Im Tegut-Markt an der Pfortenstraße in Frankfurt-Fechenheim werden voraussichtlich am Samstag, 21. November 2026, zum letzten Mal Einkaufswagen über den Parkplatz rollen. Ab Dienstag, 1. Dezember, soll dort ein Netto-Markt eröffnen. Die bisherigen Beschäftigten der Filiale sollen von Netto weiterbeschäftigt werden.

Damit können sich allerdings nicht alle Fechenheimer anfreunden. In einer Petition fordern sie, stattdessen einen Edeka als Vollsortimenter anzusiedeln. Die Initiatorin begründet das mit der Nachbarschaft: In Fechenheim-Süd gebe es bereits mehrere Discounter, aber keinen Markt mit größerer Auswahl sowie mehr Frische- und Spezialprodukten.

„Noch ein Netto ist nicht notwendig“

Rund um den Tegut liegen unter anderem der Aldi Süd an der Ferdinand-Porsche-Straße, der Gipa-Markt an der Ecke Konstanzer-/Gründenseestraße und der Netto am Kleedreieck. Der nächste Vollsortimenter in Fechenheim-Süd ist derzeit der Tegut. Wer mehr Auswahl sucht, fährt zu Kaufland an der Wächtersbacher Straße oder zu Rewe am Hafenplatz in Offenbach.

Mehrere Tegut-Kunden unterstützen die Petition. Ein weiterer Netto sei nicht notwendig, sagen sie, weil sich in Alt-Fechenheim bereits ein Netto „nur ein paar Meter“ entfernt befinde. Ein Edeka könne den Tegut wegen seines größeren Sortiments besser ersetzen. Eine Kundin bedauert außerdem den Wegfall der Tegut-Eigenmarken.

Es gibt aber auch die andere Sicht. Eine Kundin sprach sich für Netto aus: Der Markt am Kleedreieck sei klein, und wegen der Preise kaufe sie lieber dort ein. So klingt der Streit im Laden weniger nach großer Handelsstrategie als nach der ganz praktischen Frage, wo man am Samstag schnell und halbwegs günstig den Einkauf zusammenbekommt.

Ortsvorsteherin Beate Brink (Grüne) will das Anliegen in die nächste Sitzung des Ortsbeirats 11 einbringen und einen Brief an die Wirtschaftsförderung anregen. Die Wirtschaftsförderung hat nach eigenen Angaben bereits Kontakt zum Edeka-Verbund aufgenommen. Sprecherin Regina Seibel erklärte, man wolle den Wunsch der Bürger nach einem Vollsortimenter gegenüber Edeka vertreten. Die konkrete Entscheidung liege jedoch beim Unternehmen und werde anhand strategischer Überlegungen getroffen.

Brink befürchtet zudem, dass bei der Eröffnung eines weiteren Netto-Markts die Filiale in Alt-Fechenheim schließen könnte und dort Leerstand entsteht. Netto teilte dagegen mit, dass in Frankfurt derzeit keine Filialschließung geplant sei.

14 Edeka-Märkte, sechs Netto-Filialen

Der Wechsel in Fechenheim steht im Zusammenhang mit dem Rückzug des Schweizer Handelsunternehmens Migros aus dem deutschen Tegut-Geschäft. Migros, seit 2013 Eigentümerin von Tegut, kündigte im März den Verkauf des Unternehmens an. Edeka hatte angekündigt, rund 200 Tegut-Filialen übernehmen zu wollen. Das Bundeskartellamt gestattete schließlich die Übernahme von 178 Tegut-Lebensmittelmärkten und weiteren Unternehmensteilen; 24 Standorte durfte Edeka nicht übernehmen.

Für Frankfurt bedeutet das: Alle 20 Tegut-Märkte dürfen von Edeka übernommen werden. 14 sollen künftig als Edeka-Märkte betrieben werden, sechs werden in Netto-Markendiscount-Filialen umgewandelt. Weil Frankfurt überwiegend von Rewe-Märkten geprägt ist, darf Edeka alle Frankfurter Tegut-Märkte übernehmen.

Zum Edeka-Paket gehören unter anderem drei Märkte an der Berger Straße sowie Filialen an der Bleichstraße, der Kurt-Schumacher-Straße, der Neuen Mainzer Straße, der Kaiserstraße und der Mailänder Straße. Weitere Standorte liegen an der Leonardo-da-Vinci-Allee, der Joachim-Biermann-Straße, der Radilostraße, am Gravensteiner Platz, an der Friedberger Landstraße und im Terminal 1 des Flughafens.

