Ellwangen: Tegut schließt früher – Netto übernimmt die Filiale
In der Tegut-Filiale in der Ellwanger Bahnhofstraße 21 ist bereits Schluss. Der Ausverkauf endete am 28. Oktober – zwei Tage früher als zunächst angekündigt. Ursprünglich sollte der 30. Oktober der letzte Verkaufstag sein, bei der Ankündigung der Übernahme war sogar der 7. November genannt worden. Warum es nun so schnell ging, ist bislang nicht bekannt.
Die Räume sollen umgebaut werden. Danach will Netto Marken-Discount dort einziehen. Als Eröffnungstermin für die neue Filiale war zuvor der 1. Dezember genannt worden; ob die vorzeitige Schließung daran etwas ändert, ist offen. Netto hat zugesagt, die Beschäftigten des Ellwanger Marktes weiterzubeschäftigen.
Auch in Schwäbisch Gmünd wechseln die Betreiber
In Schwäbisch Gmünd stehen ebenfalls Veränderungen an. Die Tegut-Filiale im Rehnenhof, An der oberen Halde 64, übernimmt Netto. Im City-Center an der Vorderen Schmiedgasse wird künftig Edeka-Kaufmann Wolfgang Mangold den Markt führen. Nach dem Umbau soll die Gmünder Edeka-Filiale am Montag, 16. November, eröffnen. Das bisherige Team soll laut Edeka weiterbeschäftigt werden.
Die Übernahmen gehören zu einer größeren Transaktion im Edeka-Verbund. Netto, ein Tochterunternehmen von Edeka, übernimmt 57 bestehende und drei im Bau befindliche Tegut-Standorte. Rund 1200 Beschäftigte sollen dabei übernommen werden. Nach Angaben von Netto werden erste Filialen Ende Oktober für Umbauten geschlossen und im November als Netto-Märkte eröffnet; weitere Umbauten sind im Dezember vorgesehen. Schritt für Schritt sollen die Märkte ins Netto-Filialnetz wechseln.
Der Tegut-Markt „Am Tannenwäldle“ in Aalen gehört allerdings nicht zu den Edeka-Übernahmen. Das Bundeskartellamt hatte wettbewerbliche Bedenken. Edeka darf deshalb an insgesamt 24 Standorten vier Jahre lang weder Märkte erwerben noch Miet- oder Anschlussmietverträge abschließen. Ende September gab die Behörde die Übernahme von 178 der ursprünglich 202 angemeldeten Märkte frei.
Was das Kartellamt geprüft hat
Ursprünglich wollte EDEKA 202 tegut-Märkte, 41 automatisierte teo-Standorte, die Herzberger Bäckerei und ein Logistikzentrum übernehmen. Das Bundeskartellamt untersuchte das Vorhaben seit März 2026 umfassend und übermittelte den Beteiligten Ende Juli eine vorläufige wettbewerbliche Bewertung. Ein erstes Zusagenangebot vom 20. Juli 2026 hielt die Behörde für unzureichend. Nach weiteren Verhandlungen reichte EDEKA am 14. September 2026 ein erweitertes Angebot ein, das als geeignet bewertet wurde.
Ohne diese Zusagen hätte der Zusammenschluss in 34 regionalen Märkten in Hessen, Thüringen, Nordbayern und Baden-Württemberg den Wettbewerb erheblich behindert. In neun dieser Markträume wäre nach Einschätzung des Kartellamts eine marktbeherrschende Stellung EDEKAs entstanden oder verstärkt worden. In 24 Markträumen verschwanden die Bedenken direkt durch den Verzicht auf die dortigen tegut-Standorte, in zehn weiteren durch Verzicht auf Standorte in angrenzenden oder sich überschneidenden Gebieten.
Die vierjährige Frist soll ermöglichen, dass die betroffenen Märkte außerhalb der EDEKA-Gruppe weiterbetrieben werden können. Wer sie künftig führt, schreiben die Auflagen nicht vor. Für Bad Neustadt gilt das Verbot außerdem nur für den Betrieb eines Lebensmitteleinzelhandelsstandorts, nicht für den Erwerb der Immobilie.
