Nach vier Jahren ohne Bäckerei: Steinhoff eröffnet Filiale in Hultrop
Vier Jahre lang gab es in Hultrop keine Bäckerei. Seit Freitag, 16. Oktober 2026, ist das vorbei: Die Bäckerei Steinhoff hat im ehemaligen Dorfladen Thiemann an der Dorfstraße eine Filiale eröffnet. Seit 5.30 Uhr können Einwohner dort Brötchen kaufen, ohne dafür in einen Nachbarort fahren zu müssen. Kurz nach dem Start gingen bereits die ersten Backwaren über den Verkaufstresen.
Ganz fertig war der Laden zum Eröffnungstag allerdings noch nicht. Das Ladenschild fehlte, aus der Wand ragten einzelne Kabel und im Schaufenster war ein Riss zu sehen. Die letzten Arbeiten sollen noch ein bis zwei Wochen dauern. „Es ist eine große Dankbarkeit bei den Kunden da“, berichtet Geschäftsführerin Karin Steinhoff.
Glückwünsche aus dem Kindergarten
Auch der Kindergarten St. Barbara schaute vorbei und gratulierte mit einem selbst gebastelten „Viel Glück“-Schild. Dafür gab es Laugengebäck und Waffeln für Kinder und Erzieher. Die Nähe zur Bäckerei kommt im Alltag gelegen, etwa für die Mittagspausen. Ein kurzer Weg, ein paar frische Sachen – manchmal braucht es nicht viel.
Für Steinhoff ist Hultrop ein neuer Abschnitt. Rund 20 Jahre lang betrieb sie eine Filiale in Bad Sassendorf. Dort wurde ihr Mietvertrag nicht verlängert; der letzte Verkaufstag war der Sonntag vor dem Umzug. Innerhalb von nur vier Tagen baute ihr Team anschließend die Filiale in Hultrop aus. Dabei entstand unter anderem der Riss im Schaufenster. Zunächst musste außerdem die Versicherungssituation geklärt werden.
Auch in der Backstube ist noch nicht alles geregelt. Durch die Wärme des Ofens bildet sich dort viel Feuchtigkeit, deshalb soll noch ein geeigneter Ventilator installiert werden. Und draußen fehlt eben weiterhin das Ladenschild.
Ein Standort, der zunächst gar nicht vorgesehen war
Ursprünglich hatte Steinhoff nicht vor, in Hultrop eine Filiale zu eröffnen. Nach dem Ende des Standorts in Bad Sassendorf suchte sie zunächst neue Räume dort, fand aber keine geeignete Möglichkeit. Geschäftspartner Berthold Giepen, der aus Lippetal stammt, hatte den alten Dorfladen in Hultrop mehrfach vorgeschlagen.
Wegen fehlender Kapazitäten wollte Steinhoff zuerst keine weitere Filiale aufmachen. Erst als der Standort in Bad Sassendorf wegfiel, wurde die Lösung an der Dorfstraße möglich. Nun muss sich die Wiedereröffnung noch herumsprechen. Die Kunden sollen sich an den neuen Standort gewöhnen; der Betrieb müsse sich erst entwickeln, sagt Steinhoff. Der frühere Bäckereibetrieb im Ort war aus einem nicht näher genannten Grund geschlossen worden.
Geöffnet ist die Filiale montags bis sonntags, allerdings nur bis 13 Uhr. Laut Steinhoff endet die Nachfrage an vergleichbaren Dorfstandorten meist zu diesem Zeitpunkt. Sollte am Nachmittag genug los sein, könnten die Öffnungszeiten erweitert werden.
Leicht zu übersehen sei das Geschäft an der Dorfstraße außerdem. Zur Eröffnung wollte Steinhoff deshalb einen aufblasbaren Airdancer aufstellen – so einen flatternden Werbeschlauch, der schon von Weitem winkt. Wegen der hohen Kosten wurde darauf zunächst verzichtet.
Nahversorgung auf dem Land: viele Wege, viele Ideen
Was in Hultrop mit einer Bäckerei beginnt, berührt eine größere Frage: Wie kommen Menschen auf dem Land an Dinge des täglichen Bedarfs, wenn der nächste Laden weit entfernt liegt? Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) beschreibt, dass Einkaufsmöglichkeiten in vielen ländlichen Regionen schwer erreichbar sind. Einkäufe werden zunehmend in Discountern und Supermärkten erledigt, die nicht fußläufig erreichbar sind. Kleine örtliche Läden sind wirtschaftlich oft nicht mehr tragfähig.
Als Ursachen nennt das BMEL Veränderungen der Bevölkerungsstruktur und des Einkaufsverhaltens, die Konzentration von Anbietern auf größere Orte und Gewerbegebiete sowie Schwierigkeiten bei der Personalgewinnung und der Betriebsnachfolge. Besonders ältere und weniger mobile Menschen sind auf lokale Nahversorgungsangebote angewiesen.