Netto übernimmt neben der Pfortenstraße die Tegut-Märkte an der Voltastraße in Bockenheim, der Walter-Kolb-Straße in Sachsenhausen, der Eckenheimer Landstraße im Nordend und der Triebstraße in Bergen-Enkheim. Hinzu kommt die Kleyerstraße im Gallus, die derzeit noch im Bau ist. Diese Filialen sollen jeweils im November schließen und ein bis zwei Wochen später als Netto-Märkte wieder eröffnen. Die Beschäftigten der betroffenen Tegut-Filialen werden laut Netto weiterbeschäftigt.

Edeka Südwest machte zunächst keine Angaben dazu, wann die Umwandlungen beginnen. Die Standorte sollen schrittweise in den Edeka-Verbund integriert werden. Tegut hatte sein Frankfurter Filialnetz zuletzt unter anderem um Märkte im Schönhofviertel und an der Berger Straße in Bornheim erweitert. Mit der Übernahme verschwindet die Marke Tegut.

Was das Kartellamt geprüft hat

Der Antrag umfasste ursprünglich 202 tegut-Märkte, 41 automatisierte teo-Standorte, die Herzberger Bäckerei und ein Logistikzentrum. Neben den 178 Filialen darf Edeka auch das Tegut-Logistikzentrum in Hünfeld, die Bäckerei Herzberger und 41 „Teo“-Minimärkte übernehmen. 36 Tegut-Märkte sollen in Filialen der Kette „Tante Enso“ umgewandelt werden; die Übernahme von 36 überwiegend kleineren Standorten durch Tante Enso Süd-West war bereits im Juni 2026 freigegeben worden.

Rewe will bis zu 40 Tegut-Filialen übernehmen. Eine Entscheidung des Bundeskartellamts steht hierzu noch aus. Rewe hat ein Zusagenangebot vorgelegt, die Prüffrist läuft nach Verlängerung bis zum 29. Oktober 2026.

Das Bundeskartellamt prüfte das Vorhaben seit März 2026 und übermittelte den Beteiligten Ende Juli eine vorläufige wettbewerbliche Bewertung. Ohne Zusagen hätte der Zusammenschluss in 34 regionalen Märkten in Hessen, Thüringen, Nordbayern und Baden-Württemberg den Wettbewerb erheblich behindert. In neun dieser Markträume wäre eine Entstehung oder Verstärkung einer marktbeherrschenden Stellung Edekas zu erwarten gewesen.

Der Erwerbsverzicht beseitigt die Bedenken in 24 Markträumen unmittelbar, in zehn weiteren werden sie durch Auswirkungen auf benachbarte Märkte ausreichend reduziert. Vier Jahre lang gilt das Verbot für die gesamte EDEKA-Gruppe einschließlich Regionalgesellschaften und selbstständiger Einzelhändler. Es umfasst auch Miet- und Anschlussmietverträge für die betroffenen Standorte. Die Märkte sollen dadurch vier Jahre lang für einen Weiterbetrieb außerhalb der EDEKA-Gruppe verfügbar bleiben; über den künftigen Betreiber entscheidet die Auflage nicht.

Betroffen sind folgende 24 Standorte:

  1. Aalen, Am Tannenwäldle 2, 73431
  2. Alsfeld, An der Au 10, 36304
  3. Bad Langensalza, Marktstraße 25, 99947
  4. Bad Neustadt, Saalestraße 2, 97616
  5. Erfurt/Marbach, Bergener Straße 18, 99092
  6. Geisa, Gartenweg 3, 36419
  7. Gerbrunn, Am Kirschberg 5, 97218
  8. Heiligenstadt, Brüsseler Straße 1, 37308
  9. Hünfeld, Am Niedertor 2–8, 36088
  10. Kassel, Frankfurter Straße 86, 34121
  11. Kassel, Friedrich-Ebert-Straße 29, 34117
  12. Kassel, Wilhelmshöher Allee 262, 34131
  13. Kirchhain, Mühlgasse 11, 35274
  14. Korbach, Briloner Landstraße 4–6, 34497
  15. Neuhof, Hanauerstraße 1, 36119
  16. Oberelsbach, Oberwaldbehrunger Straße 20, 97656
  17. Rainrod, Mühlstraße 23, 63679
  18. Riedstadt, Lise-Meitner-Straße 2, 64560
  19. Sachsenberg, Frankenberger Straße 12, 35104
  20. Schonungen, Ludwig-Grobe-Straße 3, 97453
  21. Tauberbischofsheim, Krautgartenweg 6, 97941
  22. Würzburg, Frankfurter Straße 18, 97082
  23. Würzburg-Estenfeld, Am Zehnthügel 2, 97230
  24. Zella-Mehlis, Ortsteil Benshausen, Benshäuser Straße 12, 98544

