Im Shoppi Tivoli in Spreitenbach ist die Maisons-du-Monde-Filiale Geschichte. Der Mietvertrag lief aus und wurde nicht verlängert. Auf der frei gewordenen Fläche verkauft Denova, ein auf Gartenmöbel spezialisiertes Geschäft, seit dem 15. September vorerst bis Mitte 2027 seine Waren.

Zusätzlich hat das Design-Möbelgeschäft Kare einen Popup-Store eröffnet. Was nach Mitte 2027 mit der Fläche passiert, ist noch offen. Für Kundinnen und Kunden bleibt damit zunächst einiges in Bewegung: Gartenmöbel hier, wechselnde Designstücke dort – und kein dauerhaftes Maisons du Monde mehr im Shoppi Tivoli.

Rückzug aus der Deutschschweiz

Laut Unternehmenswebsite gibt es in der Schweiz noch zehn Maisons-du-Monde-Filialen, die meisten davon in der Romandie. In der Deutschschweiz bestehen weiterhin Standorte in der Mall of Switzerland in Ebikon LU und in Dietlikon ZH. Die französische Kette verkauft Möbel und Dekorationsartikel, überwiegend im Art-déco-Stil und im tiefen bis mittleren Preissegment.

Der Rückzug aus Spreitenbach fällt in eine schwierige Phase. Nach dem Ende der Corona-Zeit sank der Umsatz 2023 um 9 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro, die Aktie verlor mehr als die Hälfte ihres Werts. Das Unternehmen kündigte an, innerhalb von drei Jahren 85 Millionen Euro einzusparen. Geplant war unter anderem, 40 bis 50 unrentable Filialen zu schliessen oder zu verlegen.

In der Folge wurden weitere Standorte geschlossen, unter anderem Anfang 2026 in Oftringen AG. Maisons du Monde erklärte bereits 2024, dass die angekündigten 40 bis 50 Filialen nicht allesamt verschwinden sollten: Ein Teil werde geschlossen, ein anderer verlegt. Der Umbau des Netzes solle sich über drei Jahre erstrecken.

Verluste, Kritik und ein Umbau unter Druck

Auch 2026 lief es nicht rund. Neue Investoren und Banken unterzeichneten ein Schlichtungsprotokoll, doch im ersten Quartal gingen die Umsätze weiter zurück. Im ersten Halbjahr verzeichnete Maisons du Monde einen Verlust von 64 Millionen Euro; zugleich sanken die Verkäufe. Der Konzern versucht, Kosten zu senken und sein Filialnetz umzubauen.

Unruhe gibt es ebenso bei der Kundschaft. Rezensionen nennen schlechte Produktqualität, lange Lieferfristen, ausbleibende Rückerstattungen und unvollständige Bauteile. In einzelnen Fällen wurde sogar über Möbel mit Termitenbefall berichtet. Auf Trustpilot kommt das Unternehmen durchschnittlich auf 2,5 von 5 Sternen. Maisons du Monde nahm zu den Vorwürfen keine Stellung.

Die Monatslöhne der Angestellten liegen laut Tages-Anzeiger mit rund 4200 Franken im unteren Bereich. Als weiteres Problem gilt die zentrale Steuerung des Schweizer Geschäfts aus Frankreich. Das klingt auf dem Papier nach einem Organisationsdetail, ist im Alltag aber schnell spürbar, wenn Entscheidungen über Sortiment, Personal oder Reklamationen weit weg getroffen werden.

Ein Möbelhändler im Sog der Branchenkrise

Die Schwierigkeiten sind nicht allein hausgemacht. Der Möbel- und Dekorationssektor profitierte 2020 und 2021 vom Nachfrageboom während der Pandemie, wurde ab 2022 aber vom Konjunkturabschwung getroffen. Zwischen Juli 2022 und September 2023 erhöhte die EZB ihre Leitzinsen von 0 auf 4 Prozent. Damit sanken die Immobilienkaufkraft und indirekt auch die Nachfrage nach Möbeln.

Die anhaltende Inflation schmälerte die Ausstattungsbudgets französischer Haushalte, während höhere Finanzierungskosten die Bilanzen der Händler zusätzlich belasteten. Auch andere Unternehmen des europäischen Einrichtungshandels gerieten unter Druck: Conforama beantragte ein Schutzschirmverfahren, Habitat verschwand vom französischen Markt.

Maisons du Monde steht im mittleren Preissegment – zwischen Ikeas Niedrigpreispolitik und Premiumanbietern wie Roche Bobois. Gleichzeitig expandierte der Konzern zu schnell mit stationären Filialen, während sich der Einrichtungshandel zunehmend digitalisierte. Ein Teil der Kundschaft klickt heute eben vom Sofa aus, statt durch Verkaufsflächen zu laufen, auf denen es nach Holz, Stoff und manchmal nach frischer Gartenpolsterung riecht.

400 Millionen Euro Verlust und ein möglicher Kontrollwechsel

Im Geschäftsjahr 2025 verbuchte Maisons du Monde einen Nettoverlust von 400 Millionen Euro. Dadurch befindet sich das Unternehmen in einer kritischen Finanzlage; ein Kontrollwechsel ist möglich. Die britischen Investmentfonds Alteri Investors und Eicos haben ein Refinanzierungsprojekt ausgearbeitet. Bei Zustimmung der Hauptversammlung bis zum 15. September könnten sie das an der Pariser Börse notierte Unternehmen übernehmen.

Vorgesehen ist eine Kapitalzufuhr, die zu einer erheblichen Verwässerung der bisherigen Aktionäre führen würde. Die Abstimmung am 15. September gilt als entscheidend für die weitere Entwicklung des Konzerns, der mehrere tausend Beschäftigte in Frankreich und Europa hat.

Alteri Investors und Eicos verwalten gemeinsam mehrere Milliarden Euro an notleidenden Vermögenswerten. Ihr Sanierungsmodell umfasst typischerweise die Schließung unrentabler Filialen, Personalabbau und die Konzentration auf profitablere Produktlinien. Die geplante Transaktion steht im Zusammenhang mit der Übernahme französischer Vermögenswerte durch angloamerikanische Fonds. Als Gründe werden niedrige Bewertungen und eine größere Flexibilität des französischen Insolvenzrechts gegenüber dem Vereinigten Königreich nach dem Brexit genannt.

Überwachen sollen die Transaktion die französische Finanzmarktaufsicht AMF und die Bankenaufsicht ACPR. Im Mittelpunkt stehen die Information der Minderheitsaktionäre und die gleichberechtigte Behandlung der Gläubiger. Die Banque de France will als Finanzstabilitätsbehörde außerdem verfolgen, welche Auswirkungen die Sanierung auf Beschäftigung und Zahlungsketten hat.

Für den europäischen Anleihemarkt könnte der Fall zum Test für die Refinanzierungsbedingungen von Hochzinsunternehmen in einem weiterhin zinsintensiven Umfeld werden. Die EZB hatte im Juni 2024 einen vorsichtigen Zinssenkungszyklus begonnen – viel Luft verschaffte das dem Möbelhandel offenbar nicht. In Spreitenbach stehen derweil Denovas Gartenmöbel und Kares Popup-Store auf der Fläche, auf der zuletzt Maisons du Monde stand. Was dort nach Mitte 2027 kommt, bleibt offen.