Nach 30 Jahren: Weinkauff schließt den Getränkemarkt in Meckenbeurens alter Scheune
In der Bahnhofstraße 5 in Meckenbeuren ist eine Ära zu Ende gegangen: Der Getränkefachmarkt hat nach 30 Jahren dauerhaft geschlossen. Letzter Öffnungstag war der 26. September 2026 – nur wenige Monate, nachdem die Münchner Orterer-Gruppe im Juni die Weinkauff Getränkehandels GmbH übernommen hatte.
Viele Kunden kannten den Markt nicht nur wegen seines Sortiments, sondern auch wegen des Ortes selbst. Untergebracht war er in einer alten Scheune, davor stand ein großer Laubbaum. Ein Getränkemarkt mit rustikalem Gesicht, nicht geschniegelt und glatt. Genau das soll sich nun ändern.
Die Scheune passt nicht mehr ins Konzept
Frank Henkel, Prokurist der Orterer-Gruppe, sagte, das Filialsystem solle künftig stärker am gewünschten Kundenstandard ausgerichtet werden: „schöner, heller, freundlicher“. Die Scheune in Meckenbeuren passe deshalb nicht in das geplante Konzept der künftigen Orterer-/Weinkauff-Märkte.
Auch in Ravensburg und Bräunlingen waren zuvor bereits Weinkauff-Filialen geschlossen worden. Mit dem Ende in Meckenbeuren will sich Orterer auf die bestehenden Weinkauff-Märkte konzentrieren. Derzeit gehören 15 Märkte zum Bestand, innerhalb von zehn Jahren soll diese Zahl auf 25 steigen. Eine der aktuellen Herausforderungen bleibt laut Henkel allerdings die Suche nach ausreichend Mitarbeitern.
Der nächstgelegene Weinkauff-Markt befindet sich weiterhin in der Kaltenberger Straße in Tettnang. Dort laufe das Geschäft gut, erklärte Henkel; größere Umbauten sollen den Standort modernisieren. Getränkelieferungen bieten die Märkte nicht an. Der Meckenbeurer Markt war dagegen stark auf den Heimdienst ausgerichtet. Dieses Geschäftsmodell hält das Unternehmen nicht für zukunftsfähig.
Von „Getränke Martin“ zu Weinkauff
Begonnen hatte die Geschichte in Meckenbeuren 1996 unter Norbert Martin als „Getränke Martin“. Martin hatte zuvor im Getränkemarkt Bernhard Deutelmoser gearbeitet und diesen später betrieben. Zunächst lag sein eigener Markt im hinteren Teil des damaligen Kinos in der Graf-Zeppelin-Straße. Noch im selben Jahr zog er in den ehemaligen Stall der Familie Baumann in der Bahnhofstraße.
Aus „Getränke Martin“ wurde später „Bodensee Rot-Weiß“, bevor der Markt zu Weinkauff wechselte. Auch „Bodensee Rot-Weiß“ war zuvor in eine größere Unternehmensstruktur integriert worden: Im August 2021 ging der Betrieb in die Leibinger-Gruppe über.
Norbert Martin war in Meckenbeuren außerdem als CDU-Gemeinderat bekannt. Später verließ er die Gemeinde; 2022 starb er in Erlenmoos. Die Filiale selbst wurde während der gesamten Zeit bis zur Schließung von Marktleiterin Uschi Heider-Pitzke betreut.
Eine Firmengeschichte mit vielen Stationen
Weinkauff geht auf Johannes Kiderlen zurück. Er eröffnete 1977 in Weingarten seinen ersten Getränkemarkt und erweiterte das Geschäft in den 1990er-Jahren um das Konzept „Vom Fass“. Die Weinkauff-Gruppe war mit bis zu 19 Filialen vor allem in Oberschwaben und im südlichen Schwarzwald vertreten und unter anderem mit der Fachhandelskooperation GEFAKO verbunden.
Durch die Übernahme sieht Henkel die Unternehmensgruppe geografisch im Süden gut aufgestellt. Kurze Wege bestünden auch zu den ebenfalls zu Orterer gehörenden Sobi-Märkten. Für Meckenbeuren bleibt davon zunächst vor allem der Abschied von einem vertrauten Standort.
Die Räume in der Bahnhofstraße sollen wieder vermietet werden. Wer als Nachmieter einzieht, ist laut Familie Baumann noch offen. Das Wohnhaus und die Scheune standen dort seit Jahrzehnten; der Stall wurde bis 1986 genutzt. Im Buch „Meckenbeuren in alten Ansichten“ von Karl Jäger ist das Anwesen sogar mit einer Aufnahme von 1911 dokumentiert. Damals war es das Bauernhaus von Karl Lehle.