Betroffen sind folgende Standorte:
- Aalen, Am Tannenwäldle 2, 73431
- Alsfeld, An der Au 10, 36304
- Bad Langensalza, Marktstraße 25, 99947
- Bad Neustadt, Saalestraße 2, 97616
- Erfurt/Marbach, Bergener Straße 18, 99092
- Geisa, Gartenweg 3, 36419
- Gerbrunn, Am Kirschberg 5, 97218
- Heiligenstadt, Brüsseler Straße 1, 37308
- Hünfeld, Am Niedertor 2–8, 36088
- Kassel, Frankfurter Straße 86, 34121
- Kassel, Friedrich-Ebert-Straße 29, 34117
- Kassel, Wilhelmshöher Allee 262, 34131
- Kirchhain, Mühlgasse 11, 35274
- Korbach, Briloner Landstraße 4–6, 34497
- Neuhof, Hanauerstraße 1, 36119
- Oberelsbach, Oberwaldbehrunger Straße 20, 97656
- Rainrod, Mühlstraße 23, 63679
- Riedstadt, Lise-Meitner-Straße 2, 64560
- Sachsenberg, Frankenberger Straße 12, 35104
- Schonungen, Ludwig-Grobe-Straße 3, 97453
- Tauberbischofsheim, Krautgartenweg 6, 97941
- Würzburg, Frankfurter Straße 18, 97082
- Würzburg-Estenfeld, Am Zehnthügel 2, 97230
- Zella-Mehlis OT Benshausen, Benshäuser Straße 12, 98544
Für die Prüfung der Beschaffungsmärkte befragte das Bundeskartellamt rund 150 Hersteller und Lieferanten und untersuchte neun Produktgruppen vertieft. EDEKA verfügt bundesweit über eine starke Stellung. Für manche Lieferanten von Herstellermarken sind EDEKA und REWE als Abnehmer einzeln kurzfristig kaum ersetzbar, in geringerem Umfang gilt das auch für die Schwarz-Gruppe. Diese relative Nachfragemacht kann Grundlage für Missbrauchsverfahren sein, reicht aber nicht für ein Fusionsverbot aus. Durch tegut würde EDEKAs Anteil am gesamten Beschaffungsvolumen des deutschen Lebensmitteleinzelhandels um weniger als 0,4 Prozentpunkte steigen; teguts Bedeutung als eigenständiger Nachfrager und als Mitglied der Einkaufskooperation Retail Trade Group (RTG) wurde als gering eingeschätzt.
EDEKA verpflichtete sich, im Zusammenhang mit der Übernahme keine Konditionen ohne angemessene Gegenleistung zu fordern. Dazu gehören sogenannte „Hochzeitsrabatte“, insbesondere nachträgliche Bestwertabgleiche mit günstigeren Einkaufskonditionen von tegut. EDEKA und tegut erklärten, keinen Bestwertabgleich anzustreben. EDEKA soll zu keinem Zeitpunkt Zugriff auf teguts Beschaffungskonditionen erhalten, insbesondere nicht auf die Konditionen der RTG.
Eine einzelmarktübergreifende kollektive Marktbeherrschung der führenden Lebensmittelhändler stellte das Kartellamt weder auf den Absatz- noch auf den Beschaffungsmärkten fest. Dagegen sprachen fehlende Verbindungen und Lieferbeziehungen zwischen den großen Handelsunternehmen, der festgestellte Wettbewerb und die niedrigen Margen. Auf der Beschaffungsseite fehlten außerdem ausreichende Hinweise auf hohe Transparenz der Einkaufspreise, voneinander abhängige Verhandlungen oder einen Anreiz zur Preisabsprache. Auch andere europäische Wettbewerbsbehörden hatten eine solche kollektive Marktbeherrschung trotz vergleichbarer oder höherer Marktkonzentration bislang nicht festgestellt.
Der Markt bleibt eng getaktet
2025 erzielten EDEKA, REWE, die Schwarz-Gruppe sowie ALDI zusammen mehr als 90 Prozent des Umsatzes im deutschen Lebensmitteleinzelhandel: EDEKA rund 30 Prozent, die Schwarz-Gruppe rund 25 Prozent, REWE rund 22 Prozent und ALDI Nord und Süd rund 15 Prozent. Zwischen den großen Lebensmittelhändlern wird intensiv beobachtet; bei Teilen des Sortiments herrscht eine hohe Preisgleichheit. Preisänderungen gingen in der Vergangenheit häufig von ALDI aus, zuletzt wurden aber auch öfter anfängliche Preisänderungen von Lidl festgestellt.
