Die Zukunft der Karstadt-Filiale in Memmingen bleibt offen. Für die Beschäftigten geht es um ihre Arbeitsplätze, für Kunden um ein wichtiges Einkaufsziel und für die Stadt um einen zentralen Standort in der Innenstadt. Nach mehreren Insolvenzverfahren und Schließungswellen ist das Haus inzwischen das letzte Galeria-Warenhaus im Allgäu.

Galeria durchläuft innerhalb von sechs Jahren zum vierten Mal ein Insolvenzverfahren. Der Antrag wurde am 2. Oktober 2026 gestellt. Insolvenzgeld soll Löhne und Gehälter zunächst für Oktober bis Dezember absichern. Außerdem wurde ein Massedarlehen vereinbart, um das laufende Geschäft zu stabilisieren. Eine langfristige Garantie für einzelne Filialen lässt sich daraus jedoch nicht ableiten.

Zu groß für das moderne Warenhauskonzept

Bereits im Juli beziehungsweise im Sommer teilte Galeria mit, dass der Standort Memmingen gemeinsam mit 32 weiteren Filialen überprüft werde. Damit standen insgesamt 33 Standorte auf dem Prüfstand. Nach Angaben des Unternehmens ist die Verkaufsfläche in Memmingen für ein modernes und wirtschaftliches beziehungsweise produktives Warenhauskonzept zu groß.

Galeria führte deshalb Gespräche mit dem Vermieter über ein kompakteres, kleineres Konzept und passende, angepasste Mietkonditionen. Ob die Sanierung gelingt, Investoren einsteigen und tragfähige Vereinbarungen mit Gläubigern, Lieferanten und Vermietern zustande kommen, ist offen. Selbst wenn Galeria fortgeführt wird, bleibt die künftige Rolle Memmingens unklar. Die möglichen Szenarien heißen derzeit: Erhalt, Verkleinerung oder Schließung.

Im Haus zeigen sich die Folgen des Verfahrens bereits im Alltag. Abgesperrte Regale und Hinweise, dass bestimmte Marken vorübergehend nicht verkauft werden, sind in Memmingen und auch in anderen Filialen zu sehen. Medienberichten zufolge gehört die betroffene Ware den jeweiligen Herstellern. Lieferanten wollten verhindern, dass die Artikel durch einen Verkauf Teil der Insolvenzmasse werden.

Ein Warenhaus mit Gewicht für die Innenstadt

Das in den 1970er-Jahren eröffnete Kaufhaus nimmt nach Angaben von Wirtschaftsförderer Michael Haider knapp 25 Prozent der innerstädtischen Verkaufsfläche ein – fast ein Viertel. Es zieht nicht nur Memmingerinnen und Memminger an, sondern auch Kunden aus dem Umland. Stadt und Einzelhandel sehen Galeria deshalb als wichtigen Bestandteil des Einkaufsstandorts.

Eine Schließung könnte benachbarte Geschäfte treffen und die Besucherfrequenz in der Innenstadt verringern. Nachfrage wandert schließlich nicht automatisch zum nächsten Laden. Dafür braucht es passende, erreichbare und bekannte Angebote. Bestehende Händler könnten Sortimente erweitern, neue Unternehmen bislang unbesetzte Bereiche übernehmen und leer stehende Ladenlokale nutzen.

Eigentümer leer stehender Gewerbeflächen könnten mit bezahlbaren Mieten, flexiblen Verträgen und zeitlich begrenzten Ladenkonzepten neue Geschäftsideen ermöglichen. Auch die Beschäftigten sollten einbezogen werden: Sie kennen Kunden, Abläufe und die Waren, die tatsächlich gesucht werden. Eine Bestandsaufnahme der bei Karstadt gekauften Produkte könnte zeigen, welche Sortimente in Memmingen künftig fehlen würden.

Die Stadt hatte bereits im September erklärt, auf den Erhalt des Warenhauses zu hoffen und zugleich mögliche Nachnutzungen zu prüfen. Zwischen Stadt, Galeria und dem Immobilieneigentümer besteht ein enger Austausch. Ob die Stadt das Gebäude kaufen könnte, ist offen; einen konkreten Kaufplan gibt es nicht.

Für den Fall einer Schließung sollen mögliche Gebäudenutzungen, Sanierungs- und Umbaukosten sowie die Rolle des angeschlossenen Parkhauses untersucht werden. Ein städtischer Kauf dürfte erst auf Grundlage eines konkreten Nutzungskonzepts geprüft werden. Neben dem Kaufpreis wären die Kosten für Sanierung, Umbau, Betrieb und langfristigen Unterhalt entscheidend. Ebenso müsste geklärt werden, welche Aufgaben die Stadt übernimmt und wo private Partner beteiligt werden.

Ein sinkender Kaufpreis ist dabei nicht automatisch zu erwarten. Die Insolvenz des Mieters verpflichtet den Eigentümer nicht zum Verkauf. Nötig wären eine unabhängige Bewertung und eine belastbare Kostenkalkulation. Die Stadt kann den Ausgang des Insolvenzverfahrens nicht bestimmen, sich aber frühzeitig auf mögliche Folgen vorbereiten.

