In der Neheimer Fußgängerzone ist Bewegung: Nanu-Nana hat seinen bisherigen Standort geschlossen. Der Schlussverkauf war allerdings kein Abschied vom Standort Neheim, sondern Teil des Umzugs in eine größere Filiale. Am Freitag, 16. Oktober 2026, eröffnet das Geschäft in der Hauptstraße 50 neu.

Die neue Filiale liegt in einem neu errichteten mehrgeschossigen Gebäude. Nach Angaben des Unternehmens gibt es dort mehr Verkaufsfläche und eine modernere Einrichtung. Nanu-Nana begründet den Standortwechsel mit der Optimierung der Verkaufsfläche – für Kundinnen und Kunden dürfte also schlicht mehr Platz zum Stöbern bleiben.

Mehr Platz für Deko und Geschenke

Nanu-Nana hat seinen Hauptsitz in Oldenburg, besteht seit mehr als 50 Jahren und ist weiterhin familiengeführt. Das Unternehmen betreibt Filialen in Deutschland, Österreich, Polen und Tschechien. Zum Sortiment gehören Wohnaccessoires, Dekorationsartikel und Geschenke – allerlei Dinge also, bei denen man eigentlich nur kurz schauen wollte und dann doch mit einer Tüte hinausgeht.

Parallel dazu steht in Neheim eine Schließung bevor: Das Fachgeschäft „Betten Müller“ beendet nach 27 Jahren zum 31. Januar 2027 seinen Betrieb. Der Räumungsverkauf hat bereits begonnen. Seit 1999 bietet das Geschäft auf zwei Etagen Bettwaren und weitere Produkte rund um guten Schlaf an, verbunden mit persönlicher Beratung.

Inhaber Thomas Müller und sein Team danken der langjährigen Kundschaft. Zugleich kündigen sie an, sich neuen Lebensabschnitten zuzuwenden. Auch aus der Briloner Innenstadt werden Veränderungen erwähnt.

Einzelhandel zwischen Umzug und Umbruch

Die Neheimer Entwicklungen fallen in eine Zeit, in der sich der Handel auf vielen Ebenen neu sortiert. Am 12. Oktober 2026 wurde etwa berichtet, dass Fake-Shops im Internet weit verbreitet sind und seriösen Angeboten immer ähnlicher sehen. Der Fake-Shop-Finder der Verbraucherzentralen identifizierte im Frühjahr den 100.000sten betrügerischen Online-Shop. Der Handelsverband warnt vor gefälschten Online-Angeboten.

Auch bei den großen asiatischen Plattformen lief es zuletzt nicht mehr ganz so rund: Temu, Shein und AliExpress setzten im dritten Quartal in Deutschland deutlich weniger um. Die Gewinne sanken gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 35,5 Prozent auf 566 Millionen Euro. Der BEVH teilte mit, das starke Wachstum von Temu und Shein sei ins Stocken geraten.

Während in Neheim ein Laden in ein größeres Quartier zieht, bauen andere Handelsunternehmen ihre Flächen neu auf. Decathlon und IKEA erweitern ihre Kooperation auf Deutschland. Im IKEA-Einrichtungshaus Altona soll 2027 ein 4.600 Quadratmeter großer Decathlon-Flagship-Store entstehen, mit regional ausgerichtetem Sortiment. Decathlon erweitert damit sein Filialnetz im Hamburger Westen; IKEA entwickelt sein innerstädtisches Einrichtungshaus weiter und ergänzt das bestehende Angebot.

Im hessischen Frielendorf schloss Netto mit der AIF Capital Group einen Mietvertrag für eine umgebaute Gewerbefläche. Der Markt in der Kirchfeldstraße verfügt über knapp mehr als 1.100 Quadratmeter Verkaufsfläche und wurde wenige Tage vor der Veröffentlichung eröffnet.

Online, KI und die neue Einkaufsroutine

Der weltweite Handel wächst trotz höherer Zölle und geopolitischer Spannungen. Eine DHL-Studie prognostiziert einen neuen Globalisierungsrekord. Investitionen in künstliche Intelligenz erhöhen insbesondere die Nachfrage nach Technologieprodukten. Im ersten Halbjahr verzeichnete der globale Warenhandel das stärkste Wachstum seit 15 Jahren – außergewöhnliche Schwankungen während der Corona-Pandemie nicht eingerechnet.

Bei Amazon wird KI zunehmend für die Produktsuche eingesetzt. Laut dem „Global Amazon Shopper Report“ von Remazing und Appinio kaufen 84 Prozent der Befragten mindestens einmal monatlich online ein, 29 Prozent bestellen wöchentlich. Außerhalb von Amazon nutzen 63 Prozent KI-Tools für Recherche und Produktvergleiche.

