Wer heute, am 26.10.2026, durch deutsche Filialen und Standorte von Aldi, Lidl und Action geht, merkt schnell: Diese drei Händler spielen nicht ganz dasselbe Spiel. Aldi und Lidl sind auf den täglichen Bedarf, Grundnahrungsmittel und möglichst stabile Verfügbarkeit ausgerichtet. Action dagegen lebt vom Stöbern. Mehr als 6.000 Artikel liegen dort im Sortiment, rund 150 Produkte wechseln jede Woche. Man geht wegen Klebeband hinein und kommt mit einer Lichterkette, einem Werkzeugset und Snacks wieder heraus.

Bei Action dominieren Non-Food-Waren: Dekoration, Bastelbedarf, Haushaltsartikel und Werkzeuge. Frischetheken, Obst, Gemüse oder Backstationen sucht man vergeblich. Haltbare Süßwaren, Knabberartikel und Energy-Drinks gibt es allerdings. Ein Teil der Markenware stammt aus ausländischen Restposten; fremdsprachige Verpackungen sind daher keine Seltenheit. Aldi und Lidl setzen stärker auf Eigenmarken und regionale Produktion.

Andere Standorte, andere Kosten

Lidl hat nach Angaben des zugrunde liegenden Vergleichs etwa die Hälfte seiner Filialen mit Selbstbedienungskassen ausgestattet, auch Aldi baut SB-Kassen aus. Action setzt überwiegend auf bemannte Kassen und testet SB-Terminals nur vereinzelt. Wer dort einkauft, steht also eher klassisch an – manchmal flott, manchmal mit dem kleinen Einkaufswagenstau vor der Kasse.

Auch bei den Standorten zeigen sich Unterschiede. Aldi und Lidl bevorzugen Hauptverkehrsstraßen und Stadtteilzentren. Action zieht häufig in ehemalige Baumärkte, ältere Einkaufszentren oder Fachmarktzentren am Stadtrand. Niedrigere Mieten und der Einkauf von Restposten helfen bei der Preiskalkulation. Aldi und Lidl holen ihre Kostenvorteile vor allem über große Einkaufsmengen und Eigenmarken herein.

Discounter profitieren generell von einem kleineren Sortiment, hoher Umschlaggeschwindigkeit, wenigen Lieferanten und einem hohen Eigenmarkenanteil. Vollsortimenter wie Edeka oder REWE bieten dagegen mehr Marken, größere Auswahl und Bedientheken, gleichen den Abstand aber teilweise durch Aktionen aus. 2024 kamen Discounter im organisierten deutschen Lebensmitteleinzelhandel auf rund 97,7 Milliarden Euro von insgesamt 209,7 Milliarden Euro – knapp 47 Prozent. Edeka, REWE, Aldi und die Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland vereinen laut den genannten Erhebungen rund 85 Prozent des Marktes.

Der Standort zählt trotzdem. Preise können je nach Mietniveau, Wettbewerbsdichte und Stadt variieren; ein Vergleich aus einer anderen Stadt ist deshalb nur ein Anhaltspunkt. Im Juni 2026 lagen die Lebensmittelpreise laut Statistischem Bundesamt 0,4 Prozent über dem Vorjahresmonat und 0,5 Prozent unter dem Vormonat. Frisches Obst wurde im selben Zeitraum um 4,0 Prozent günstiger, frisches Gemüse um 2,7 Prozent.

Der Warenkorb lügt nicht – wenn man richtig rechnet

„Der Discounter ist immer billiger“ klingt praktisch, stimmt aber nicht für jedes Produkt. Entscheidend ist die Summe des eigenen Warenkorbs. Stiftung Warentest verglich 20 Standardlebensmittel und kam auf Warenkorbpreise zwischen 30,95 und 62,93 Euro. Bei 15 von 20 Produkten lag der Abstand zwischen dem günstigsten und dem teuersten Anbieter bei mehr als 100 Prozent.

Die Unterschiede springen manchmal ins Auge: Äpfel kosteten im Vergleich 0,86 bis 3,99 Euro je Kilogramm, 250 Gramm Butter 1,49 bis 3,49 Euro. Bei Mehl, Reis, Nudeln und Konserven liegt häufig der Discounter vorn. Molkereiprodukte und Butter schwanken stark, Aktionen geben den Ausschlag. Obst und Gemüse sind beim Discounter oft günstiger, während Vollsortimenter mehr Auswahl und kleinere Mengen bieten. Fleisch und Wurst können je Kilogramm beim Discounter billiger sein – Haltungsform, Herkunft und Zuschnitt müssen aber mit auf den Zettel. Bei Markenartikeln, Spezialitäten, Bio-Marken und Free-from-Produkten haben häufig Vollsortimenter die Nase vorn. Drogerieartikel im Lebensmittelhandel sind wiederum in spezialisierten Drogeriemärkten oft günstiger.

