Galeria hat zum vierten Mal innerhalb von sechs Jahren Insolvenz angemeldet. Für die Beschäftigten gibt es nun immerhin ein wichtiges Signal: Die Bundesagentur für Arbeit zahlt Insolvenzgeld. Anspruch darauf haben 9.650 Menschen. Sie sollen bis Ende 2026 bezahlt werden – damit ist eine Voraussetzung erfüllt, um den Geschäftsbetrieb zunächst fortzuführen.

Für Kleve bleibt trotzdem die bange Frage: Was wird aus dem Warenhaus an der Großen Straße? Die Filiale gehört zu den Standorten, die Galeria derzeit überprüft. Weitere Schließungen gelten als wahrscheinlich; auch der Klever Standort könnte betroffen sein. Das Haus ist einer der kleinsten Standorte des Konzerns.

Insolvenzgeld für Tausende Beschäftigte

Galeria beschäftigt insgesamt 11.250 Menschen. Für Teile des Unternehmens, darunter Gastronomie und Lebensmittel, läuft allerdings ein separates Insolvenzverfahren. Die Bundesagentur hatte den Fall mehrere Tage geprüft und wiederholt Unterlagen vom Insolvenzverwalter angefordert. Schwierig war unter anderem, dass die Folgen der Insolvenz von 2024 noch nicht vollständig abgeschlossen waren.

Galeria hatte den Geschäftsbetrieb auf ein neues Unternehmen übertragen, das formal nicht mehr unter der damaligen Planüberwachung stand. Nach der Prüfung kam die Bundesagentur zu dem Ergebnis, dass nach geltendem Recht grundsätzlich ein Anspruch auf Insolvenzgeld besteht. Das Geld soll über eine Bank vorfinanziert werden, damit die Beschäftigten rasch an ihre Zahlungen kommen.

Rechtlich entsteht der Anspruch erst mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens. Möglich ist die Vorfinanzierung, weil die Ansprüche an eine Bank abgetreten werden können. Insolvenzgeld wird grundsätzlich für höchstens drei Monate vor der Verfahrenseröffnung gezahlt und entspricht in der Regel dem Nettolohn. Die September-Gehälter waren Ende September noch vom Arbeitgeber ausgezahlt worden. Die Monatsgehälter aller Galeria-Beschäftigten summieren sich auf knapp 25 Millionen Euro.

83 Filialen bleiben vorerst geöffnet

Galeria stellte am 2. Oktober beim Amtsgericht Düsseldorf wegen Zahlungsunfähigkeit einen Insolvenzantrag. Es ist die vierte Insolvenz des Unternehmens innerhalb von sechs Jahren. Schon im Frühjahr hatte die Warenhauskette mit Liquiditätsproblemen zu kämpfen; Vermieter berichteten von ausbleibenden Mietzahlungen.

Im Juni erhielt Galeria von der US-Investmentgesellschaft Gordon Brothers eine Kreditlinie von bis zu 160 Millionen Euro. Die Finanzierung war an einen Sanierungsplan geknüpft, der weitere mögliche Filialschließungen vorsah. Im Juli kündigte das Unternehmen an, 33 Warenhäuser zu überprüfen und mit Vermietern über die Mietkonditionen zu verhandeln. Ob Standorte tatsächlich geschlossen werden, war zuletzt noch offen. Personen, die mit dem Unternehmen vertraut sind, halten auch deutlich mehr Schließungen für möglich.

Der Betrieb in den 83 Filialen läuft zunächst weiter. Gutscheine werden derzeit allerdings nicht angenommen. Außerdem sind einige Waren vom Verkauf ausgeschlossen, weil sie weiterhin den Lieferanten gehören und Galeria sie erst nach dem Verkauf bezahlen würde. In einzelnen Bereichen, etwa bei Bekleidung, sind solche Waren abgesperrt und gekennzeichnet. Ein ungewohntes Bild zwischen Kleiderständern und Kassen.

Entscheidung über die Zukunft steht aus

Das Gericht hat ein vorläufiges Insolvenzverfahren angeordnet. Der vorläufige Insolvenzverwalter Frank Kebekus prüft nun die Eröffnungsgründe und die Frage, ob das Vermögen zur Deckung der Verfahrenskosten ausreicht. Die gerichtliche Entscheidung kann in der Regel bis zu drei Monate dauern.

Für die Zukunft von Galeria wird entscheidend sein, ob der Insolvenzverwalter einen neuen Investor findet. Gleichzeitig bleibt unklar, welche Häuser am Ende auf der Streichliste stehen. In Kleve verfolgt man das entsprechend genau.

Der parteilose Klever Bürgermeister Markus Dahmen kündigte Gespräche an. Er will mit den Verantwortlichen über die mögliche Zukunft der Filiale und die Folgen einer Schließung für die Innenstadt sprechen. Denn das Warenhaus an der Großen Straße ist nicht bloß eine Adresse im Filialnetz: Sollte es schließen, würde in der Innenstadt eine große Verkaufsfläche und ein vertrauter Anlaufpunkt fehlen. Noch ist nichts entschieden – aber die Unruhe ist längst da.