Für Bad Neustadt betrifft das Verbot den Betrieb eines Lebensmitteleinzelhandelsstandorts, nicht den Erwerb der Immobilie.

Ein großer Markt mit vielen Abhängigkeiten

Untersucht wurde der Lebensmitteleinzelhandel sowohl auf den Absatzmärkten gegenüber Verbrauchern als auch auf den Beschaffungsmärkten gegenüber Herstellern und Lieferanten. 2025 entfielen mehr als 90 Prozent der bundesweiten Umsätze auf EDEKA mit rund 30 Prozent, die Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland mit rund 25 Prozent, REWE mit rund 22 Prozent sowie ALDI Nord und Süd mit rund 15 Prozent.

Die Händler beobachten sich intensiv; bei Teilen des Sortiments bestehen hohe Preisgleichheiten. Preisänderungen gingen in der Vergangenheit häufig von ALDI aus, zuletzt wurden auch häufiger erste Preisänderungen durch Lidl beobachtet. Die Margen stiegen während der Corona-Pandemie deutlich und gehen seit spätestens 2022 zurück. Bei den vier großen Handelsgruppen liegen sie weiterhin über dem Vor-Corona-Niveau, im Lebensmitteleinzelhandel insgesamt aber laut Untersuchung im niedrigen einstelligen Prozentbereich.

Eine einzelmarktübergreifende kollektive Marktbeherrschung der führenden Händler auf den Absatzmärkten stellte das Bundeskartellamt nicht fest. Dagegen sprachen unter anderem fehlende Verbindungen und Lieferbeziehungen zwischen den großen Händlern, tatsächlicher Wettbewerb und die niedrigen Margen.

Auf den Beschaffungsmärkten verfügt EDEKA über eine starke Stellung. EDEKA und REWE, teilweise auch die Schwarz-Gruppe, sind für bestimmte Lieferanten von Herstellermarken als Abnehmer kaum kurzfristig ersetzbar. Diese relative Nachfragemacht kann in Missbrauchsverfahren relevant sein, reicht aber nicht für ein Fusionsverbot aus. Durch die Übernahme steigt EDEKAs Anteil am gesamten Beschaffungsvolumen des deutschen Lebensmitteleinzelhandels um weniger als 0,4 Prozentpunkte.

Tegut ist als eigenständiger Nachfrager und als Mitglied der Einkaufskooperation Retail Trade Group (RTG) von begrenzter Bedeutung. Eine erhebliche Wettbewerbsbehinderung auf den Beschaffungsmärkten wurde daher nicht erwartet. EDEKA verpflichtete sich, im Zusammenhang mit der Übernahme keine Konditionen ohne angemessene Gegenleistung – sogenannte „Hochzeitsrabatte“ – zu verlangen. EDEKA und tegut erklärten außerdem, keinen sogenannten Bestwertabgleich anzustreben. EDEKA soll zu keinem Zeitpunkt Zugriff auf die Beschaffungskonditionen von tegut oder der RTG erhalten.

Auch auf den Beschaffungsmärkten wurde keine kollektive Marktbeherrschung der führenden Händler festgestellt. Das Bundeskartellamt fand dort keine ausreichenden Hinweise auf hohe Preistransparenz, voneinander abhängige Verhandlungen oder einen Anreiz zur Koordinierung.

Edeka zufolge erhalten rund 3.700 Beschäftigte, darunter 190 Auszubildende, durch die Übernahme eine Zukunftsperspektive. Der Konzern kündigte Investitionen, ein größeres Sortiment, wettbewerbsfähige Preise und bessere Möglichkeiten für regionale und lokale Lieferanten an. In Fechenheim bleibt bis dahin die Petition: Edeka statt Netto – oder doch der bereits angekündigte Discounter ab 1. Dezember.