Im Möbelhaus Segmüller in Friedberg liegen zwischen einer Tischleuchte „Pilz“ für 2,40 Euro und einer Design-Deckenleuchte für 1199 Euro ganze Welten. Dazwischen: ausziehbare Ecksofas für die erste Wohnung, exklusive Ledercouches, Familien und Ehepaare, die sich umsehen, und Mitarbeiter, die die Kunden begrüßen. Seit Jahrzehnten kommen Menschen hierher, wenn die Wohnung neu eingerichtet werden soll.

Nun stellt sich das Unternehmen neu auf. Die Möbelbranche steht unter Druck, zugleich läuft bei Segmüller ein Transformationsprozess. Die neue Geschäftsführung will das Möbelhaus mit bundesweit sieben Standorten zukunftsfähig machen. Geplant sind unter anderem ein Umbau der Verwaltung und die Schließung einer kleinen Filiale.

Stuttgarter Innenstadtstandort schließt

Ende Februar wird die Segmüller-Filiale in der Stuttgarter Innenstadt geschlossen. Das Geschäft ist rund 2.000 Quadratmeter groß, dort arbeiten fünf Beschäftigte. Der Standort besteht seit 1961 und verschwindet damit nach rund sechseinhalb Jahrzehnten.

Segmüller betreibt sieben Einrichtungshäuser: in Bayern in Friedberg, Parsdorf und Nürnberg, in Baden-Württemberg in Stuttgart und Mannheim, im hessischen Weiterstadt sowie in Pulheim in Nordrhein-Westfalen. Zusätzlich gibt es ein Matratzenstudio in Nürnberg.

Der Umbau beschränkt sich nicht auf die Schließung in Stuttgart. In den bestehenden Häusern soll investiert werden; in Pulheim entsteht derzeit eine Gaming-Welt. Gleichzeitig prüft Segmüller sämtliche Bereiche des Unternehmens. CEO Lennart Wehrmeier bezeichnete 2026 als „kein Möbeljahr“.

Neue Führung, weniger Personal

Die Geschäftsführung wurde im Dezember 2025 neu formiert. Lennart Wehrmeier übernahm den Posten des CEO. Zuvor war er Geschäftsführer von Woolworth und Vorstand bei MediaMarktSaturn Deutschland. Dennis Prandl wurde COO; er arbeitete unter anderem bei der s.Oliver Group und Lidl. Gemeinsam mit CFO Torsten Dühring und CPO Armin Weigand bildet das Duo die neue Geschäftsführung.

Als Gründe für den Führungswechsel nennt das Unternehmen ein verändertes Kundenverhalten, neue Erwartungen und ein verändertes Marktumfeld. Auch beim Personal wird sich etwas bewegen. Laut Wehrmeier will Segmüller Beschäftigung abbauen, weil an einigen Stellen weniger Mitarbeiter benötigt werden. Der Abbau soll sozialverträglich und überwiegend über natürliche Fluktuation erfolgen. In anderen Bereichen sollen zugleich neue Mitarbeiter eingestellt werden.

Rund 3.600 Menschen beschäftigt Segmüller derzeit. Das Unternehmen zählt damit weiterhin zu den großen Namen der Möbelbranche. Im Besitz bleibt es der Familie Segmüller, auch wenn sich Familienmitglieder aus der Geschäftsführung zurückgezogen haben. Florian und Johannes Segmüller sollten in den Aufsichtsrat wechseln; Paul Segmüller gehört diesem bereits an.

Vom Friedberger Handwerksbetrieb zum Möbelhaus

Die Wurzeln reichen nach Friedberg zurück: Hans Segmüller senior gründete das Unternehmen 1925 als Polstermöbel-Handwerksbetrieb. 1980 eröffnete dort die erste Großfiliale. Aus dem kleinen Anfang ist ein Möbelunternehmen mit sieben Einrichtungshäusern geworden – und mit einem Sortiment, das von der günstigen Tischleuchte bis zur kostspieligen Design-Deckenleuchte reicht.

Gerade diese Mischung prägt den Besuch: Im Sofabereich stehen Modelle für die erste Wohnung neben großen Ledercouches, während Familien und Ehepaare durch die Ausstellungen gehen. In Stuttgart ist damit bald Schluss, in den übrigen Häusern soll der laufende Umbau den Konzern durch ein verändertes Marktumfeld bringen.