In den Filialen der Bäckerei Lampe im Kyffhäuserkreis dürfte derzeit vieles nach Abschied riechen: nach warmem Brot, aber auch nach leeren Verkaufsräumen und Ungewissheit. Die insolvente Traditionsbäckerei soll weitergeführt werden. Bei der ersten Gläubigerversammlung stimmten die Gläubiger einstimmig für den Sanierungskurs und die weitere Ausarbeitung eines Insolvenzplans.

Das seit sechs Generationen bestehende Familienunternehmen wird von den Brüdern André und Stephan Lampe geführt. Die geplante Rettung hat allerdings ihren Preis. Drei Filialen wurden bereits geschlossen, zwölf weitere sollen folgen. Zum Zeitpunkt des Insolvenzantrags vor rund vier Monaten verfügte die Bäckerei über 44 Standorte und etwa 280 Beschäftigte. Damit verschwindet mehr als ein Drittel des Filialnetzes.

Weniger Standorte, weniger Kosten

Bis zum Abschluss der Restrukturierung sollen etwa 40 weitere Beschäftigungsverhältnisse wegfallen. Bereits zu Beginn des Insolvenzverfahrens hatten zahlreiche Beschäftigte Kündigungen erhalten. Nach Abschluss der Maßnahmen sollen rund 150 Arbeitsplätze bestehen bleiben.

Die Ursachen der finanziellen Schieflage liegen laut den vorliegenden Angaben bei hohen Energie-, Rohstoff- und Personalkosten sowie bei der Konkurrenz durch günstige Backwaren aus Discountern. Durch Filialschließungen und Personalabbau sollen Miet-, Personal- und weitere Kosten deutlich sinken. Parallel verhandelt der Insolvenzverwalter mit den Gläubigern über einen erheblichen Schuldenabbau. Ziel ist, die Bäckerei langfristig wieder profitabel aufzustellen.

Lampe aus Roßleben-Wiehe hatte im Juni 2026 vorläufige Insolvenz beantragt. Der Fall reiht sich in eine Entwicklung ein, die inzwischen weit über Thüringen hinausreicht. Im ersten Halbjahr 2026 meldeten in Deutschland 63 Bäckereiunternehmen Insolvenz an – 40 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Zahlen stammen von Creditreform und beziehen sich auf Unternehmen, die Backwaren selbst herstellen und verkaufen. Reine Verkaufsfilialen ohne eigene Produktion sind nicht erfasst.

Zu den betroffenen Unternehmen zählen unter anderem die Mecklenburger Backstuben GmbH, die Bäcker Lampe GmbH & Co. KG, die Keim & Brecht OHG und die Bäckerei Kayser GmbH. Laut Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform-Wirtschaftsforschung, gibt es seit 2023 ein erhöhtes Insolvenzgeschehen.

Das Bäckerhandwerk schrumpft

Ende 2025 gab es noch 8.659 Meisterbäckereien, 2,8 Prozent weniger als im Vorjahr. 2014 waren es noch 12.611 Betriebe; innerhalb von elf Jahren verschwanden damit mehr als 3.900. In den 1990er-Jahren existierten sogar noch mehr als 55.000 Bäckereien. Die verbliebenen Betriebe betreiben rund 35.000 Filialen beziehungsweise 43.500 Verkaufsstellen.

Auch bei den Beschäftigten zeigt sich der Rückgang. Ende 2025 arbeiteten rund 232.000 Menschen im Bäckerhandwerk, 1,4 Prozent weniger als im Vorjahr. 2014 waren es noch 277.200 Beschäftigte – seitdem gingen rund 45.000 Arbeitsplätze verloren.

Der Nachwuchs macht die Lage nicht gerade leichter: 2025 gab es 11.389 Auszubildende, darunter 4.593 im Bäckerberuf und 6.668 im Fachverkauf. 2024 waren es 10.175 Auszubildende, 2014 noch 20.540. Zugleich machten sich 2025 immerhin 448 Bäckermeisterinnen und Bäckermeister selbstständig, nach 405 im Jahr 2024. Der Branchenumsatz stieg 2025 um 1,3 Prozent auf 18,14 Milliarden Euro.