Die Margen sanken seit spätestens 2022 wieder, nachdem sie während der Corona-Pandemie deutlich gestiegen waren. Bei den vier großen Handelsgruppen lagen die durchschnittlichen Margen dennoch weiterhin über dem Vor-Corona-Niveau. Im Lebensmitteleinzelhandel bewegten sie sich laut Bundeskartellamt im niedrigen einstelligen Prozentbereich.
Hinter dem Verkauf steht der Rückzug der Eigentümerin Migros Zürich aus Deutschland. Das Unternehmen hatte im März 2026 angekündigt, sich auf den Schweizer Markt zu konzentrieren. Wegen rückläufiger Umsätze sah Migros trotz Kostensenkungen keine langfristige wirtschaftliche Perspektive für Tegut in der bisherigen Form. Nach hohen Verlusten wurde der Verkauf der deutschen Supermarktkette eingeleitet.
Neben Edeka übernimmt auch Rewe Tegut-Märkte. Mitte Oktober wurde die Übernahme von 38 Standorten kartellrechtlich freigegeben; 36 sollen zu Rewe-Filialen, zwei zu Penny-Märkten werden. Allen Beschäftigten dieser Märkte soll ein Arbeitsangebot gemacht werden. Rewe hat inzwischen sieben weitere Tegut-Standorte zur Übernahme angemeldet, deren genaue Lage noch nicht bekannt ist. Die geplante Übernahme weiterer Standorte wird weiterhin geprüft. Rewe legte im Hauptprüfverfahren ein Zusagenangebot vor, die verlängerte Prüffrist läuft bis zum 29. Oktober 2026 – eine Entscheidung steht noch aus.
Bereits im Juni 2026 hatte das Bundeskartellamt die Übernahme von 36 überwiegend kleineren Tegut-Standorten durch Tante Enso Süd-West freigegeben. Für 36 Tegut-Märkte gibt es bislang keine Übernahmelösung.
Was aus Tegut übrig bleibt
Von zuletzt 288 Tegut-Filialen übernimmt die Edeka-Gruppe 178. Rund 3.800 Beschäftigte, darunter 190 Auszubildende, sollen dadurch eine Zukunftsperspektive erhalten. Die Filialen sollen schrittweise in den Edeka-Verbund integriert und wirtschaftlich stabilisiert werden. Tegut beschäftigt nach eigenen Angaben rund 7.500 Menschen und ist in Hessen, Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Niedersachsen und Thüringen vertreten.
Die Kette wurde 1947 von Theo Gutberlet in Fulda gegründet und entwickelte sich zu einer Vollsortimenterkette mit hohem Bio-Anteil sowie eigenen Produktionsstätten. 2013 übernahm Migros Zürich das Unternehmen. Nun wird der Betrieb am Tegut-Zentralstandort in Fulda zum 31. März 2027 vollständig eingestellt.
Die Tegut-Eigenmarken werden voraussichtlich verschwinden und durch die Marken der jeweiligen neuen Betreiber ersetzt. Bio-Produkte dürften trotzdem vielerorts bleiben: Tegut führte Erzeugnisse mit Demeter-, Naturland- und Bioland-Zertifizierung, und auch Edeka und Rewe arbeiten mit diesen Bio-Marken. Rewe kündigte an, bewährte regionale Lieferbeziehungen sowie die Versorgung mit regionalen und Bio-Produkten erhalten zu wollen. Netto verweist auf sein bestehendes Bio-Sortiment von mehr als 1.000 Artikeln.
Die zur Tegut-Gruppe gehörende Herzberger Bäckerei in Fulda soll übernommen und erhalten bleiben. Sie versorgt Tegut bislang mit Bio-Backwaren. Edeka prüft Fortführungskonzepte und will möglichst einen wesentlichen Teil der Arbeitsplätze sichern.
Auch das Tebonus-Programm endet mit dem Ende von Tegut. Punkte können noch bis zum 31. Oktober gesammelt werden, letzter Einlösetag ist der 28. November. Migros will die Teilnehmerinnen und Teilnehmer per Post oder E-Mail informieren; laut Unternehmen müssen Kundinnen und Kunden selbst nichts veranlassen. In Ellwangen ist derweil schon der letzte Einkaufswagen durch die Tegut-Tür gerollt.
