Galeria hat beim Amtsgericht Düsseldorf erneut die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Für die 83 Filialen bedeutet das vorerst nicht, dass die Türen geschlossen bleiben: Der Geschäftsbetrieb soll zunächst weiterlaufen. Rund 12.000 Beschäftigte bangen dennoch um ihre Arbeitsplätze. Ob und welche Warenhäuser langfristig bestehen bleiben, ist offen.

In Mitteldeutschland gibt es weiterhin Galeria-Standorte in Dresden, Leipzig, Magdeburg und Erfurt. Nach Angaben des Unternehmens soll das Verfahren helfen, die aktuelle Situation zu ordnen, Galeria zu stabilisieren und eine nachhaltige Zukunft zu ermöglichen. Konkrete Gründe für die erneute Insolvenz nannte Galeria zunächst nicht; auch zur finanziellen Lage wurden vorerst keine näheren Angaben gemacht.

Insolvenzgeld und viele offene Fragen

Die Bundesagentur für Arbeit hat bewilligt, dass die Galeria-Beschäftigten Insolvenzgeld erhalten. Das Geld soll über eine Bank vorfinanziert und dadurch schnell ausgezahlt werden. Diese Vorfinanzierung gilt als Voraussetzung dafür, dass der Geschäftsbetrieb vorläufig fortgeführt werden kann. Ob tatsächlich erneut ein Anspruch auf Insolvenzgeld besteht, hängt allerdings auch davon ab, ob Galeria zwischenzeitlich wieder zahlungsfähig war.

Es ist der vierte Insolvenzantrag der Warenhauskette seit 2020 – und laut WDR der vierte innerhalb von sechs Jahren. Beim vorherigen Verfahren vor rund zweieinhalb Jahren mussten neun der damals 92 Warenhäuser schließen. In Nordrhein-Westfalen gibt es derzeit noch 17 Filialen. Das Insolvenzverfahren von 2024 wurde Ende Juli 2024 aufgehoben, die anschließende Planüberwachung zur Kontrolle der Verpflichtungen aus dem Insolvenzplan war aber noch nicht abgeschlossen.

Bereits vor dem neuen Antrag hatte Galeria finanzielle Probleme. Berichte nannten ausstehende Mietzahlungen. Ende Juni stellte die US-Investmentgesellschaft Gordon Brothers einen Kreditrahmen von bis zu 160 Millionen Euro bereit, gebunden an einen dreijährigen Sanierungsplan. Nach Informationen des „Handelsblatts“ seien die Umsätze in den vergangenen Monaten deutlich zurückgegangen; außerdem soll ein großer Teil des Kredits bereits aufgebraucht sein.

Vorwürfe gegen Eigentümer und Management

Miteigentümer Bernd Beetz erklärte, die bisherigen Umstrukturierungsmaßnahmen hätten nicht schnell genug Erfolg gebracht. Verdi sprach dagegen von „haarsträubenden Managementfehlern“ und kritisierte, die Gesellschafter hätten in den vergangenen Jahren nicht nachhaltig investiert. Die Gewerkschaft fordert eine schnelle Aufklärung über die Zukunft der rund 12.000 Beschäftigten. Management und Eigentümer müssten die Beschäftigten sowie den Gesamtbetriebsrat in weitere Entscheidungen einbeziehen.

Im Sommer hatte Galeria angekündigt, 33 der damals 83 Warenhäuser auf ihre Wirtschaftlichkeit zu prüfen. Bewertet werden sollten unter anderem Mieten, Flächengrößen und Ertragskraft. Welche Filialen am Ende bleiben, ist damit keineswegs entschieden. Galeria-Chef Bernd Beetz hatte im vergangenen Jahr erklärt, die verbliebenen Warenhäuser seien profitabel und sollten weiter modernisiert werden. Nun steht wieder die bange Frage im Raum, ob das reicht.

Das Warenhaus zwischen Innenstadt und Onlinehandel

Das klassische Warenhausmodell steht seit Jahren unter Druck. Karstadt und Kaufhof verzeichneten sinkende Umsätze, während sich das Einkaufsverhalten veränderte. Onlinehandel und spezialisierte Händler gewannen Marktanteile. Im Modebereich konkurriert Galeria unter anderem mit Fast-Fashion-Anbietern wie H&M und Zara – mit schneller wechselnden Kollektionen und oft niedrigeren Preisen.

Als mögliche Strategie gilt eine stärkere Regionalisierung: Filialen könnten Sortiment und Angebot stärker an die lokale Kundschaft anpassen, also in Dresden anders auftreten als in Leipzig oder Erfurt. Laut einem Handelsexperten hat Galeria dieses Konzept bisher nicht konsequent umgesetzt. Dabei entscheidet sich im Alltag oft an ziemlich konkreten Dingen, ob jemand noch ins Warenhaus geht: Passt das Angebot zur Stadt? Sind die Wege übersichtlich? Gibt es Beratung, wenn man sie braucht?

2024 meldete Galeria zum dritten Mal Insolvenz an, nachdem der damalige Mutterkonzern Signa in Schieflage geraten war. Seit Sommer 2024 gehört das Unternehmen der US-Investmentgesellschaft NRDC und einer Beteiligungsfirma des Unternehmers Bernd Beetz. Die früheren Namen „Karstadt“ und „Kaufhof“ verschwanden aus dem Firmennamen, der Unternehmenssitz wurde von Essen nach Düsseldorf verlegt.

Jetzt läuft der Betrieb in den 83 Häusern zunächst weiter – mit geöffneten Verkaufsflächen, Beschäftigten an den Kassen und Waren, die verkauft werden müssen. Wie lange diese vorläufige Perspektive trägt und welche Standorte am Ende übrig bleiben, bleibt offen.