Für einen belastbaren Vergleich reichen 15 bis 20 regelmäßig gekaufte Artikel. Gleiche Qualitätsstufe wählen, den Grundpreis je Kilogramm oder Liter notieren und die Preise innerhalb derselben Woche erfassen – zunächst ohne Aktionspreise. Danach dürfen die Aktionen als zusätzliche Ersparnis dazukommen. Prospekte zeigen nämlich nur einen kleinen Ausschnitt des Sortiments und taugen nicht als alleiniger Maßstab für das allgemeine Preisniveau.

Ein brauchbarer Selbstversuch geht so: drei aktuelle Kassenbons heranziehen, die 20 häufigsten Artikel auswählen, Marke oder Eigenmarke pro Artikel festlegen, die Grundpreise von drei Anbietern notieren, Warenkorbsummen vergleichen und die fünf größten Abweichungen markieren. Nach sechs Monaten wird wiederholt. Zweimal im Jahr reicht meist. Die fünf bis zehn auffälligsten Preisunterschiede lassen sich dann gezielt auf die Anbieter verteilen.

Bei einem Wocheneinkauf von 80 bis 120 Euro wird ein mögliches Umschichtungspotenzial von etwa 5 bis 15 Prozent genannt. Dafür lohnt sich aber nicht jede Extra-Runde. Eine zusätzliche Fahrt von zehn Kilometern kann den Preisvorteil durch Sprit- und Zeitkosten auffressen; ein zweiter Einkaufsstopp macht eher Sinn, wenn er ohnehin auf dem Weg liegt.

Eigenmarke statt Markenlogo

Markenprodukte kosten laut Verbraucherzentrale NRW durchschnittlich 51,3 Prozent mehr als Handelsmarken. Stiftung Warentest wertete 1.414 Produkte aus 58 Lebensmitteltests aus. Eigenmarken schnitten dabei häufig ähnlich gut ab wie teurere Markenprodukte. Bei Mineralwasser, Apfelmus und Tortellini lag die mögliche Ersparnis durch Eigenmarken ungefähr bei der Hälfte des Markenpreises.

Im Lebensmittelsortiment lag der Eigenmarkenanteil 2024 bei knapp 47 Prozent. Laut einer zitierten Shopper-Studie kauften 2025 bereits 52 Prozent der Konsumenten überwiegend Eigenmarken, nach 43 Prozent im Vorjahr. Üblich sind drei Stufen: eine Basis- beziehungsweise Preiseinstiegslinie, die Standard-Eigenmarke und eine Premium-Handelsmarke. Den größten Sprung macht meist der Wechsel von Markenprodukten zur Standard-Eigenmarke. Vom Standard- zum Basisprodukt sind es oft nur wenige Cent.

Handelsmarken sind Eigenmarken von Einzelhändlern wie Edeka, Rewe oder Aldi und damit von Herstellermarken zu unterscheiden, die den produzierenden Unternehmen gehören. Deutschland hat im europäischen Vergleich einen hohen Handelsmarkenanteil. In den vorliegenden Angaben werden für die Schweiz ein mengenmäßiger Anteil von Prozent und für Tschechien * Prozent genannt; für den deutschen Gesamtmarkt, Discounter, Food-Vollsortimenter, SB-Wurstwaren sowie die Verbraucherwerte sind die Prozentangaben der Quelle nicht vollständig ausgewiesen. Fest steht: Bei Discountern ist der Anteil besonders hoch, bei Edeka- und Rewe-Supermärkten niedriger. Klassische Hard Discounter wie Aldi nehmen zunehmend auch Herstellermarken auf, um weitere Kundengruppen anzusprechen.

Im Nearfood-Bereich sind Haushaltseinwickler und Papierhygieneprodukte, etwa Toilettenpapier, besonders eigenmarkenstark. Im Food-Segment gilt das für SB-Wurstwaren und Produkte der Gelben Linie. Für SB-Wurstwaren wird ein Marktanteil von Prozent genannt. Rund Prozent der Verbraucher verbanden Handelsmarken zuletzt mit „preisgünstig“, bei Herstellermarken lag dieser Anteil bei * Prozent. Die niedrigen Preise sind also der stärkste Anker – ob das Produkt am Ende schmeckt, entscheidet dann doch der Inhalt.

Aktionen, Apps und der kleine Haken

Aldi und Lidl bewerben zweimal wöchentlich fest geplante Aktionsartikel. Bei Action kommen jede Woche mehr als 150 neue Produkte hinzu; dafür kann ein Artikel kurzfristig verschwinden. Der direkte systematische Preisvergleich ist beim wechselnden Non-Food-Sortiment schwierig. Preise lassen sich etwa über die Action-App, KaufDA oder MeinProspekt abgleichen. Smhaggle vergleicht fotografierte Kassenbons mit Preisen anderer Anbieter und arbeitet dabei mit Community-Kassenbons.

