Bei KiK wird ausgedünnt: Das Unternehmen will 2026 in Deutschland rund 135 bis 150 Filialen schließen. Eine vollständige Liste gibt es am 10. Oktober 2026 noch immer nicht. Klar ist nur: Die Schließungswelle läuft bereits, weitere Standorte sollen bis Jahresende folgen.

Finanzvorstand Christian Kümmel bestätigte am 24. März 2026 rund 135 deutsche Schließungen. Europaweit sollen bis Ende 2026 etwa 300 Geschäfte aufgegeben, zugleich aber 75 neue eröffnet werden. Die Zahl der deutschen Filialen würde damit von rund 2.335 auf etwa 2.200 sinken.

Diese Standorte in Nordrhein-Westfalen sind betroffen

In Nordrhein-Westfalen waren zunächst acht Standorte bekannt: Essen, zwei Filialen in Hamm, Marl, Ochtrup, Radevormwald, Troisdorf-Mitte und Wassenberg. In Hamm-Werries schloss die Filiale im Maxicenter Ende August. Hamm-Pelkum an der Kamener Straße soll im Oktober schließen. Die Filiale in Wassenberg machte im September zu; als letzter Verkaufstag wurde der 14. September genannt.

Weitere Schließungen wurden aus Essen-Holsterhausen an der Gemarkenstraße und aus Essen-Haarzopf, Fulerumer Straße 221–223, bekannt. Dort war am 21. März Schluss, anschließend übernahm Aldi Nord die Fläche. Für Essen bleibt allerdings offen, welcher Standort der in überregionalen Übersichten genannten Filiale zugeordnet wird. Nach lokalen Berichten sind insgesamt zwei Essener Filialen betroffen.

In Duisburg-Friemersheim wurde die Filiale an der Kaiserstraße 16 Anfang Juni aufgegeben. Die Beschäftigten sollten nach Möglichkeit in anderen Filialen weiterarbeiten. In Herzogenrath-Kohlscheid, Südstraße 11, wird der Standort bei Google Maps als dauerhaft geschlossen geführt. Eine ausdrückliche Bestätigung von KiK liegt dafür nicht vor.

Auch in Unna an der Hertinger Straße deuten Ausverkauf und die Suche nach einem Nachmieter auf Bewegung hin. Bestätigt ist die Schließung dort aber nicht; außerdem gibt es eine aktuelle Stellenausschreibung. In Nettetal-Lobberich soll die Filiale in der Fußgängerzone möglicherweise schließen. KiK könnte an einem anderen Ort neu eröffnen – dann wäre es eher eine Verlagerung als ein kompletter Rückzug. In Recklinghausen ist die Zukunft einzelner Filialen ebenfalls offen.

Ein konkretes Beispiel für so einen Wechsel gibt es in Altena: Die Filiale in der Bungernpassage schließt am 10. Oktober. KiK plant, 2027 innerhalb des Stapel-Centers wieder zu eröffnen. Konkrete Hinweise auf weitere Schließungen in Nordrhein-Westfalen sind bislang kaum bestätigt.

Von Wutöschingen bis Pfullendorf

Sieben weitere betroffene Standorte wurden laut „Münchner Merkur“ bekannt: Wutöschingen, Wassenberg, Magdeburg, Mengen, Forst, Dassel und Pfullendorf. KiK bestätigte die Schließung einiger dieser Filialen auf Anfrage. Für Wutöschingen wurde der 18. September als letzter Verkaufstag genannt.

Öffentlich bekannte oder bestätigte Schließungen gibt es in Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen. Weitere Standorte könnten noch dazukommen. Eine komplette Übersicht der rund 150 geplanten Schließungen hat KiK nicht veröffentlicht.

Im ersten Quartal 2026 wurden in Deutschland bereits rund 25 Filialen geschlossen. Regionale Schließungen wurden unter anderem in Schweinfurt und Rottenburg bestätigt, weil Vermieter die Flächen anderweitig nutzen wollten. Grundsätzlich sollen Mietverträge unrentabler Filialen bei Ablauf nicht verlängert werden. Dauerhaft unprofitable Standorte können auch vorzeitig schließen, etwa nach Verhandlungen mit Vermietern oder durch Vertragsauflösungen.

