In Götting gibt es seit dem 1. Oktober 2026 keinen Bankautomaten mehr. Die gemeinsame SB-Filiale von VR-Bank und Sparkasse an der Aiblinger Straße ist geschlossen, beide Automaten wurden abgebaut. Für viele Anwohner kam das einer kalten Dusche gleich – vor allem für ältere Menschen und Personen mit Einschränkungen.

Einige von ihnen leben ohne Angehörige, die bei der Umstellung auf Online-Banking helfen könnten. Ein älterer Anwohner erzählte, er habe bisher ohnehin nur kleine Beträge abgehoben, weil er nicht gern viel Bargeld bei sich trage. Nun müsse er sich mit digitalem Zahlungsverkehr beschäftigen, dem er wenig vertraue.

370 Unterschriften gegen das Aus

Gaby Seydel initiierte eine Unterschriftenaktion zum Erhalt der Automaten. 370 Unterschriften kamen zusammen. Gemeinderätin Carina Zehentmair sammelte zusätzlich an Haustüren. Mehr war in der kurzen Vorlaufzeit nicht zu schaffen. Über die Schließung wurden die Bürger etwa einen Monat vorher per Aushang informiert.

Die Banken begründen den Schritt mit fehlender Wirtschaftlichkeit wegen geringer Kundenzahlen und mit Sicherheitsrisiken, darunter der Gefahr von Automatensprengungen. Sparkasse und VR-Bank befinden sich nach eigenen Angaben in Umstrukturierungsprozessen: Filialpersonal wird reduziert, Angebote werden automatisiert und digitalisiert.

Bei den Anwohnern überwiegen Wut und Bestürzung. Sie kritisieren steigende Bankgebühren bei gleichzeitig sinkendem Service und fühlen sich von den Banken im Stich gelassen. Die SB-Filiale lag neben dem Dorfbäcker, war zu Fuß erreichbar und für ältere Menschen auch ein sozialer Treffpunkt.

Vier Kilometer bis zum nächsten Automaten

Der nächste Geldautomat ist rund vier Kilometer entfernt und nur mit dem Auto erreichbar. Für eine Mutter bedeutet das: Sie muss ihre Kinder auf dem Weg mitnehmen oder eine Betreuung organisieren. Auch Kirchdorf und Högling haben keine Bankautomaten.

Nach Angaben der Gemeinde gibt es auf dieser Seite der Mangfall weitere Geld- und Kontoauszugsautomaten erst in Willing, Vagen oder am Irschenberg. Im Gemeindegebiet bleiben nach der Schließung nur ein SB-Standort in Heufeld sowie jeweils eine VR-Bank- und Sparkassenfiliale in Bruckmühl.

Gemeindesprecherin Silvia Mischi bedauert das Aus auch aus Sicht des Stadtmarketings. Gegen die wirtschaftlichen Entscheidungen der Banken sieht sie allerdings keinen Handlungsspielraum. Der Gemeinde sind derzeit keine weiteren Filialschließungen bekannt.

Teils verlangen klassische Filialbanken bis zu zwölf Euro monatliche Kontoführungsgebühren und bis zu 30 Euro jährlich für Giro- oder Kreditkarten. Direktbanken erheben diese Zusatzgebühren in der Regel nicht. Gleichzeitig ist in vielen kleineren Bäckereien und Dorfläden weiterhin keine Kartenzahlung möglich – Bargeld bleibt dort also nötig.

Das Bargeld verschwindet nicht, aber der Weg wird weiter

Götting steht mit diesem Problem nicht allein. Bundesweit gab es 2020 noch fast 61.000 Geldautomaten, heute sind es laut Bundesbank knapp 50.000. Immer weniger Menschen nutzen die Geräte, viele zahlen mit Karte oder heben Bargeld an Supermarktkassen ab. Betrieb, Befüllung und Aufstellung werden teurer; auch Sicherheitsmaßnahmen gegen Sprengungen durch Banden treiben die Kosten.

Auf dem Land ist die Kasse als Ersatz allerdings oft keine echte Lösung. Mancherorts gibt es gar keine Einkaufsmöglichkeit. Ältere und sehr alte Menschen sind weiterhin besonders auf Bargeld angewiesen. Jan Steinhauser vom Thüringer Landesseniorenrat fordert deshalb, den Zugang für diese Gruppe sicherzustellen.

Als Möglichkeiten nennt Steinhauser eine Bargeldauszahlung in Geschäften – möglichst ohne verpflichtenden Einkauf und barrierearm – sowie die Bargeldversorgung durch andere Banken. Gebühren sollten dafür seiner Ansicht nach nicht anfallen. Beides setzt aber voraus, dass es im Ort ein Geschäft gibt; teilweise braucht man außerdem ein Smartphone. Auf dem Land ist weder das eine noch das andere selbstverständlich.

Einige Banken, darunter die Sparkasse Anhalt-Bitterfeld, setzen fahrende Filialen ein. Eine flächendeckende Versorgung gibt es damit bislang nicht. Eine vollständige Abschaffung des Bargelds ist laut Bundesbank nicht geplant. Nach Bundesbank-Studien halten 85 Prozent der Befragten Bargeld für gesellschaftlich wichtig.

Die Bundesbank baut vier neue Filialen, um langfristig ausreichend Bargeld in Deutschland verteilen zu können. Gesichert ist die Versorgung damit zwar, doch der Weg zum nächsten Automaten kann in Dörfern und Städten länger werden. Für Menschen ohne eigene Mobilität ist das eine zusätzliche Einschränkung – in Götting lässt sich das seit dem 1. Oktober täglich nachrechnen.

Unterschriftenaktionen und öffentlicher Protest können nach Einschätzung der Gemeinde möglicherweise Wirkung zeigen. Letztlich richte sich das Filialangebot aber nach dem Verhalten der Bankkunden.