Klink plant Netto-Markt an der B192 mit Café, Packstationen und bis zu 80 Parkplätzen
In Klink soll nahe dem FKK-Strand an der Bundesstraße 192 ein neuer „Netto Marken-Discount“ entstehen. Noch ist das Vorhaben allerdings nicht mehr als ein Plan auf dem Papier. Bis die ersten Einkaufswagen über den Parkplatz rollen, wird noch Zeit vergehen.
Vorgesehen ist der Markt auf einem bislang landwirtschaftlich genutzten Grundstück. Die Verkaufsfläche soll rund 1.000 Quadratmeter umfassen. Der Grundstückskauf aus privater Hand ist bereits erfolgt. Für den Bau braucht es nun noch Genehmigungen, konkrete Planungen und Untersuchungen. Eine Eröffnung Anfang 2028 gilt als realistisch.
Versorgung für Einheimische und Urlauber
Bürgermeister Thomas Beckmann sieht mehrere mögliche Zielgruppen: Einheimische Familien, die derzeit zum Einkaufen in umliegende Orte fahren müssen, Bewohner des Seniorenheims und des Betreuten Wohnens, Urlauber an der Müritz und am Kölpinsee sowie Wohnmobilreisende. Dazu kommen nach seinen Angaben rund 1.000 Radfahrer, die täglich durch die Gemeinde kommen. Gerade an der B192, sagt Netto-Gebietsleiter Patrick Muranko, sei der Standort wegen des Verkehrs und der vielen Urlauber geeignet.
Die Klinker Filiale wäre die 25. Netto-Filiale im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte, eine von knapp 130 Netto-Filialen in Mecklenburg-Vorpommern und eine von bundesweit 4.444 Filialen. Geplant sind bis zu 80 Parkplätze, ein Bäcker mit Café, Ladestationen für Elektroautos und Packstationen für Versanddienstleister. Weitere Einzelheiten sollen beim Bürgerforum auf den Tisch kommen.
Auch die Zufahrt steht auf der Liste. Die derzeitige Einfahrt in Richtung FKK-Strand am Kölpinsee soll erweitert und erneuert werden. Zusätzlich sind Verbesserungen der Verkehrssituation geplant. Beckmann hält unter anderem eine Ampel für sinnvoll, damit Kunden nach dem Einkauf sicher auf die B192 auffahren können. Zuständig wäre dafür allerdings nicht die Gemeinde, sondern eine übergeordnete Stelle. Klink muss entsprechende Anträge stellen.
Bürgerforum im Rudi-Reilich-Sportpark
Vorgestellt wird das Projekt am 28. Oktober um 18 Uhr im Rudi-Reilich-Sportpark bei einem öffentlichen Bürgerforum. Bürger können dort Fragen stellen und Anregungen geben. Ob es um die Verkehrsführung, die Parkplätze oder den Cafébetrieb geht – weitere Details sollen bei diesem Termin besprochen werden.
Wie eine solche Filiale in der Region aussehen kann, zeigt ein anderes Netto-Projekt an derselben Bundesstraße: Am 16. Dezember 2025 um 7:00 Uhr wurde in Möllenhagen an der B192 eine neue Netto-Marken-Discount-Filiale eröffnet. Auch dort stehen rund 1.000 Quadratmeter Verkaufsfläche zur Verfügung, angeboten werden etwa 5.000 Produkte. Die Bäckerei Kowalewski betreibt zusätzlich ein Café in der Filiale.
Netto Marken-Discount betreibt bereits zahlreiche Filialen im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte und ist dort unter anderem in der Nahversorgung ländlicher Gebiete tätig. Im Zusammenhang mit dem Möllenhagener Bau werden Diener, Landtagsabgeordneter in Mecklenburg-Vorpommern und Kreistagspräsident der Mecklenburgischen Seenplatte, Günther, Bürgermeister der Gemeinde Möllenhagen, Anker von der Newtown Projektentwicklungsgesellschaft mbH, Brunnckow, Anwohnerin der Gemeinde Möllenhagen, Branig und Branig von BA Baudienstleistungen aus Barkhagen sowie Keßler und das Team der KeßlerBau AG aus Hohengüstow und weitere am Bau beteiligte Unternehmen genannt.
Was Nahversorgung auf dem Land leisten muss
Der geplante Markt fällt in eine Zeit, in der die Nahversorgung im ländlichen Raum vor großen Herausforderungen steht. Die BBE Handelsberatung widmete sich dem Thema am 2. Juli 2024 in einem Whitepaper zu Handel und Handelsimmobilien. Gemeint ist mit Nahversorgung nicht nur der Einkauf von Lebensmitteln, sondern die Grundversorgung mit lebenswichtigen Dienstleistungen und Infrastrukturen.
In ländlichen Regionen altert die Bevölkerung schneller als in Städten. Gründe sind die Abwanderung jüngerer Menschen, niedrigere Geburtenraten sowie eine zunehmende Zahl älterer Menschen und Singlehaushalte. Das verändert die Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen. Ein Café im Markt, Packstationen oder ein barrierearm erreichbarer Einkauf können da mehr bedeuten als bloß ein zusätzliches Regal mit Milch und Brot.
Als wirtschaftlich tragfähig gelten laut BBE Konzepte, die neben dem Kerngeschäft zusätzliche Dienstleistungen und Treffpunktfunktionen anbieten. Chancen bieten volldigitalisierte Läden, hybride Konzepte, bürgerschaftlich organisierte Läden und Genossenschaften. Auch mobile Supermärkte, Dorfläden in Bürgerhand und multifunktionale lokale Zentren nennt Oliver Ohm, Regionalleiter Nord der BBE Handelsberatung, als Möglichkeiten. Gebündelte Services könnten dem Bevölkerungsrückgang entgegenwirken.
Dafür braucht es allerdings eine leistungsfähige Internetanbindung. Breitbandnetze gelten als zentrale infrastrukturelle Voraussetzung für regionale Daseinsvorsorge und Nahversorgungskonzepte und können die demografische Entwicklung sowie die Versorgungssituation stark beeinflussen. Für Smart Stores fehlt bislang teilweise eine einheitliche oder ausreichende Regulierung, außerdem ist laut Ohm eine gute Internetanbindung eine wesentliche Voraussetzung.
Seit 2011 haben in Deutschland Kleinbetriebe des Lebensmitteleinzelhandels mit insgesamt rund 400.000 Quadratmetern Verkaufsfläche geschlossen. Discounter und Supermärkte expandierten in den vergangenen Jahren vor allem in Grund-, Mittel- und Oberzentren, während die Zahl kleiner LEH-Betriebe zurückging. Dadurch entstehen in ländlichen Gebieten Spielräume für neue Versorgungskonzepte – entscheidend bleibt, am passenden Standort auch das passende Konzept umzusetzen.
