Neue Eigentümer, vier Filialschließungen: Micasa baut um
Die Schweizer Möbelhauskette Micasa bekommt einen neuen Eigentümer – und steht zugleich vor einem deutlichen Einschnitt. Eine Investorengruppe um den Logistik-Unternehmer Toni Shala hat 100 Prozent der Aktien der Micasa AG übernommen. Wer genau hinter der Schweizer Investorengruppe steht, wurde nicht bekannt gegeben.
Zusätzliches Kapital soll die Weiterentwicklung des Unternehmens ermöglichen. Geplant sind Investitionen in IT und digitale Lösungen, vor allem für Einkauf, Logistik, Warenverfügbarkeit und Kundenservice. Die neue Eigentümerschaft bringt laut Micasa außerdem Erfahrung und Kompetenzen in Logistik, Digitalisierung und Technologie ein. Toni Shala verweist auf seine langjährige Erfahrung in der Logistik- und Möbelbranche.
Vier Standorte schließen
Parallel dazu sollen 70 Stellen abgebaut werden. Dabei kommt es auch zu Kündigungen. Für die betroffenen Mitarbeitenden werden Anschlusslösungen geprüft.
Vier der insgesamt 30 Filialen schließen: Crissier per Ende 2026, Langendorf, Brügg und Buchs per Ende Januar 2027. Weitere Filialschließungen sind nicht geplant. Als Gründe nennt Micasa die aktuelle wirtschaftliche Situation und veränderte Marktbedingungen.
Führungswechsel nach der Loslösung von Migros
Die Entwicklung folgt auf einen Management-Buy-out im Februar 2025. Damals verkaufte Migros Micasa an ein Konsortium um CEO Philipp Agustoni und COO Manuel Landolt. Unterstützt wurden sie von der Investmentgesellschaft Rethink sowie privaten Investoren; zum damaligen Konsortium gehörten außerdem die deutschen und österreichischen Investorenfamilien Brandstetter-Finger und Wiest.
Seit dem 1. September 2025 führt die neu gegründete Micasa AG das Geschäft eigenständig. Die Mitarbeitenden und Lernenden in den Filialen wurden übernommen. Philipp Agustoni hat das Unternehmen nach eigenen Angaben inzwischen im gegenseitigen Einvernehmen verlassen. Manuel Landolt übernimmt die operative Leitung von Micasa. Véronique Rath wird neue Leiterin Einkauf, den Verwaltungsrat präsidiert Beatrix Ferkinghoff.
Während der Loslösung von Migros kam es zu Verzögerungen bei Lieferantenzahlungen. Mit den betroffenen Lieferanten wurden verbindliche Vereinbarungen getroffen; die Zahlungen sollen schnellstmöglich wieder fristgerecht erfolgen. Ausstehende Lieferungen und offene Kundenanliegen will Micasa prioritär und direkt mit den betroffenen Kundinnen und Kunden bearbeiten. Für manche dürfte das derzeit wichtiger sein als jede neue digitale Einkaufslösung.
Schwieriges Umfeld für Möbelhändler
Micasa positioniert sich im mittleren Preissegment und konkurriert unter anderem mit Ikea und XXXLutz. Der Schweizer Möbel- und Einrichtungsmarkt macht es den Anbietern derzeit nicht leicht: Die Umsätze waren zuletzt rückläufig. 2024 sank der Marktumsatz auf rund 5,04 Milliarden Schweizer Franken.
Am meisten setzte das Segment Wohnzimmermöbel um – mehr als 1,4 Milliarden Schweizer Franken. Danach folgten Schlafzimmermöbel sowie Küchen- und Esszimmermöbel. Im Corona-Jahr 2021 war der Umsatz des Gesamtmarkts für Möbel und Einrichtungsgegenstände hingegen deutlich gestiegen. Der kurze Corona-Effekt wich anschließend wieder einer rückläufigen Entwicklung und wurde durch den seit Jahren bestehenden Umsatzrückgang in der Branche abgeschwächt.
Diese Marktdaten stammen aus dem Statista Research Department und wurden am 17. Dezember 2025 veröffentlicht. Nun versucht Micasa, mit neuem Kapital, einer veränderten Führungsstruktur und Investitionen in Technik durch den Möbelhandel zu kommen – während in Crissier, Langendorf, Brügg und Buchs bereits die letzten Verkaufstage näher rücken.
