Im Rheinfelder Roberstenquartier steht der Denner vor dem Aus. Die Betreiber wollen den Laden aufgeben, wie Denner bestätigt hat. Ein genaues Schliessungsdatum gibt es am 23.10.2026 noch nicht.

Im Quartier und in ganz Rheinfelden hat die Ankündigung zahlreiche Reaktionen ausgelöst. Anwohner betonen, wie beliebt das Geschäft und sein Personal seien. Für viele wäre die Schliessung ein grosser Verlust, manche äussern schlicht Unverständnis über die Entwicklung. Viele Rheinfelderinnen und Rheinfelder hoffen deshalb weiter auf eine Lösung, die den Erhalt des Ladens möglich macht.

Jahrelanger Streit um den Quartierladen

Nach Angaben von Denner können die behördlichen Vorgaben und die Bedürfnisse einzelner Anwohner unter den aktuellen Umständen nicht länger erfüllt werden. Der Betrieb des Quartierladens sei deshalb nicht mehr möglich.

Die Betreiber waren seit Jahren mit Beanstandungen einzelner Anwohner konfrontiert. Daraus entwickelten sich juristische Auseinandersetzungen. Gestritten wurde insbesondere über stark eingeschränkte Anlieferungszeiten, die Zonenkonformität und die Parkierung.

Der Sonntagsverkauf wurde bereits 2023 wegen der Kritik eingestellt. Gleichzeitig blieb die Unterstützung im Quartier gross: Mehr als 1700 Menschen unterzeichneten eine Petition für den Erhalt des Ladens. Unterstützer kritisieren, die Stadt habe sich aus ihrer Sicht nicht ausreichend für das traditionsreiche Geschäft eingesetzt.

Weitere Stimmen bedauern die mögliche Schliessung trotz langjähriger Tradition, guter Kundennachfrage und des Engagements vieler Menschen. Zwischen Einkaufswägen, kurzen Gesprächen und dem vertrauten Personal hängt für manche eben mehr als nur ein Wocheneinkauf an diesem Standort.

Leerstände beschäftigen den Detailhandel

Die Entwicklung in Rheinfelden steht in einem grösseren Zusammenhang. Luzern erwartet wegen vieler ausländischer Gäste einen Tourismusrekord, verzeichnet aber zugleich Leerstände an Toplagen – am Schwanenplatz am See, an der Pilatusstrasse beim Bahnhof und bei der «Passage zum Stein» am Eingang zur Altstadt. Ein Grund für den Wandel im Detailhandel: Die Bevölkerung kauft häufiger online ein.

Viele Schweizer Städte setzen deshalb auf City-Manager, die Innenstädte beleben und Leerstände reduzieren sollen. In Luzern ist Erich Felber seit rund 100 Tagen im Amt. Er setzt auf einen Nutzungsmix aus Einkaufen, Gastronomie, Unterhaltung und Aufenthaltsangeboten. Eine neue Vermittlungsplattform soll Vermietende und potenzielle Mietende zusammenbringen: Interessierte können Ladenkonzepte einreichen, Felber unterstützt bei der Entwicklung der Ideen, danach sollen passende Verkaufsflächen vermittelt werden. Ob das die Luzerner Innenstadt tatsächlich belebt, ist noch offen.

Aarau beschäftigt seit vier Jahren eine City-Managerin, inzwischen unbefristet. Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker sagt, sie habe ein breites Netzwerk aufgebaut und sich bei der Besetzung von Ladenflächen bewährt. Als Erfolge nennt die Stadt den Flagshipstore der Kleidermarke Nikin und die Ansiedlung der Restaurantkette Tibits.

In Schaffhausen ist Lukas Ottiger seit rund eineinhalb Jahren City-Manager. Eine Lösung gegen das Ladensterben habe er bisher nicht gefunden, sagt er. Stattdessen spricht er mit Beteiligten über neue Nutzungen für leer stehende Ladenlokale. Für mehr Leben in der Innenstadt sorgt unter anderem der «First Friday»: Jeden ersten Freitag im Monat machen rund 80 Geschäfte mit, dazu gibt es Apéros und Livemusik.

Altdorf arbeitet seit sechs Jahren mit dem Gewerbe-Coach Roman Schön. Anfangs wollte er leer stehende Verkaufsflächen möglichst schnell neu besetzen. Das gelang nur mit mässigem Erfolg, weil seine Möglichkeiten begrenzt seien. Inzwischen setzt Altdorf stärker auf übergreifende Massnahmen und Veranstaltungen. Während der Weihnachtszeit nutzen lokale Produzenten im Pop-up-Store «Hit und Hiä» leere Verkaufsflächen.

St. Gallen entschied sich gegen einen einzelnen City-Manager. Die Stadt beurteilte die Kosten als höher als den erwarteten Nutzen. Seit 2020 übernimmt das City Management Board diese Aufgaben. Das Gremium besteht aus Verbänden aus Gewerbe, Hotellerie, Tourismus und Gastronomie; finanziert wird es über Beiträge der Mitglieder. Initiiert wurde unter anderem der Event «Sankt Selbstgemacht», bei dem lokale Gewerbebetriebe Workshops anboten, die zentral gebucht und beworben wurden.

Die Erfahrungen der Städte zeigen: Ein allgemeingültiges Rezept gegen leere Verkaufsflächen gibt es nicht. In Rheinfelden bleibt derweil die Hoffnung auf eine Lösung für den Denner im Roberstenquartier – und die Frage, wann der letzte Einkauf dort möglich sein wird.