Action startet den Sprung über den Atlantik
Wer bei Action nur schnell ein paar günstige Dekoartikel holen will, kennt das Problem: Beim nächsten Besuch kann das gesuchte Produkt schon wieder verschwunden sein. Jede Filiale führt rund 6.000 Artikel, etwa 150 davon kommen pro Woche neu hinzu. Die Mengen sind begrenzt, das Sortiment dreht sich rasch – und genau deshalb landet manchmal etwas im Einkaufswagen, das eigentlich gar nicht auf der Liste stand.
Hinter diesem Wechsel steckt ein ungewöhnliches Beschaffungsnetz. Action kauft bei klassischen Großhändlern, spezialisierten Importeuren, Markenanbietern und Restpostenhändlern ein. Dazu kommen direkte Bestellungen bei Fabriken, ohne Zwischenhändler. Europaweit eröffnet der Non-Food-Discounter durchschnittlich an jedem Werktag eine neue Filiale.
Vom niederländischen Laden zum US-Plan
Gegründet wurde Action 1993 von Gerard Deen und Rob Wagemaker; der erste Laden eröffnete in Enkhuizen in den Niederlanden. Eine weitere Quelle nennt als Gründungsort Medemblik-Zwaagdijk-Oost. 2009 folgte die erste deutsche Filiale in Schüttorf nahe der niederländischen Grenze.
Ende 2025 betrieb Action in Deutschland rund 650 Filialen und beschäftigte gut 15.500 Menschen. Europaweit sind es nach eigenen Angaben rund 84.000 Beschäftigte. Weltweit kam das Unternehmen zuletzt auf gut 3.300 Filialen in 14 Ländern und mehr als 84.200 Mitarbeitende. Laut „SWR Marktcheck“ gibt es in den deutschen Action-Filialen bislang keine Betriebsräte.
Frankreich ist der größte europäische Einzelmarkt und hat mehr Action-Filialen als jedes andere Land. Für 2026 plant das Unternehmen mindestens 400 neue Standorte sowie den Eintritt in zwei weitere Märkte. Nach dem Markteintritt in Kroatien im März ist Slowenien vorgesehen, erste kroatische Standorte verzeichnen laut Action eine hohe Nachfrage. 2027 soll Bulgarien folgen.
Der nächste große Schritt führt über den Atlantik. Die erste Filiale im Südosten der Vereinigten Staaten soll Ende 2027 oder Anfang 2028 eröffnen. Bis 2030 sind rund 100 US-Standorte geplant. Eine umfassende Marktanalyse habe laut Action Potenzial für das Konzept ergeben; entscheidend waren unter anderem das Wettbewerbsumfeld und die Umsetzbarkeit. Zu den Wettbewerbern zählen Woolworth, Tedi, Pepco und Kodi.
Verkauft werden sollen dort unter anderem Haushalts- und Schreibwaren, Mode, Heimtextilien, Dekoration, Spielzeug, Multimedia sowie Freizeit- und Sportartikel. Das Angebot soll dem bisherigen Sortiment ähneln, aber an lokale Verbraucherwünsche angepasst werden. Derzeit baut Action eine US-Organisation auf. Eine Filiale beschäftigt üblicherweise etwa 15 bis 25 Mitarbeitende, ein Distributionszentrum mehrere Hundert Menschen. Damit dürften durch die Expansion Hunderte neue Arbeitsplätze entstehen. Wie hoch die geplanten Investitionen ausfallen, dazu machte Action keine Angaben.
Warenfluss mit Doppeldecker und Elektro-Lkw
Damit die ständig wechselnden Waren in den Läden ankommen, betreibt Action europaweit 18 Verteilzentren und vier Logistik-Hubs. Seit 2024 gibt es ein eigenes Distributionszentrum im niedersächsischen Peine. Im Jahr 2025 kamen europaweit drei weitere Logistikzentren hinzu. Neue Zentren in Italien, Spanien und Frankreich sollen das weitere Wachstum unterstützen.
Für den Weg zu den Filialen setzt Action unter anderem Doppeldecker-Lkw ein. Sie können mehr Ware transportieren als herkömmliche Anhänger. Am Distributionszentrum in Biblis startete Action 2023 gemeinsam mit Fiege außerdem einen Test mit vollelektrischen Lkw: Zwei Volvo-Elektro-Lkw belieferten mehrere Filialen im hessischen Umland emissionsfrei.
Das Sortiment reicht von Haushalts- und Schreibwaren über Kleidung, Heimtextilien und Dekoration bis zu Spielzeug, Multimedia sowie Freizeit- und Sportartikeln. Die Ware kommt aus vielen Quellen, deshalb verändert sich das Angebot wöchentlich. Wer etwas Bestimmtes sucht, sollte nicht zu lange überlegen – der Artikel kann beim nächsten Besuch bereits ausverkauft sein.
Prüfung, Standards und Klimaziele
Eigenmarken-Produkte müssen laut Action die gesetzlichen Mindestanforderungen aller 15 EU-Länder erfüllen, in denen das Unternehmen aktiv ist. So können sie europaweit in gleicher Form verkauft werden. Jens Madinsky, technischer Manager des Qualitätsmanagements, sagt, dass alle Produkte in akkreditierten Prüflaboren getestet werden. Action gibt an, der Qualitätsstandard solle mindestens dem anderer Händler entsprechen.
Im Geschäftsjahr 2025 steigerte Action den Umsatz um 16 Prozent auf 16 Milliarden Euro. Durchschnittlich 21,6 Millionen Kunden kauften jede Woche bei Action, der Umsatz auf vergleichbarer Verkaufsfläche stieg um 4,9 Prozent. Das Filialnetz wuchs um 384 Standorte auf insgesamt 3.302 Filialen in 14 Ländern. Das operative Ergebnis erhöhte sich um 14 Prozent auf 2,367 Milliarden Euro.
Mehr als 4.500 neue Arbeitsplätze entstanden, inzwischen beschäftigt Action über 84.000 Menschen aus 166 Nationen. Die Science Based Targets Initiative bestätigte die Klimaziele des Unternehmens im Einklang mit dem 1,5-Grad-Ziel. Die Emissionen aus den eigenen Betriebsprozessen sanken seit 2021 um 56 Prozent. Auch in der Lieferkette beteiligen sich mehr Lieferanten an Klimazielen.
Mehr als 99 Prozent der Materialien für Eigenmarken – darunter Baumwolle, Holz, Kakao, Kaffee und Palmöl – stammen aus zertifizierten Quellen. Der Anteil recycelter Kunststoffe wurde auf 37 Prozent erhöht, zugleich optimierte Action seine Verpackungen weiter.
Auch sozial ist das Unternehmen aktiv: Kooperationen mit Hilfsorganisationen erreichen Tausende Kinder. Neue Initiativen fördern sportliche Aktivitäten und die medizinische Kinderkrebsforschung. Außerdem unterstützt Action Programme für faire Einkommen in landwirtschaftlichen Lieferketten. Und während in Europa weitere Standorte vorbereitet werden, laufen in den USA bereits die organisatorischen Vorarbeiten für die ersten Läden im Südosten.
Quelle: Der Westen
Weitere Quelle: Handelsblatt
Einordnung: Retail News