Das Netz war zu eng geworden

KiK nennt die Maßnahme eine strategische Bereinigung und will das Filialportfolio „auf Profitabilität“ trimmen. Christian Kümmel erklärte, einige Filialen lägen weniger als einen Kilometer auseinander. Die Expansion sei zu aggressiv gewesen, manche Geschäfte konkurrierten letztlich um dieselben Kunden.

Nach Insiderangaben haben europaweit etwa 400 Filialen wirtschaftliche Probleme, rund 170 davon in Deutschland. Als Gründe werden die anhaltende Inflation und die daraus folgende Kaufzurückhaltung genannt, außerdem sinkende Kundenfrequenzen in schwächeren Lagen sowie der wachsende Druck durch Online-Anbieter wie Shein und Temu.

Besonders viele KiK-Filialen gibt es laut einer Erhebung von „Ruhr24“ in Dortmund mit 20 Standorten, in Köln mit 17 und in Bochum mit neun. Ob dort oder in anderen Städten weitere Geschäfte schließen, ist offen. Die angekündigte Verkleinerung wird von KiK als strategische Entscheidung dargestellt, nicht als erzwungene Krisenmaßnahme. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben keine Liquiditätsprobleme, zahlt seine Mieten und ist nicht insolvenzgefährdet.

Keine betriebsbedingten Kündigungen geplant

Betriebsbedingte Kündigungen sind nicht vorgesehen. Beschäftigte betroffener Filialen sollen möglichst in anderen Geschäften weiterarbeiten oder anderweitig eingesetzt werden. Wegen des dichten Netzes sieht KiK meist alternative Arbeitsplätze in der Nähe. Für manche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können sich trotzdem längere Arbeitswege ergeben – auf dem Papier klingt das leichter als im täglichen Pendelstress.

Deutschland bleibt für KiK der wichtigste Markt. Mit mehr als 2.200 Filialen wäre das Unternehmen weiterhin Deutschlands größter Textildiscounter. Rund 32.000 Menschen arbeiten in 14 europäischen Ländern für KiK, mehr als 19.000 davon in Deutschland; 93 Prozent der deutschen Beschäftigten sind im Filialbereich tätig.

Gegründet wurde KiK 1994 von Stefan Heinig und der Tengelmann-Gruppe in Düsseldorf. „KiK“ steht für „Kunde ist König“. Seit 2020 gehört das Unternehmen vollständig zur Tengelmann-Gruppe unter Führung von Christian Haub, es ist nicht börsennotiert. Der Umsatz lag 2023 bei rund 2,4 Milliarden Euro; nach eigenen Angaben erzielte KiK 2024 ebenfalls einen Umsatz von 2,4 Milliarden Euro. Im Sortiment liegen Bekleidung für die ganze Familie sowie Haushalts-, Non-Food- und Dekorationsartikel. Rund 60 Prozent entfallen auf Textilien.

Seit August 2025 ist Christian Kümmel Finanzvorstand. Agnieszka Jaworska leitet seit November 2025 die kundennahen Bereiche einschließlich Einkauf und Sortimentsgestaltung. Parallel zur Schließungswelle sollen 75 neue Standorte in Europa entstehen. Bis 2028 will KiK ein neues Filialkonzept ausrollen – mit übersichtlicherer Warenanordnung, modernen Shop-in-Shop-Bereichen und saisonalen Schwerpunktartikeln.

Für Innenstädte und Fachmarktzentren kann der Rückzug trotzdem spürbar werden. KiK tritt häufig als Ankermieter auf; fällt das Geschäft weg, drohen Leerstände. Weniger Kundschaft im Haus oder in der Straße kann wiederum benachbarte Läden treffen und weitere Schließungen begünstigen. Der Handelsverband Deutschland erwartet für 2026 bundesweit rund 296.600 stationäre Geschäfte.

Ob in Dortmund, Köln, Bochum oder anderswo noch Rollgitter heruntergehen, bleibt derzeit offen. Sicher ist nur: Die nächsten Räumungsverkäufe werden nicht überall lange vorher angekündigt.