Die Insolvenzstatistik muss allerdings mit etwas Vorsicht gelesen werden. Die Datenbank von insolvenzkarte.de berücksichtigt ausschließlich eröffnete Firmeninsolvenzen von Bäckereien, Konditoreien und Backwarenbetrieben in der Rechtsform einer Kapitalgesellschaft. Einzelunternehmen und stille Betriebsaufgaben fehlen.

Für 2023 weist die Datenbank in der Backwarenherstellung 86 eröffnete Insolvenzverfahren aus; sieben Anträge wurden mangels Masse abgewiesen. Die Unternehmensinsolvenzen in der Branche stiegen 2024 um 16,8 Prozent. Bundesweit gab es 2024 rund 22.400 Unternehmensinsolvenzen, 24,3 Prozent mehr als im Vorjahr. 2025 wurden 24.064 Firmeninsolvenzen registriert – der höchste Stand seit elf Jahren und 10,3 Prozent mehr als 2024.

Von Januar bis Mai 2026 wurden 10.546 Unternehmensinsolvenzen beantragt, 4,9 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Im ersten Quartal 2026 waren es 6.275 Fälle, 6,5 Prozent mehr als im ersten Quartal 2025. Laut der verwendeten Datenbank wurden bis zum 4. September 2026 21 eröffnete Bäckerei-Insolvenzen erfasst. In den zwölf Monaten bis zum 4. September 2026 kamen 34 Fälle hinzu.

Jahr Verfahren bei Kapitalgesellschaften
2020 11
2021 7
2022 15
2023 24
2024 25
2025 25
Summe 2020–2025 128

Teure Öfen, knappe Margen

Der Kostendruck kommt an vielen Stellen gleichzeitig. Der Anteil von Strom- und Gaskosten am Umsatz stieg von rund 3 Prozent vor 2020 auf teilweise mehr als 15 Prozent nach der Energiepreiskrise 2022. Einige Betriebe berichteten von einer bis zu siebenfach höheren Gasrechnung. Die Betriebsergebnisse niedersächsischer Bäckereien sanken 2022 durchschnittlich um rund 27 Prozent, obwohl die Umsätze stiegen.

Rund 55 Prozent der Energiekosten entstehen in der Produktion, vor allem durch Backöfen und Kälteanlagen. Weitere 35 Prozent entfallen auf den Vertrieb, 10 Prozent auf die Verwaltung. 2022 kostete Weizenmehl für manche Betriebe bis zu 55 Prozent mehr als im Vorjahr. Im Juni 2026 war Getreide wieder 7,7 Prozent günstiger als ein Jahr zuvor, pflanzliche Agrarerzeugnisse verbilligten sich um 6,5 Prozent.

Die Kostenbelastung liegt deshalb inzwischen vor allem bei Personal und Löhnen. In personalintensiven Betrieben machen Löhne mehr als 50 Prozent des Umsatzes aus. Der gesetzliche Mindestlohn stieg im Januar 2026 auf 13,90 Euro und soll 2027 auf 14,60 Euro steigen. 86 Prozent der Beschäftigten berichteten von ständigem Zeitdruck und Personalmangel. Mancherorts führte das zu kürzeren Öffnungszeiten oder zur Schließung von Filialen – eben genau zu jenen Einschnitten, die nun auch Lampe plant.

Für die Kundschaft wird Brot zugleich teurer. Von 2019 bis 2023 verteuerten sich Brot und Brötchen um 34,4 Prozent, während die allgemeine Inflation im gleichen Zeitraum bei 17,3 Prozent lag. Haushalte kauften 2024 rund 10 Prozent weniger Brot als 2019, durchschnittlich 4,3 Kilogramm weniger pro Haushalt. Für 2025 wurde ein Pro-Kopf-Verbrauch von 106,19 Kilogramm Brot- und Getreideprodukten angegeben, darunter 61,13 Kilogramm Brot. Für 2026 wurde nur ein Absatzplus von 0,9 Prozent erwartet.