Was die Menschen mit Karstadt verbinden

An einer Online-Umfrage der Memminger Zeitung beteiligten sich 713 Personen. Viele verbinden Karstadt mit dem Stadtleben und würden eine Schließung als großen Verlust betrachten. Gleichzeitig gibt es Kritik an einer möglichen Rettung mit öffentlichen Geldern.

Die Umfrage sollte unter anderem klären, wann die Menschen zuletzt dort eingekauft haben, wie regelmäßig sie das Warenhaus besuchen, welche Angebote sie vermissen und welche Folgen eine Schließung für die Innenstadt hätte. Die Rückmeldungen waren per E-Mail oder über eine Online-Umfrage möglich; die Umfrage lief bis Samstag, 24. Oktober.

Wie alt die Teilnehmer sind und wie sie gewöhnlich einkaufen, ist nicht bekannt. Allein wegen der Teilnehmerzahl ist die Befragung daher nicht repräsentativ für Memmingen und das Umland. Für die weitere Planung könnten Untersuchungen zu Kundenwünschen, Kaufverhalten und fehlenden Sortimenten ergänzt werden.

Ein gemeinsamer Arbeitsprozess von Stadtrat, Verwaltung, Einzelhandel, Beschäftigten, Immobilieneigentümern und Verkehrsplanung könnte Ziele und Zuständigkeiten festlegen. Bleibt Karstadt, könnten bessere Verbindungen zwischen Warenhaus und übriger Innenstadt den Standort stärken. Schließt das Haus, könnten vorbereitete Lösungen Kaufkraft binden, neue Geschäfte ansiedeln und Leerstände beleben.

Der größere Wandel der Warenhäuser

Der „Kleine baukulturelle Statusbericht“ des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung untersucht die Umnutzung zentral gelegener Kauf- und Warenhäuser. Der Onlinehandel betrifft besonders innenstadtrelevante Warengruppen; die Verkaufsflächen sinken. Aktuelle Insolvenzen verstärken diesen Strukturwandel, perspektivisch werden weitere Standorte aufgegeben. Bleiben große Häuser leer, können Trading-down-Effekte die Entwicklung innerstädtischer Zentren beeinträchtigen.

Der 2024 in Bonn veröffentlichte Bericht zeigt zugleich, dass der Umbau großformatiger Immobilien Impulse für eine funktionale Neuausrichtung geben, Ressourcen schonen und baukulturelle Werte erhalten kann. Kauf- und Warenhäuser eignen sich demnach grundsätzlich unabhängig von ihrer Entstehungsepoche für neue Nutzungen. Denkbar sind verschiedene Umbauformen, Drittnutzungen und Kombinationen mehrerer Nutzungen.

Entscheidend sind eine sorgfältige Analyse der örtlichen und baulichen Gegebenheiten, ein passendes und abgestimmtes Umnutzungskonzept sowie Motivation und Flexibilität der Projektbeteiligten. Behandelt werden im Bericht die Rolle der Innenstädte im Strukturwandel, Kauf- und Warenhäuser als Betriebsformen des Einzelhandels, ihre architekturhistorische und städtebauliche Bedeutung, Veränderungen im innerstädtischen Nutzungsgefüge, aktuelle Schließungen und Umnutzungen, Beispiele guter Praxis sowie Handlungserfordernisse für die Transformation von Gebäuden und Nutzungen.

Historisch ordnet der Bericht die Häuser in mehrere Epochen ein: die Belle Époque mit der Entstehung der Kauf- und Warenhäuser bis 1900, das Neue Bauen mit bautechnischen und architektonischen Innovationen von 1920 bis 1939, die Erste Nachkriegsmoderne mit Wiederaufbau und der Entwicklung des Corporate Designs von 1940 bis 1959, die Zweite Nachkriegsmoderne mit Expansion und Rationalisierung der Architektur von 1960 bis 1979 sowie die Postmoderne mit rückläufiger Bautätigkeit und architektonischer Diversifizierung ab 1980. Untersuchungen zu Transformationen aus allen diesen Epochen sind enthalten.

Wissenschaftlich begleitet wurde die Untersuchung vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung, Referat „Baukultur und Städtebaulicher Denkmalschutz“. Im Bundesministerium wurde sie vom Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauen begleitet. Verantwortlich waren das ILS – Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung in Dortmund, Nina Hangebruch als Gesamtprojektleitung, Lisa Haag, Ines Dobosic und Prof. Tim Rieniets von der Leibniz Universität Hannover.

Der vollständige Titel lautet Kauf- und Warenhäuser im Wandel: Kleiner baukultureller Statusbericht von Hangebruch, Nina; Haag, Lisa; Dobosic, Ines; Rieniets, Tim. Herausgeber ist das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung, Erscheinungsort Bonn, DOI: 10.58007/z61r-5518. In Memmingen wird sich derweil zeigen, ob zuerst ein kleineres Warenhauskonzept, ein anderer Nutzer oder schlicht eine große Lücke in der Fußgängerzone kommt.