Bochumer Bratwursthaus eröffnet am 15. Oktober in Essens Markthalle Königshof
In der Essener Markthalle Königshof wird am 15. Oktober ein bekanntes Bochumer Imbisskonzept offiziell eröffnet. Rund 24 Stunden vorher laufen dort noch die letzten Vorbereitungen: Geräte werden angeschlossen, Besteck sortiert, Systeme und Abläufe geprüft. Erste Gerichte gingen allerdings bereits am Mittwoch über den Tresen.
Um 11 Uhr soll es am 15. Oktober richtig losgehen. Am Eingang der Markthalle erwarten Besucher Sekt und kleine Probierhäppchen. Zusätzliche Eröffnungsangebote sind geplant, Details dazu wurden zunächst nicht genannt.
Bochumer Vorbild, Essener Anpassungen
Das Bratwursthaus besteht seit 1952 im Bochumer Bermuda3Eck, genauer an der Kortumstraße 18. Gegründet wurde der Imbiss von der Bochumer Fleischerei Dönninghaus. Betreiber Ronald Gottwald hatte die Essener Filiale zuvor in sozialen Medien angekündigt.
Das Konzept soll in Essen grundsätzlich dem Bochumer Vorbild entsprechen – mit ein paar Anpassungen. Die Dönninghaus-Bratwürste kommen aus Bochum, dazu gibt es die hauseigenen Currysaucen. Sie werden seit mehr als 30 Jahren nach eigener Rezeptur hergestellt, unter anderem mit Tomatenmark, Essig, Zucker, Curry, Paprika, Chili und weiteren Gewürzen.
Auf der Karte stehen Currywurst und Pommes, Chili-Cheese-Gerichte, vegane Alternativen und die Currywurst auch in veganer Variante. Dazu kommen etwa ein Philly Cheesesteak Sandwich mit argentinischem Rindfleisch, Zwiebeln, Paprika und Chili-Käsesauce sowie verschiedene Pommes-Kreationen. Bei den „Greek Pommes“ landen Hirtenkäse, Tzatziki, Pink-Garlic-Mayonnaise und Zwiebeln auf den Kartoffeln.
Auch der Taxiteller mit hausgemachtem Gyros, Currywurst und Pommes gehört zum Angebot; er kostet 11,50 Euro. Die Speisekarte ist nahezu identisch mit jener in Bochum, inklusive der Preise. Nur die Krakauer fehlt in Essen: Sie wird seltener bestellt, außerdem ist in der neuen Filiale weniger Platz.
Der Bochumer „Bochumteller“ – Currywurst, Pommes und Mayonnaise – ist ebenfalls dabei. In Essen heißt er allerdings „CPM“, kurz für Currywurst, Pommes und Mayo. Beim Angebot rund um den Bochumteller war zunächst noch eine Anpassung geplant, inzwischen ist klar: Die Kombination kommt unter dem neuen Namen auf die Essener Karte.
Zwei Stände, neue Kasse und Stauder-Frage
In der Markthalle sind zwei Stände direkt am Eingang vorgesehen: ein klassisches Bratwursthaus und ein Store, der sich am bestehenden Lieferangebot orientiert. Zum Unternehmen gehören außerdem ein Lieferservice, ein deutschlandweiter Onlineshop, ein Foodtruck und Catering für private Feiern, Firmenveranstaltungen und größere Events. Dönninghaus-Bratwürste und die hauseigene Currysauce können bereits deutschlandweit online bestellt werden; Würste und Saucen werden dort seit 2006 verkauft.
In Essen wird ein neues Kassensystem getestet. Ziel ist, Gutscheine künftig filialübergreifend und auch im Lieferservice einzulösen. Newsletter-Coupons sollen später per QR-Code eingescannt werden können – praktisch, wenn das Handy ohnehin schon zum Bezahlen in der Hand liegt.
Beim Bier wird in Bochum Fiege ausgeschenkt, für Essen wird Stauder erwogen. Möglicherweise dürfen die Kunden über soziale Medien abstimmen. Der ursprünglich vorgesehene Eröffnungstermin Anfang Oktober, möglichst am 1. Oktober, verschob sich wegen noch ausstehender Arbeiten. Nun steht der 15. Oktober fest.
Vom Bermuda3Eck bis zum Grönemeyer-Song
Bundesweit bekannt wurde das Bratwursthaus auch durch Herbert Grönemeyers Lied „Currywurst“, das von Besuchen dort inspiriert wurde. Grönemeyer veröffentlichte den Song 1982. Der Text entstand im Umfeld des Bochumer Schauspielhauses, Komiker Diether Krebs war daran beteiligt. Der Kölner Komiker Friedemann Weise schrieb außerdem „In der Kantine (gibt es heute Currywurst)“.
Die Currywurst gilt in Nordrhein-Westfalen als Kultgericht, doch beim Ursprung scheiden sich die Geister. In Berlin soll Herta Heuwer am 4. September 1949 in Charlottenburg erstmals Currywurst serviert haben. Eine andere These nennt den Duisburger Gastronomen Johann Peter „Peter Pomm“ Hildebrand. Laut dem Buch „Alles Currywurst – oder was?“ soll er bereits 1936 Currypulver über eine Wurst mit Tomatensoße gestreut haben. Als Hinweis gilt eine Rechnung über britisches Currypulver aus dem Hamburger Hafen; an „Peter Pomm’s Puszetten-Stube“ in Duisburg-Marxloh erinnert eine Plakette an diesen Erfindungsanspruch.
Bei einer „Currywurst Battle“ in Essen treten deshalb das „Team Ruhrgebiet“ und das „Team Berlin“ gegeneinander an. Die Berliner Variante wird mit Wurst ohne Darm und einer dünneren, fruchtigeren Soße verbunden. Im Ruhrpott kommt die Wurst mit Darm auf den Teller, die Soße ist dicker und tendenziell würziger. Zuerst entscheidet eine Jury, ab 12 Uhr dürfen Gäste probieren. Organisator Frank Zech sieht die Rivalität mit Humor: Gefeiert werde die Currywurst als Teil der deutschen Essenskultur.
Passend dazu gibt es sogar eine Erfindung aus NRW: Friedhelm Selbach entwickelte 1963 in Eckenhagen im Bergischen Land eine elektrische Currywurstschneidemaschine. Ein Imbissbesitzer wollte die Würste schneller und sauberer als mit Messer oder Schere zerkleinern. Die Maschine ging bald in Serie und wird bundesweit eingesetzt; der Prototyp steht im Heimatmuseum Radevormwald.
Ein Kantinenklassiker mit Konkurrenz
In Kantinen war die Currywurst lange kaum zu verdrängen. Nach Angaben des Großküchenlieferanten apetito war sie von 1992 bis 2019 das meistbestellte Kantinengericht. Nach 2020 fiel sie zeitweise bis auf Platz vier zurück. In der Statistik für 2025 schaffte es der „Mantateller“ – Currywurst mit Pommes – immerhin auf Platz drei, hinter Spaghetti Bolognese und Bami Goreng.
Wer in NRW weitere Anlaufstellen sucht, findet in Empfehlungen unter anderem Peter Pomm’s Puszetten-Stube in Duisburg-Marxloh, das Bratwursthaus in Bochum, den Männermetzger in Heinsberg, Freddys Pommesbude in Münster und den Baron in Kerpen-Horrem. Beim Männermetzger wurde die Currywurst laut einer Falstaff-Leserumfrage zur besten in NRW gewählt; beim Baron gibt es auch eine vegane Variante.
