In insgesamt 111 Filialen von Hellweg und der Tochtergesellschaft BayWa Bau & Garten läuft der Räumungsverkauf. Beide Unternehmen sind kürzlich insolvent geworden, in den Märkten werden Regale leerer, während Kundinnen und Kunden immer wieder nach Rabatten, Schließungsterminen und der Zukunft der Standorte fragen.

Für einige Filialen gibt es bereits Übernahmelösungen. Künftig sollen dort Bauhaus, Hornbach oder OBI einziehen. In einer Hellweg-Filiale in Leipzig-Lützschena wurde offenbar ein ungewöhnlicher Aushang fotografiert und anschließend auf Facebook sowie Instagram veröffentlicht. Ob das Schild tatsächlich von Beschäftigten stammt, ist allerdings nicht abschließend bestätigt. Ein Hellweg-Sprecher äußerte sich auf Anfrage nach mehreren Tagen nicht dazu.

„Keine Ahnung“ auf mehrere Kundenfragen

Auf dem Aushang werden mutmaßlich häufig gestellte Fragen beantwortet. Auf „Wie lange haben Sie noch auf?“ folgt: „Keine Ahnung, wir sind zum 30.11.2026 gekündigt.“ Die Frage „Wann gibt es mehr Rabatt?“ wird mit „Keine Ahnung, sobald man uns das mitteilt, hängen wir die Schilder für Sie auf“ beantwortet.

Auch zur Zukunft des Marktes findet sich eine knappe Antwort: „Was kommt hier rein?“ – „Keine Ahnung, soweit wir wissen, gar nichts.“ Auf dem veröffentlichten Bild ist außerdem ein Teil einer weiteren Antwort zu sehen. Es handelt sich dabei um mindestens die sechste Frage; sie beginnt nicht mit „Keine Ahnung“.

Eine Bloggerin erklärte, die verbliebenen Beschäftigten hätten offenbar immer wieder dieselben Fragen beantworten müssen. In den Kommentaren äußerten Nutzer Mitgefühl mit den Mitarbeitern, kritisierten aber auch Lach-Emojis unter dem Beitrag. Eine Nutzerin berichtete, sie habe bei der Schließung einer Conrad-Filiale ähnliche Fragen von Kunden beantworten müssen. Ein kleiner Satz auf einem Stück Papier, und dahinter hängt für viele die ganze Unsicherheit eines Arbeitsplatzes.

35 Standorte mit möglichen Käufern

Die deutschen Baumarktketten Hellweg und BayWa Bau & Garten werden nach eröffneten Insolvenzverfahren abgewickelt. Für 35 von mehr als 110 Filialen wurden potenzielle Käufer gefunden: 18 Hellweg-Filialen, unter anderem in Beckum, Berlin, Dortmund und Essen, sowie 17 BayWa-Bau-&-Garten-Märkte. OBI plant, bis zu zwölf Standorte zu übernehmen; die übrigen Käufer sind bislang nicht namentlich bekannt.

Ganz in trockenen Tüchern ist das noch nicht. Die Übernahme der 35 gesicherten Standorte hängt teilweise von Vereinbarungen mit Vermietern und von kartellrechtlichen Genehmigungen ab. Gespräche über weitere Übernahmen laufen weiter. Für 79 Filialen gibt es derzeit keine Käufer. Sie sollen, sofern keine Übernahme vereinbart wird, bis Ende November 2026 schließen.

Nach einer Übernahme durch Drittbetreiber sollen die Markennamen Hellweg und BayWa Bau & Garten eingestellt werden. In Bayern wurden für elf BayWa-Filialen Käufer gefunden, während die Zukunft von 22 weiteren bayerischen Standorten ungeklärt ist.

Insolvenz seit dem Sommer

Hellweg und BayWa hatten Mitte Juni 2026 beim Amtsgericht Essen Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Das Gericht eröffnete das Verfahren am 27. August 2026 und bestellte den Rechtsanwalt Stefan Denkhaus zum Insolvenzverwalter.

Als Gründe für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten nannten die Unternehmen Lieferkettenengpässe, geopolitische Unsicherheiten und Kaufzurückhaltung. Dazu kamen gestiegene Einzelhandelsmieten sowie inflationsbedingte Kostensteigerungen – eine Mischung, die sich im laufenden Geschäft offenbar nicht mehr auffangen ließ.

Hellweg hatte BayWa Bau & Garten 2012 vom BayWa-Konzern übernommen und unter einem Lizenzabkommen weiterbetrieben. Hellweg beschäftigt rund 2.900 Menschen in 68 Filialen, vor allem in den Regionen Rhein-Ruhr und Berlin. BayWa Bau & Garten hat etwa 1.300 Beschäftigte in 46 Filialen.

Zusätzlich betrifft die Schließung der Unternehmenszentralen in Dortmund und Garching rund 340 Verwaltungsarbeitsplätze. Beschäftigte von Filialen ohne bestehende Kaufverpflichtung erhielten vorsorgliche Kündigungen, unter anderem in Mettmann, Monheim, Bonn-Beuel und Sankt Augustin. Löhne und Gehälter sollen bis Ende November 2026 weiterfinanziert werden.

Für die Teams in den Märkten bleibt damit vieles offen: Manche Standorte haben vielleicht bald einen neuen Betreiber, andere schließen endgültig. Filialen ohne vereinbarte Übernahme sollen nach Ende November 2026 ihre Türen schließen – und bis dahin müssen die Beschäftigten weiter freundlich bleiben, auch wenn die nächste Frage vermutlich schon an der Kasse wartet.