Ganz aus der Hand geben möchten viele den Einkauf trotzdem nicht. Kundinnen und Kunden lassen KI-Agenten eher recherchieren, führen den Bezahlvorgang aber bevorzugt selbst durch. Einer Studie des EHI Köln zufolge sinkt beim Smartphone-Kauf die Bereitschaft zur KI-Nutzung von 72 Prozent bei der Informationssuche auf 45 Prozent beim Bezahlen. Bei der Frage nach Objektivität bevorzugt eine Mehrheit von 64 Prozent …

Für Unternehmen bleibt derweil wenig Raum zum Durchatmen. Wirtschaftliche Unsicherheit und Sparmaßnahmen prägen zunehmend das Verhältnis zwischen Führungskräften und Beschäftigten in deutschen Unternehmen. In einer Personalleiterbefragung von ifo Institut und Randstad nannten 44 Prozent der Unternehmen den wirtschaftlichen Druck als wichtigsten Einflussfaktor auf das betriebliche Miteinander. Weitere Themen sind Personalabbau, neue Arbeitsmodelle und Innovationen.

Auch der Immobilienmarkt wirkt in den Handel hinein: Rund ein Viertel der bestehenden Immobilienfinanzierungen wird innerhalb der nächsten 24 Monate fällig. Hohe Zinsen, sinkende Immobilienbewertungen und eine geringe Transaktionstätigkeit belasten den Markt. Laut einer Untersuchung von EY-Parthenon könnte sich die erwartete Markterholung dadurch weiter verzögern.

Was Innenstädte daraus machen können

Die COVID-19-Pandemie und mehrere gleichzeitig wirkende Krisen erhöhen den Druck auf den strukturell wandelnden Einzelhandel. Innenstädte und Zentren stehen vor zusätzlichen Herausforderungen; die Zukunftsfähigkeit und wirtschaftliche Grundlage bisher dominierender innerstädtischer Nutzungen werden zunehmend infrage gestellt. Zwischen möglichen Nachnutzungen leer stehender Ladenlokale und Büros, der Weiterentwicklung des öffentlichen Raums, drohenden zusätzlichen Leerständen und weiteren Umsatzverlusten entsteht ein ziemlich enges Spannungsfeld.

Eine Veröffentlichung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung fasst zunächst empirische Ergebnisse einer ExWoSt-Studie zusammen. Darauf aufbauend wurden Handlungsempfehlungen für die Entwicklung von Innenstädten und Zentren erarbeitet. Berücksichtigt werden funktionale und räumliche Unterschiede zwischen Innenstädten und Zentren ebenso wie der Einfluss aktueller Megatrends.

Die Empfehlungen umfassen drei strategische Aufgaben, fünf konkrete Aufgabenfelder und Aspekte, die bei der Umsetzung berücksichtigt werden sollen. Das übergeordnete Leitbild lautet „Innenstädte und Zentren stärken“. Angesprochen sind insbesondere Kommunen, die als zentrale Akteure den Transformationsprozess aktiv gestalten können.

Behandelt werden unter anderem die Ausgangslage und Fragestellung, Onlinehandel und urbane Logistik, empirische Ergebnisse aus sechs Fallstudien aus den Jahren 2022 und 2023, Zwischenergebnisse und Bewertung, Handlungsempfehlungen und Aufgabenfelder für die Zentrenentwicklung sowie Rahmenbedingungen der Innenstädte und Umsetzung. Auch die Literatur ist aufgeführt.

Wissenschaftlich begleitet wurde das Projekt vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), unter anderem durch die Referate „Stadtentwicklung“ sowie „Digitale Stadt, Risikovorsorge und Verkehr“. Im Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen war das Referat „Lebendige Zentren, Nationale Projekte des Städtebaus“ beteiligt.

Auftragnehmer waren Junker+Kruse, Stadtforschung Planung, Dortmund, die HafenCity Universität Hamburg sowie das Institut für Verkehrsplanung und Logistik W8 der Technischen Universität Hamburg. Veröffentlicht wurde die Arbeit von Kruse, Kopischke, Krüger, Anders und Flämig (2024) unter dem Titel Innenstadt, Onlinehandel und Pandemie: Aufgabenfelder für die Zentrenentwicklung. Herausgeber ist das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung, erschienen ist die Veröffentlichung als ExWoSt-Informationen 54/2, Bonn. DOI: https://doi.org/10.58007/nk51-wa85