Lidl Plus bringt Coupons, digitalen Kassenbon und eine eigene Preishistorie. Viele besonders günstige Lidl-Preise und Angebote sind an die App gebunden; ohne QR-Code gilt laut Artikel teilweise der höhere Standardpreis. Die Aldi-App liefert Prospekte, Einkaufslisten mit Preisen und Angebotsinformationen. Action nutzt seine App unter anderem für digitale Rubbellose und Gewinnchancen, die Preise gelten dort in der Regel unabhängig von der App-Nutzung.

Auch Kaufland Card mit Coupons und Punkten, die REWE App mit Filialangeboten und Payback-Anbindung sowie die Penny App mit Coupons und Wochenangeboten gehören in diesen App-Kosmos. Marktguru bündelt kettenübergreifende Prospekte und bietet Cashback per Kassenbon. Für Non-Food-Aktionsware wie Werkzeug oder Technik sind idealo und Geizhals geeignetere Vergleichsquellen. Statt der unverbindlichen Preisempfehlung sollte der reale Online-Marktpreis herangezogen werden.

Bei haltbaren Waren – Kaffee, Waschmittel, Konserven und Hygieneartikel – können Aktionskäufe über längere Zeit etwas bringen. Der Grundpreis macht versteckte Preiserhöhungen sichtbar: Wird eine Packung von 500 auf 400 Gramm verkleinert, während der Preis gleich bleibt, steigt der Grundpreis um 25 Prozent. Die gefühlte Teuerung kann ohnehin über der gemessenen Inflation liegen, weil Lebensmittel häufig gekauft werden, sich der persönliche Warenkorb verändert und Packungen schrumpfen können.

Service, Rückgabe und Sicherheit

Bei Aldi und Lidl kann man ab einem Einkaufswert von 99 Cent gebührenfrei bis zu 200 Euro Bargeld abheben. Laut Artikel funktioniert die Auszahlung mit Girocard sowie Visa- und Mastercard. Action bietet diesen Service nicht an. Kontaktloses Bezahlen per Smartphone oder Smartwatch ist bei allen drei Anbietern möglich.

In vielen Lidl-Filialen stehen Terminals für den Lidl-Fotoservice, teilweise gibt es auch Packstationen. Action bietet keine Poststationen und keine Fotoautomaten. Bei Aldi Süd und Aldi Nord gilt für Non-Food-Artikel eine Rückgabefrist von 90 Tagen, bei Lidl sind es 30 Tage. Lebensmittel mit Qualitätsmängeln können bei Aldi Süd und Nord laut Artikel unbefristet und häufig ohne Kassenbon zurückgegeben werden. Action ermöglicht Umtausch oder Erstattung innerhalb von acht Tagen ab dem Kauf, verlangt grundsätzlich aber ein ungeöffnetes, unversehrtes Produkt in der Originalverpackung.

Hygieneartikel wie Unterwäsche, Socken und geöffnete Kosmetik sind bei allen drei Anbietern vom Umtausch ausgeschlossen. Gutscheinkarten und Geschenkkarten nimmt keiner der drei Händler zurück. Bei Warenrückrufen wird der Kaufpreis dagegen auch ohne Kassenbon erstattet, selbst bei geöffneter Verpackung; das betrifft etwa Lebensmittel, Spielzeug oder Elektrogeräte.

Gerade bei Action-Spielzeug ist Aufmerksamkeit kein Luxus. Spielzeug, Bastelsets, Spielautos und Puppen sind dort häufig günstiger und in großer Auswahl zu haben. Wegen globaler Warenquellen kam es jedoch wiederholt zu Rückrufen. Käufer sollten auf chemischen Geruch, das CE-Zeichen und aktuelle Sicherheitswarnungen achten. Produktsicherheitsinformationen stehen in den jeweiligen Apps oder auf den Webseiten. Aldi und Lidl werden im Artikel bei Aktionsware als Anbieter mit strengeren Qualitätskontrollen beschrieben.

Lidl wird außerdem als europäischer Spitzenreiter eines aktuellen Nachhaltigkeitsrankings mit detailliertem Klimafahrplan genannt. Aldi steht für Eigenmarken-Qualität und Preis-Leistungs-Verhältnis, Action vor allem für wechselnde Ware, den „Schatzsuche“-Effekt und niedrige Preise bei Marken-Restposten. Aldi und Lidl verfolgen stärker Nachhaltigkeits- und Klimaziele.

Einen eindeutigen Gesamtsieger gibt es nicht. Für frische Lebensmittel und dauerhaft verfügbare Eigenmarken passen Aldi und Lidl besser. Wer Dekoration, günstige Werkzeuge, Haushaltsartikel sowie Snacks und Energy-Drinks sucht, findet bei Action häufig besonders niedrige Preise. Und wer an der Kasse nicht nur auf das Logo schaut, sondern auf Grundpreis, Qualität und den Wert des ganzen Warenkorbs, erlebt manchmal eine kleine Überraschung – im Guten wie im weniger guten Sinn.