Niederense verliert seine letzte Bankfiliale: Bargeld gibt es künftig an der Ladenkasse
Die einzige SB-Filiale in Niederense schließt zum 15. Januar 2027 dauerhaft. Sparkasse und Volksbank Hellweg betreiben den Standort gemeinsam in der Poststraße. Damit verliert Niederense seine einzige Bankfiliale im Ortsteil.
Die Sparkasse begründet den Schritt mit dem veränderten Nutzungsverhalten: Online-Banking und Kartenzahlung würden häufiger verwendet, während Besuche und Transaktionen in der SB-Filiale kontinuierlich zurückgegangen seien. Außerdem liege die Nutzung deutlich unter dem Durchschnitt vergleichbarer SB-Filialen. Konkrete Zahlen zur Nutzung und ihrer Entwicklung stellte die Sparkasse auf Nachfrage nicht bereit.
Bargeld gibt es künftig an der Ladenkasse
Ganz ohne Bargeld müssen die Menschen in Niederense trotzdem nicht auskommen. Bei Lidl und Edeka an der Kasse können Kunden Geld abheben. Bei Lidl ist dafür ein Einkauf von mindestens 99 Cent nötig, bei Edeka muss mindestens ein Artikel gekauft werden. Möglich sind Beträge zwischen 10 und 200 Euro.
Der Service ist an die Öffnungszeiten gebunden: Lidl bietet ihn montags bis samstags von 7 bis 20 Uhr an, Edeka montags bis samstags von 8 bis 20 Uhr. Bürgermeister Rainer Busemann bedauert die Schließung. Er ist weiterhin Mitglied im Verwaltungsrat der Sparkasse, besitzt dort aber kein Stimmrecht.
Nach Busemanns Angaben brachen die Nutzungszahlen der SB-Filiale stark ein, nachdem Lidl und Edeka das Abheben an der Kasse eingeführt hatten. 2025 sei noch verhindert worden, dass die Standorte Höingen und Niederense gleichzeitig geschlossen werden. Die Nutzungszahlen in Niederense hätten sich danach jedoch nicht erholt. Die Begründung ähnelt jener für den Abbau des Geldautomaten in Höingen im Jahr 2026.
Schon 2017 hatten Bürger in Höingen mit Unterschriften erreicht, dass der dortige Geldautomatenstandort erhalten blieb. Eine erneute Petition der Enser Fraktionen im Oktober 2025 blieb erfolglos.
Hauptfilialen in Bremen und ein Bringservice
Nach der Schließung bleiben für Kunden die Hauptfilialen von Sparkasse und Volksbank in Bremen. Die Sparkasse erklärt, die Bargeldversorgung werde durch die Hauptfiliale und das kostenlose Abheben in Geschäften weiterhin gewährleistet. Für mobilitätseingeschränkte Kunden gibt es außerdem einen Bargeld-Bringservice. Er kann telefonisch oder online über das Serviceportal bestellt werden; dabei kann eine Servicegebühr anfallen.
Was mit den Räumen in der Poststraße passiert, ist offen. Die Sparkasse war dort nur Mieter, der Mietvertrag in Niederense soll derzeit gekündigt werden.
Für viele Kundinnen und Kunden ist das mehr als eine neue Adresse. Wenn der lokale Ansprechpartner wegfällt, tauchen Fragen zur Bargeldversorgung, zu Überweisungen und zur persönlichen Beratung auf. Gerade ältere Menschen und Personen in ländlichen Regionen können mit solchen Veränderungen größere Schwierigkeiten haben. Jüngere Kundinnen und Kunden wechseln dagegen häufig problemlos zu Online-Banking und mobilen Apps.
Bankgeschäfte wandern weiter ins Netz
In Deutschland schließen immer mehr Bankfilialen. Steigende Betriebskosten, verändertes Kundenverhalten und die zunehmende Nutzung digitaler Bankangebote treiben diese Entwicklung an. Die Schließungen erfolgen meist schrittweise, betroffene Kunden werden in der Regel rechtzeitig informiert.