Backstation statt Bedientheke

Von April 2025 bis März 2026 kauften Haushalte rund 2,5 Kilogramm weniger Brot als im entsprechenden Zeitraum vier Jahre zuvor. Discounter hielten rund 47,5 Prozent des Brotmarkts im Einzelhandel. Der Einzelhandelsmarkt für Brot und Aufbackwaren wurde mit rund 3,7 Milliarden Euro angegeben. Selbstbedienungsstationen und Backautomaten ersetzen zunehmend klassische Bedientheken.

Viele Verbraucher nehmen die Backwaren gleich beim Wocheneinkauf im Supermarkt oder Discounter mit. Klassischen Bäckereien fehlt dadurch Laufkundschaft. Eine YouGov-Auswertung, für die rund 2.100 Menschen ab 18 Jahren in Deutschland befragt wurden, zeigt ebenfalls, dass Brötchen zunehmend im Supermarkt oder Discounter gekauft werden. Supermärkte und Discounter haben ihr Angebot ausgeweitet und verkaufen inzwischen auch Croissants und Snacks für spontane Käufe.

Im ersten Quartal entfielen laut YouGov 70 Prozent der in Deutschland verkauften Mengen an Brot und anderen Backwaren auf den Lebensmitteleinzelhandel. Seit 2020 sind Brot, Brötchen, andere Backwaren und Rohstoffe wie Mehl deutlich teurer geworden. Backwaren kosten in Bäckereien meist mehr als im Supermarkt oder Discounter; laut YouGov nimmt der Preisabstand weiter zu. Bäckereien müssen ihren Mehrwert – Frische, Geschmack und regionale Zutaten – für Kunden deutlicher vermitteln.

Wie hart der Markt geworden ist, zeigen mehrere Fälle. Der Lila Bäcker startete mit 232 Standorten und rund 1.600 Beschäftigten in die Insolvenz. Zum 1. Februar 2025 wurden die letzten 160 Filialen und die Produktion in Pasewalk geschlossen; rund 900 Beschäftigte verloren ihren Arbeitsplatz. Die Finanzierung einer Rettung scheiterte, nachdem ein Investor seine Finanzierung nicht ausreichend nachweisen konnte und Banken weitere Mittel verweigerten.

Rackls Backstubn meldete im Dezember 2025 Insolvenz an. Die Münchner Bäckerei hatte 35 Filialen und rund 470 Beschäftigte. Das Verfahren wurde am 1. Dezember 2025 in Eigenverwaltung eröffnet, der Betrieb lief zunächst weiter. Hansen Mürwik stellte am 20. November 2025 einen Insolvenzantrag; betroffen waren elf Standorte und 145 Beschäftigte. Als Gründe wurden hohe Modernisierungs-, Energie- und Personalkosten genannt.

Die 136 Jahre alte Bäckerei Kayser aus Neuenrade schloss im März 2026 nach ihrer zweiten Insolvenz innerhalb von zwei Jahren alle 14 Filialen; 120 Arbeitsplätze gingen verloren. Auch die ostdeutsche Großbäckerei Sternenbäck geriet in die Insolvenz. Ketteninsolvenzen können sich in den Daten zeitverzögert in einzelne Verfahren je Gesellschaft und Amtsgericht aufteilen.

Für die Bäckerei Lampe im Kyffhäuserkreis bleibt damit ein enger Korridor: weniger Filialen, weniger Beschäftigte, niedrigere Kosten und ein erheblicher Schuldenabbau sollen den Betrieb retten. Vor den Verkaufsstellen wird derweil weiter Brot aus den Öfen geholt, während sich entscheidet, an welchen Standorten das Licht dauerhaft brennt.