In München und im Rhein-Main-Gebiet probiert Ikea neue Wege aus, um näher an seine Kundschaft zu rücken. Auf Parkplätzen von Aldi Süd testet das Unternehmen Abholstationen: Bestellte Waren werden dort an Lieferfahrzeugen übergeben. Für Kundinnen und Kunden fällt damit der Weg ins Einrichtungshaus weg – zumindest ein Stück weit.

Auch in Innenstädten taucht die blau-gelbe Marke inzwischen in kleinerem Format auf. Am Nürnberger Hauptbahnhof eröffnete Ikea einen 50 Quadratmeter großen, temporären Pop-up-Store. Weitere vorübergehende Läden gibt es in der Bremer Innenstadt und in einem Einkaufszentrum in Regensburg. Ob noch zusätzliche Standorte dazukommen, wird geprüft.

Ikea sucht den direkten Draht

Seit Juni dürfen Kunden ihre Hunde in alle Ikea-Filialen mitbringen. Und im Ikea-Einrichtungshaus Hamburg-Altona soll im Sommer 2027 erstmals ein Decathlon-Sportartikelmarkt einziehen. Möbel, Sportartikel, Einkaufswagen und vielleicht ein Hund dazwischen – Ikea tastet sich an neue Formen des Filialbesuchs heran.

Handelsexperte Atzberger sieht darin ein aktives Vorgehen. Ikea warte nicht einfach ab, bis die Nachfrage wieder anzieht, sondern probiere verschiedene Konzepte aus. Dazu gehört auch das Vorteilsprogramm „Ikea Family“: Kunden sammeln Punkte und können diese gegen Rabatt-Coupons eintauschen.

Günstige Gastronomieangebote sollen ebenfalls regelmäßige Besuche schmackhaft machen. Genannt wird etwa ein Ein-Euro-Frühstück. Bei Restaurantbesuchen können Kunden außerdem Einkaufsgutscheine erhalten. Laut Ikea dienen diese Maßnahmen dazu, Kunden zu binden und sie zu wiederkehrenden Besuchen zu bewegen. Ob das Frühstück dann wirklich der Grund für den nächsten Ikea-Trip ist? Möglich ist es.

Schwache Nachfrage in der Möbelbranche

Der Hintergrund ist allerdings ernst. Die deutsche Möbelbranche steckt seit längerem in einer Krise. 2025 sanken die Herstellererlöse zum dritten Mal in Folge und erreichten den niedrigsten Stand seit 2009. Im ersten Halbjahr des laufenden Jahres ging der Umsatz erneut zurück. Auch der Möbelhandel spürt die schwache Nachfrage.

Ikea testet deshalb mehrere Formen der Kundennähe, um herauszufinden, welche davon wirtschaftlich tragfähig sind. Die Abholstation auf dem Aldi-Süd-Parkplatz funktioniert anders als ein Pop-up-Store am Bahnhof, ein Einkaufszentrum wieder anders als das Restaurant im Einrichtungshaus. Vieles ist noch Versuchsanordnung.

Offen bleibt, ob die Maßnahmen tatsächlich zusätzliche Nachfrage erzeugen. Vielleicht verschieben sie die Umsätze auch nur zwischen verschiedenen Ikea-Angeboten: vom klassischen Einrichtungshaus zum Pop-up-Store, vom Möbelkauf zur Gastronomie oder vom regulären Einkauf zur Abholung am Lieferfahrzeug.

Ein Markt mit zwei Gesichtern

Der deutsche Möbelmarkt war laut dem Statista Research Department über mehrere Jahre von einer weitgehend konstanten Entwicklung geprägt; die Umsätze mit Möbeln stiegen kontinuierlich. 2022 erreichte der Markt mit rund 35,3 Milliarden Euro ein Rekordhoch. Die Konsumausgaben der Deutschen für Möbel und weitere Einrichtungsgegenstände nehmen tendenziell zu.

Pro Kopf liegen die jährlichen Ausgaben bei knapp 450 Euro und steigen weiter. Rund 38,2 Millionen Deutsche sagen zudem, dass sie eine hohe Ausgabenbereitschaft für die Einrichtung ihrer Wohnung oder ihres Hauses haben. Das klingt nach reichlich Potenzial – nur sitzt das Geld momentan offenbar nicht überall locker.

Die Angaben stammen aus einem am 17. Dezember 2025 veröffentlichten Beitrag des Statista Research Department. Ikea versucht derweil weiter, die Kundschaft an unterschiedlichen Orten abzuholen: auf dem Parkplatz, am Bahnhof, im Einkaufszentrum, im Restaurant und künftig womöglich neben Sportartikeln in Hamburg-Altona.