In der Kölner Straße 146 in Kierspe geht eine Tür zu: Die Matratzen-Concord-Filiale schließt am 28. November 2026 endgültig. Seit Kurzem läuft der Räumungsschlussverkauf, groß angekündigt mit dem Satz: „Räumungsverkauf, alles muss raus“.

Eröffnet wurde das Geschäft im November 2008. Damit besteht es fast genau 14 Jahre – für viele Stammkunden dürfte der Abschied trotzdem überraschend kommen. Laut Pressesprecherin Claudia Gleede fiel die Entscheidung nach einer wirtschaftlichen Prüfung. Ausschlaggebend sei eine über längere Zeit unter den Erwartungen liegende Kundenfrequenz gewesen.

Längere Wege für die Stammkundschaft

Die Mitarbeiter sollen weiterhin bei Matratzen Concord beschäftigt bleiben. Für die Kundinnen und Kunden in Kierspe bedeutet die Schließung allerdings: Die nächstgelegene Filiale befindet sich künftig in Gummersbach. Der Weg dorthin wird für viele Stammkunden deutlich länger. Eine spätere Neueröffnung in Kierspe ist nach Angaben des Unternehmens derzeit nicht geplant.

In der Nähe hat außerdem die Beratungsstelle Pluspunkt für Menschen mit Handicap ihren bisherigen Standort verlassen müssen. Dort lag der Grund laut Artikel allerdings nicht in zu wenigen, sondern in zu vielen Klienten. Für die neuen Räume von Pluspunkt ist ein Tag der offenen Tür angekündigt.

Ein einzelner Laden, ein größeres Muster

Die Entwicklung in Kierspe passt in ein bundesweites Bild: Der stationäre Einzelhandel schrumpft weiter, während zahlreiche Unternehmen Krisen, Filialschließungen oder Insolvenzen melden. Für Galeria wird eine weitere Insolvenz befürchtet, 44 Filialen der Fachmarktkette Hammer stehen vor der Schließung und werden geräumt. Kik will noch 2026 Hunderte Filialen schließen.

Nach Angaben von Allianz Trade gab es 2025 insgesamt 2.571 Insolvenzen im Einzelhandel – der höchste Stand seit zehn Jahren. Der Handelsverband Deutschland, kurz HDE, erwartet für 2026 einen Nettoverlust von rund 4.900 Geschäften, bereits einschließlich neuer Eröffnungen.

Seit etwa zehn Jahren geht die Zahl der stationären Standorte zurück. Während der Corona-Pandemie verschwanden zeitweise mehr als 11.000 Geschäfte pro Jahr. 2025 sank die Zahl der Läden um rund 4.500. Bis Ende 2026 dürfte es noch etwa 296.600 stationäre Einzelhandelsstandorte geben; vor zehn Jahren waren es rund 366.800.

Kaufzurückhaltung und hohe Kosten

Der Onlinehandel wuchs 2025 preisbereinigt um 3,5 Prozent, während die Umsätze im stationären Handel stagnierten. In einer HDE-Händlerbefragung bewerteten nur 14 Prozent der Unternehmen ihre Geschäftslage als gut. Die Hälfte der befragten Händler erwartet 2026 sinkende Umsätze. Als größtes Problem nannten die Unternehmen die Kaufzurückhaltung.

Gerade kleine und mittelständische Händler kämpfen zudem mit schwacher Konsumstimmung, steigenden Energie- und Personalkosten sowie hohen Abgaben. Der HDE fordert deshalb politische Entlastungen: niedrigere Energiekosten, eine Senkung der Stromsteuer und eine Begrenzung der Lohnnebenkosten auf 40 Prozent.

Auch Vermieter sollen nach Vorstellungen des Verbands stärker flexible, umsatzabhängige Mietmodelle anbieten, damit Leerstände vermieden werden. Bund, Länder und Kommunen sieht der HDE in der Verantwortung, attraktive, saubere und sichere Innenstädte zu schaffen. Gefordert werden außerdem bessere steuerliche Anreize und Abschreibungsmöglichkeiten, damit private Investitionen in die Aufwertung von Innenstädten steigen. Öffentliche Mittel allein reichten nach Einschätzung des HDE nicht aus, um die strukturellen Probleme zu lösen.

Was aus den Innenstädten wird

Schließungen hinterlassen mehr als dunkle Schaufenster: Sie erhöhen die Leerstände in Innenstädten und können deren Attraktivität sowie ganze Stadtquartiere beeinträchtigen. Dabei gilt der Handel weiterhin als wichtiger Anlass für Innenstadtbesuche. HDE-Präsident Alexander von Preen warnt vor bereits sichtbaren Leerständen und davor, dass sich Städte an den Rückgang gewöhnen.

Die Handelsbranche trifft sich in Berlin zum jährlichen Handelsimmobilienkongress. Unter den Gästen ist auch die SPD-Politikerin Sabine Poschmann, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesbauministerium. Dort geht es um einen tiefgreifenden Strukturwandel: Ohne bessere Rahmenbedingungen könnte sich der Rückgang des stationären Handels weiter beschleunigen.

In Kierspe bleibt zunächst der Räumungsverkauf. Danach wird die Filiale an der Kölner Straße 146 leer sein – und die Stammkundschaft muss für den Matratzenkauf künftig bis nach Gummersbach fahren.