Über PC oder Smartphone lassen sich Überweisungen tätigen, Daueraufträge einrichten und Kontostände prüfen. Banking-Apps bieten zusätzliche Funktionen wie Fotoüberweisungen und Kartenverwaltung. Geldautomaten ermöglichen auch ohne Filialbesuch Bargeldabhebungen und teilweise Einzahlungen. Dafür braucht es allerdings Internetzugang und geeignete digitale Endgeräte.
Beratung bleibt auch nach einer Filialschließung möglich – per Telefon, per Video oder über geschulte Ansprechpartner der Bank. In manchen Regionen gibt es Partnerstellen oder zentrale Beratungszentren. Kunden sollten frühzeitig klären, welche Leistungen digital verfügbar sind und für welche Anliegen persönlicher Kontakt erforderlich ist.
Praktisch heißt das: regelmäßig prüfen, welche Kontodienste online angeboten werden, den Bargeldbedarf planen und Abhebungen gegebenenfalls rechtzeitig erledigen. Passwortschutz, TAN-Apps und Zwei-Faktor-Authentifizierung gehören ebenfalls dazu. Wer unsicher ist, sollte direkt bei der Bank nach Alternativen fragen. Das klingt trocken, erspart aber später manchen Umweg.
Bundesweit weniger als 20.000 besetzte Filialen
Der Fall Niederense passt in einen längerfristigen Trend zum digitalen Banking. In Deutschland gibt es erstmals weniger als 20.000 mit Mitarbeitern besetzte Bankfilialen. Zum Jahreswechsel wurden bundesweit 19.501 Standorte von Banken und Sparkassen gezählt – 945 weniger als ein Jahr zuvor. Reine Geldautomatenstandorte sind in dieser Statistik nicht enthalten.
Laut Bundesbank führen die zunehmende Nutzung von Onlinebanking und anhaltender Kostendruck in nahezu allen Banksektoren zum Abbau des Filialnetzes. Mehr als 80 Prozent der Deutschen erledigen ihre Bankgeschäfte laut einer Bitkom-Studie online. Erstmals nutzt auch die Mehrheit der Menschen ab 65 Jahren die Online-Dienste ihrer Bank: Bei den 65-Jährigen und Älteren sind es 54 Prozent, nach 45 Prozent im Vorjahr. In der Altersgruppe von 50 bis 64 Jahren liegt der Anteil bei 92 Prozent, bei den 30- bis 49-Jährigen ebenfalls bei 92 Prozent und bei den 16- bis 29-Jährigen bei 94 Prozent.
Banken versuchen dennoch, außerhalb fester Filialen präsent zu bleiben – etwa mit Videoberatung, Beratungscentern mit längeren Öffnungszeiten und Samstagsbetrieb, Sparkassen-Bussen oder gemeinsamen Filialen mehrerer Institute. Das Tempo der Filialschließungen verlangsamte sich im vergangenen Jahr. Während der Corona-Jahre hatte die Pandemie den Trend zum Onlinebanking zusätzlich verstärkt: 2021 wurden rund zehn Prozent der Filialen geschlossen, 2022 sank die Zahl der Zweigstellen um rund sechs Prozent.
Ende des vergangenen Jahres betrieben Sparkassen und Landesbanken mit 7.104 Standorten weiterhin die meisten Filialen. Die Genossenschaftsbanken, darunter Volks- und Raiffeisenbanken, kamen auf 6.588 Filialen und bauten ihr Netz besonders stark ab. Nach Einschätzung der Bundesbank wird sich der Rückgang auf Grundlage der bisher veröffentlichten Bankpläne fortsetzen.
Ende 2023 gab es in Deutschland 1.403 Geldhäuser, 55 weniger als ein Jahr zuvor. Laut Bundesbank trugen 52 Fusionen zu diesem Rückgang bei, vor allem unter den Genossenschaftsbanken. In Niederense wird der nächste Bankweg ab Januar 2027 jedenfalls nicht mehr zur Poststraße führen.
