Für den Baywa Bau- und Gartenmarkt in Mering gibt es weiterhin keine Lösung. Neue Entwicklungen gebe es nicht, sagt Thomas Feldmann, Sprecher der zur Hellweg-Gruppe gehörenden Baumarktkette. Falls kein Investor die Filiale übernimmt, soll sie Ende November 2026 schließen.

Für die rund 30 Beschäftigten ist die Lage bereits seit Ende August bedrückend: Ihnen wurde vorsorglich gekündigt. Gespräche mit potenziellen Käufern laufen zwar noch, doch eine Zusage für Mering gibt es nicht. Die Baywa-Werkstatt am Ort ist davon nicht betroffen. Sie gehört zur Baywa AG und nicht zur zur Hellweg-Gruppe gehörenden Baumarktkette.

Einige Standorte haben bereits Käufer

Baywa und Hellweg hatten im Juni 2026 gemeinsam Insolvenz angemeldet. Für einige Filialen wurden inzwischen Investoren gefunden, für weitere Standorte – darunter Mering – wird noch verhandelt. Märkte ohne Investor sollen bis Ende November 2026 schließen.

Das Bundeskartellamt hat inzwischen die Übernahme von acht Baumarktstandorten der insolventen HELLWEG- beziehungsweise BayWa-Bau- und Gartenmärkte durch BAUHAUS im Vorprüfverfahren freigegeben. Die Behörde bewertet das Vorhaben als wettbewerblich unbedenklich. Für Kundinnen und Kunden in den jeweiligen regionalen Einzugsgebieten gebe es ausreichende Ausweichmöglichkeiten durch andere Baumärkte und Fachmärkte.

Die Freigabe betrifft die Mietverträge für die Standorte Backnang, Beckum, Berlin-Köpenick, Dahlwitz-Hoppegarten, Dortmund-Hacheney, Essen-Rellinghausen, Iserlohn und Potsdam. BAUHAUS betreibt rund 290 Standorte in Deutschland und im europäischen Ausland.

Für die wettbewerbliche Prüfung hat das Bundeskartellamt die relevanten Märkte anhand des tatsächlichen Nachfrageverhaltens bestimmt. Ausgewertet wurden Kundenkartendaten und Kundenbefragungen. Starre Radien wären dabei wenig sinnvoll: Die Einzugsgebiete unterscheiden sich je nach Filialgröße, Bevölkerungsdichte und Verkehrsanbindung.

Große Kette, viele offene Fragen

HELLWEG betrieb zuletzt unter den Marken HELLWEG und BayWa Bau & Garten 113 Bau- und Gartenmärkte in Deutschland, vor allem im Rhein-Ruhr-Gebiet, im Berliner Raum und in Süddeutschland. Im Juni 2026 wurde über HELLWEG ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung eröffnet.

Nach Angaben von Dr. Web haben Hellweg und die Schwesterkette BayWa Bau & Garten Mitte Juni 2026 beim Amtsgericht Essen Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Betroffen sind rund 4.000 Beschäftigte an insgesamt 114 Standorten: 68 Hellweg-Märkte und 46 BayWa-Bau-&-Garten-Märkte.

35 Märkte haben bereits einen Käufer gefunden. Hornbach übernimmt sechs Standorte. Obi erhielt zunächst den Zuschlag für mindestens fünf Märkte und plant insgesamt bis zu zwölf Übernahmen. Auch Bauhaus und Hagebau steigen bei Standorten ein. Die Übernahmen stehen allerdings unter dem Vorbehalt der Freigabe durch das Bundeskartellamt.

Obi übernimmt mindestens fünf Märkte, darunter Hellweg Berlin-Tiergarten, Hellweg Berlin-Yorckstraße, Hellweg Münster-Gievenbeck, BayWa Nördlingen und BayWa Wolfratshausen. Rund 250 Beschäftigte dieser Standorte sollen zum 1. Dezember 2026 zu Obi wechseln. Nach Umbauten ist die Wiedereröffnung ab März 2027 geplant. Damit könnte Obi seine Zahl deutscher Standorte auf mindestens 363 erhöhen. Hornbach will seine sechs Märkte im Frühjahr 2027 wiedereröffnen.

Warum Hellweg unter Druck geriet

Auf den kräftigen Nachfrageanstieg während der Corona-Pandemie folgte ein Rückgang bei Renovierungs-, Werkzeug- und Gartenartikeln. Gleichzeitig kletterten Mieten, Einkaufs-, Energie- und Nebenkosten. Viele Verbraucher hielten sich bei Ausgaben zurück. Für das Familienunternehmen kam damit einiges zusammen: sinkende Umsätze, höhere Kosten, weniger Luft.

Für die übrigen Standorte läuft die Suche nach Investoren bis Ende November 2026. Zusätzlich fallen rund 340 Verwaltungsstellen in der Hellweg-Zentrale in Dortmund und am BayWa-Sitz in Garching weg. Eine Jobgarantie gibt es für die rund 4.000 betroffenen Beschäftigten nicht – auch weil neben den übernommenen Arbeitsplätzen weitere Filialen und Verwaltungsstellen geschlossen werden.

Die Gläubiger sollen im September 2026 über einen Insolvenzplan mit einer geplanten Quote von 30 Prozent abstimmen. Verkaufte Standorte sollen zum 1. Dezember 2026 an die neuen Betreiber übergehen. Für Kunden bleibt das Warenangebot an vielen Standorten zunächst erhalten, nur hängt dann ein anderer Name über dem Eingang.

Bei schließenden Märkten sollten Kunden offene Bestellungen und Garantiefälle prüfen. Gewährleistungsansprüche gehen nicht automatisch auf den neuen Betreiber über. Das ist der unscheinbare Teil der Geschichte, der später schnell lästig werden kann.

Neue Namen auf alten Flächen

Die Übernahmen sind ein weiterer Schritt der Konsolidierung im deutschen Baumarktsektor. Mehrere große Anbieter erweitern ihr Filialnetz, indem sie bestehende Standorte übernehmen, statt neue Märkte zu bauen. Eine ähnliche Marktbereinigung gab es 2013 nach der Insolvenz von Praktiker und Max Bahr. Damals übernahmen unter anderem Bauhaus, Obi, Hagebau und Hornbach Märkte.

Hellweg war damals selbst Käufer und steht nun auf der Verkaufsliste. In Mering bleibt deshalb vorerst nur der Blick auf die Gespräche mit potenziellen Investoren. Ob am Ende ein neuer Betreiber die Türen öffnet oder Ende November die Lichter ausgehen, ist am 22. Oktober 2026 weiter offen.