Mit „LandVersorgt – Neue Wege zur Nahversorgung in ländlichen Räumen“ fördert das BMEL Modellprojekte, die Nahversorgung, Teilhabe und Daseinsvorsorge sichern sollen. In einer bis zu zwölfmonatigen Konzeptphase entwickelten bundesweit 14 Modellprojekte Ideen für eine nachhaltige Versorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs. Dafür erhielten sie jeweils bis zu 50.000 Euro; auch die anschließende Umsetzung einzelner Konzepte wird gefördert.
Erprobt wurden unter anderem digital unterstützte Lieferdienste, die Lieferungen mit anderen Dienstleistungen verbinden, sowie angepasste Ladenkonzepte, die teilweise oder vollständig ohne Personal auskommen. Begleitet wird die Maßnahme durch den Deutschen Städte- und Gemeindebund. Finanziert wird sie aus dem Bundesprogramm Ländliche Entwicklung und Regionale Wertschöpfung, kurz BULEplus.
- Altmühl-Jura Regional Digital in Kinding, Bayern: regionale Online-Bestellplattform mit angepasstem Logistiksystem.
- BiWi Nahversorgung in Kirchlinteln, Niedersachsen: Modernisierung des Einkaufs mit Bürgerbeteiligung von Bierde bis Wittlohe.
- DorfMarkt24 in Steinhöfel, Brandenburg: multifunktionale Dorfläden für Einkäufe ohne Auto.
- Hofer-LandLieferBus in Rehau, Bayern: Machbarkeitsstudie für ein kombiniertes System zum Waren- und Personentransport.
- KORB in Thallwitz, Sachsen: Regionalmarke, digitale Bestellprozesse und regionale Logistik mit „Food-Hub“.
- LebensMittelPunkte in Nobitz, Thüringen: Bedarfsanalyse in fünf Dörfern und Konzept für ein mobiles Netzwerk aus Nahversorgern und soziokulturellen Angeboten.
- Lebens.Mittel.Punkte in Wolfhagen, Hessen: aktive Dorfmittelpunkte für die lokale Nahversorgung.
- MONA LiSA in Osterburg und Seehausen (Altmark), Sachsen-Anhalt: Einbindung mobiler Dienstleister über einen Dorfladen in eine stationäre Nahversorgungslösung.
- NordlippeVersorgt in Barntrup, Nordrhein-Westfalen: Onlineshop, mobiler Dorfladen und Lieferdienst.
- OMA in Filsum, Niedersachsen: Vermarktung ostfriesischer Lebensmittel und anderer Erzeugnisse über Dorfladen und Onlineportal.
- RegioLMP in der Samtgemeinde Elbtalaue/Dannenberg, Niedersachsen: übertragbares Nahversorgungskonzept.
- SMART-EMMA in Birkenfeld, Rheinland-Pfalz: smarte, modulare Versorgungsstationen zum Schließen von Versorgungslücken; Konzept- und Umsetzungsphase.
- Stadt-Land-Drohne in Wusterhausen/Dosse, Brandenburg: Machbarkeitsstudie und praktische Erprobung von Lieferdrohnen; Konzept- und Umsetzungsphase.
Im Projekt „Stadt-Land-Drohne“ absolvierte die Lieferdrohne „Marktschwalbe“ im Mai 2024 ihren ersten Flug in Wusterhausen/Dosse. In Nobitz wurde bei Mitmach-Festen untersucht, wie es um Nahversorgung, soziokulturelle Angebote sowie Wünsche und Bedürfnisse der Bevölkerung steht. Beim Projekt „LebensMittelPunkte“ entstand mit „dorfnah“ ein spielerischer Ansatz zur Bedarfsanalyse in fünf Modelldörfern.
Das BMEL zählt die Stärkung ländlicher Räume und gleichwertiger Lebensverhältnisse zu seinen Kernaufgaben. In ländlichen Regionen lebt mehr als die Hälfte der Bevölkerung. BULEplus unterstützt Projekte für eine zukunftsfähige Entwicklung dieser Räume; „LandVersorgt“ ist ein BULEplus-Baustein und wird vom Kompetenzzentrum Ländliche Entwicklung in der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung im Auftrag des BMEL umgesetzt.
Für Hultrop geht es derweil um etwas Handfesteres: Brötchen am Morgen, Laugengebäck für den Kindergarten und einen Laden, der sich erst noch einspielen muss. Das Schild kommt noch. Der Ventilator auch. Und vielleicht spricht sich die neue Adresse ja schneller herum als gedacht.
