesehen sind hellere, breitere Gänge und eine verbesserte Warenpräsentation; das Sortiment soll unverändert bleiben. Geöffnet ist montags bis samstags von 7 bis 20 Uhr.

Die lange Schließung sorgte bei Anwohnern für Kritik, besonders bei älteren Bewohnern, denen eine Einkaufsmöglichkeit fehlte. Auch eine Apotheke und zwei Arztpraxen im Gebäudekomplex waren betroffen: Zeitweise gesperrte Parkplätze, erschwerte Zugänge und Baulärm machten den Alltag dort mühsamer. Der Rewe an der Neustrelitzer Straße war aktuell der einzige größere geöffnete Lebensmittelmarkt in der Südstadt.

Parallel beschloss die Stadtvertretung am 18. Juni einstimmig, ein Planverfahren für einen Rewe-Ersatzneubau mit rund 1.850 Quadratmetern Verkaufsfläche einzuleiten. Wann der bestehende Rewe schließt und abgerissen wird, steht noch nicht fest.

Vier von fünf Märkten im Wandel

Vier der fünf Neubrandenburger Aldi-Filialen wurden in den vergangenen Jahren modernisiert oder stehen kurz davor. Die Filiale an der Traberallee wurde 2022 umgebaut und Anfang 2023 wiedereröffnet. Offen ist dagegen die Zukunft des Marktes am Markscheiderweg 1a in der Oststadt. Aldi prüft dort verschiedene Möglichkeiten für eine zukunftsfähige Entwicklung im Umfeld des bisherigen Standorts. Ob Umbau, Neubau oder Umzug infrage kommt, ist noch nicht entschieden.

Aldi bezeichnet Neubrandenburg als wichtigen Standort und versteht die Erneuerungen als Teil einer langfristigen Standortentwicklung. Konkrete Investitionssummen für Modernisierungen und Neubauten veröffentlicht das Unternehmen grundsätzlich nicht.

Umbau statt Rückzug

Der Blick auf Neubrandenburg passt zu einer bundesweiten Entwicklung. Aldi baut sein Filialnetz 2026 um, betroffen sind Aldi Nord und Aldi Süd. Im März sank die Zahl der Aldi-Filialen netto um acht Standorte. Häufig handelt es sich um ältere Märkte, die zu klein oder unmodern aufgeteilt sind, zu wenig Platz für großzügige Frischeabteilungen bieten oder baulich nicht wirtschaftlich auf den aktuellen Standard gebracht werden können.

Bei Aldi Nord wurden im März 2026 Filialen in Hamburg-Hamm, Hamburg-Barmbek, Hamburg-Wilhelmsburg, Bremen-Gröpelingen und Berlin-Lichtenberg geschlossen. Die Filiale in Berlin-Neukölln soll nach einem umfassenden Umbau und einer strukturellen Erneuerung wieder öffnen. Aldi Süd gab Standorte in Esslingen, Offenburg, Freising, Aschaffenburg, Augsburg und Worms auf. In Worms wurden Kapazitäten, Sortiment und Einzugsgebiet der kleineren geschlossenen Filiale mit einer größeren bestehenden Filiale zusammengelegt.

Auch Netto Marken-Discount und Penny verzeichneten im selben Zeitraum Standortverluste, während Lidl die Zahl seiner Filialen leicht steigerte. Aldi beschreibt die Schließungen dennoch als Modernisierung und nicht als generellen Rückzug aus der Fläche.

Neue oder grundlegend erneuerte Märkte sollen mehr Verkaufsfläche, breitere Gänge sowie größere Bereiche für Obst, Gemüse, Fleisch- und Backwaren erhalten. Hinzu kommen energieeffiziente Bauweisen, ressourcenschonender Betrieb, mehr Selbstbedienungskassen und Schnellladesäulen für Elektrofahrzeuge auf den Parkplätzen. In Lindenberg Süd ist davon zunächst vor allem eines zu sehen: Bauzäune, ein stiller Parkplatz – und die Aussicht auf einen deutlich größeren Einkauf im Frühjahr 2027.