In Essenheim steht die Postfiliale in der Straße der Champagne 1 vor dem Aus. Die Deutsche Post AG hat bei der Bundesnetzagentur beantragt, den Standort zu schließen. Als Ersatz ist die bereits bestehende automatisierte Poststation in der Elsheimer Straße 55 vorgesehen. Sie soll nach dem Antrag als „Universaldienststelle“ anerkannt werden.

Der Widerstand dagegen ist deutlich: Bewohnerinnen und Bewohner, die beiden Mitarbeiterinnen der Filiale und der Ortsgemeinderat lehnen die Schließung ab. In der Filiale liegt eine Unterschriftenliste aus. Innerhalb von drei Wochen kamen etwa 300 Unterschriften zusammen. Bürgermeister Winfried Schnurbus ruft die Bürgerinnen und Bürger weiter dazu auf, sich einzutragen.

„Kurzfristig und ohne Vorwarnung“

Mitarbeiterin Petra Eimermann sagte, sie und ihre Kollegin seien von der Bundesnetzagentur bislang nicht informiert worden. Von den Plänen erfuhr Eimermann über die Ortsgemeinde, nachdem das Thema in einer öffentlichen Sitzung des Ortsgemeinderats bekannt geworden war. Sie lebt seit 38 Jahren in Essenheim und nahm wegen der möglichen Schließung erstmals an einer Sitzung des Ortsgemeinderats teil.

Die beiden Mitarbeiterinnen befürchten, kurzfristig und ohne Vorwarnung gekündigt zu werden. Der Ortsgemeinderat stimmte ohne Gegenstimmen und Enthaltungen gegen die Pläne der Deutschen Post. Schnurbus bat die Bundesnetzagentur schriftlich, den Antrag abzulehnen und eine personell besetzte Poststelle zu erhalten. Als mögliche Alternative nannte er ein „Shop-in-Shop-Modell“, bei dem die Poststelle in ein bestehendes Geschäft integriert wird.

Mit dem Ratsbeschluss und dem Schreiben an die Bundesnetzagentur seien die formalen Möglichkeiten der Ortsgemeinde zunächst ausgeschöpft, betonte der Bürgermeister. Sein Handlungsspielraum sei begrenzt. Nach eigenen Angaben steht Schnurbus weiterhin in engem Kontakt mit den beiden Mitarbeiterinnen.

Was die Poststation leisten kann

Bei einer Schließung müssten die Essenheimer für persönliche Postdienstleistungen in benachbarte Orte ausweichen. Das wäre laut einem Facebook-Beitrag insbesondere für Nutzerinnen und Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs problematisch. Die Filiale ist für viele Einwohner ohnehin mehr als ein Ort für Pakete und Briefe: Sie dient auch als Treffpunkt für Gespräche und soziale Kontakte.

Poststationen gibt es nach Angaben der Deutschen Post inzwischen mehr als 900 in Deutschland. Seit 2025 dürfen sie als vollwertige Filialen betrieben werden. Stand 20. November 2025 hatte die Bundesnetzagentur 80 Poststationen als Filialen genehmigt, für Hunderte weitere lief ein Genehmigungsverfahren. Die Post ist verpflichtet, flächendeckend Dienstleistungen anzubieten. Wo Personal für eine Filiale fehlt, sollen Automaten diese Funktion übernehmen.

Die Stationen stehen häufig auf Supermarktparkplätzen oder in Gewerbegebieten und sind rund um die Uhr geöffnet. Mit Packstationen dürfen sie allerdings nicht verwechselt werden: Packstationen dienen ausschließlich dem Abholen und Versenden von Paketen.

Briefe, Pakete – und klare Grenzen

Ein Briefkasten an der Poststation nimmt Postkarten, Briefe und Maxibriefe im Inland und international auf. Briefmarken können vor Ort als Internetmarken ausgedruckt werden. Sondermotive für Briefmarkensammler gibt es dort nicht. Einschreiben sind möglich, Einschreiben mit Rückschein derzeit jedoch nicht.

Pakete und Päckchen können abgeholt und eingeliefert werden. Bei Stationen mit XL-Fach gelten Höchstmaße von 75 × 60 × 40 Zentimetern, das Maximalgewicht liegt bei 31,5 Kilogramm. Was größer oder schwerer ist, muss in einer klassischen Filiale aufgegeben werden.

Briefumschläge und Versandboxen werden nicht verkauft. Außer Briefmarken gibt es auch keine weiteren Produkte wie Druckerpapier, Klebeband oder Stifte. PostIdent kann an einer Poststation ebenfalls nicht durchgeführt werden; dafür braucht es eine klassische Filiale oder die Online-Identifizierung per Laptop oder Smartphone. Expressversand von Paketen und Päckchen ist nicht möglich, Barzahlungen werden nicht angenommen.

Fragen zum Porto, zur Briefgröße oder zur Bedienung lassen sich über eine Video-Beratung klären. Erreichbar ist sie montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr sowie samstags von 8 bis 12 Uhr. Kundinnen und Kunden sehen die beratende Person auf dem Bildschirm; diese sieht die Kundschaft aus Datenschutzgründen nicht. Für die einen ist das praktisch. Für andere bleibt es eben ein Bildschirm, wo früher jemand hinter dem Schalter saß.