Nähnadel in Lidl-Schokoriegel entdeckt: Polizei warnt vor manipulierten Süßigkeiten
Eine Frau aus Garbsen bei Hannover kaufte am Freitagmorgen in einer Lidl-Filiale einen Schokoriegel der Lidl-Eigenmarke. Sie packte ihn aus, biss hinein – und bemerkte dabei eine Nähnadel. An der Verpackung und am Riegel selbst waren laut Polizei äußerlich keine Auffälligkeiten zu erkennen, die auf eine Manipulation hingedeutet hätten.
Wie die Nadel in den Schokoriegel gelangte, ist bislang unklar. Die Polizei ermittelt und stellte den Riegel samt sämtlicher Verpackungsbestandteile als mögliche Beweismittel sicher. Lidl steht nach eigenen Angaben in engem Austausch mit den Ermittlungsbehörden und seinen Lieferanten. Das Unternehmen nehme den Hinweis sehr ernst und wolle zur vollständigen Aufklärung beitragen. Zu Ursachen und Hintergründen äußert sich Lidl wegen des laufenden Ermittlungsverfahrens nicht. Deutschlandsitz des Discounters ist Bad Wimpfen im Kreis Heilbronn. Der Bericht wurde am 2. November 2026 um 17:02 Uhr veröffentlicht und aktualisiert.
Nadeln, Nägel und verletzte Kinder
Der Fund in Garbsen steht im Zusammenhang mit einer Reihe weiterer Fälle in Niedersachsen und Bremen. In den übrigen bislang bekannten niedersächsischen Fällen stammten die Süßigkeiten vom Halloween-Sammeln. In Bremervörde verletzte sich ein neunjähriges Mädchen beim Essen eines Schokoriegels an der Zunge. Bei der Untersuchung wurde eine mindestens fünf Zentimeter lange Stecknadel im Riegel gefunden.
Auch in Hannovers Stadtteil Misburg-Nord entdeckte ein neunjähriges Mädchen nach seiner Halloween-Runde Nadeln in drei Süßigkeiten: in einem Schokoriegel und in zwei Kaubonbons. Unterwegs war sie laut Polizei in der Willi-Blume-Allee, Wilhelm-Tell-Straße, Wilhelm-Busch-Straße, Kampstraße, Götzstraße, Eschenbachstraße, Gerhart-Hauptmann-Straße und Annette-Kolb-Straße. Die Polizei sucht nach den Tätern und bittet Zeugen um Hinweise unter 0511 1093517.
Weitere Meldungen kamen aus Salzgitter, wo eine Frau eine Nadel in einem Schokoriegel meldete, sowie aus dem Landkreis Gifhorn. Dort fand ein Kind gefährliche Fremdkörper in Weingummis und Schokoriegeln. In Bissendorf entdeckte ein Zehnjähriger einen Nagel in einem Schokoriegel, in Bremen-Walle fand eine Mutter ebenfalls einen Nagel in einem Schokoriegel.
In Nordrhein-Westfalen wurden am Halloween-Wochenende ebenfalls Süßigkeiten mit Nadeln, Schrauben und anderen Metallgegenständen gefunden. In Bad Salzuflen im Kreis Lippe stieß ein Vater auf eine Nadel in einem Bonbon aus der Halloween-Sammlung seiner Tochter. In Essen fand ein Vater eine Nadel in einem Schokoriegel seines 13-jährigen Sohnes; in einem weiteren Fall lagen Nadeln in Schokoriegeln und einer Tüte Weingummi. Die Polizei rief Familien im gesamten Stadtgebiet dazu auf, Halloween-Süßigkeiten zu kontrollieren.
Gemeldet wurden außerdem mehrere Nadeln in Milch-Nuss-Schnitten in Filderstadt, metallische Gegenstände in Waffelverpackungen in der Nähe von Konstanz, Nadeln in Kaubonbons in Thüringen, Tackernadeln in Süßigkeiten nahe Weimar und ein mit einer Nadel versehenes Kaubonbon in Gräfelfing im Landkreis München. Ein neunjähriger Junge biss dort hinein, spuckte es sofort aus und blieb unverletzt. Auf Fehmarn spuckten zwei Kinder Weingummi aus, das nach Waschmittel schmeckte.
Kontrolle vor dem Naschen
Die Polizei befürchtet, dass weitere manipulierte Süßigkeiten im Umlauf sind. Eltern sollen die gesammelten Sachen auf Einstichstellen, beschädigte Verpackungen und Fremdkörper prüfen. Verdächtige Süßigkeiten sollen entsorgt werden; Auffälligkeiten gehören zur Polizei. Die Behörden bitten darum, verdächtige Stücke zur Untersuchung, etwa auf Fingerabdrücke, abzugeben.
Die Polizei in Essen teilte mit, dass Nadeln seitlich in Schokoriegel gesteckt worden seien. Deshalb seien die Einstichstellen nicht sofort sichtbar. Die US-Lebensmittelbehörde FDA empfiehlt, Süßigkeiten erst zu Hause und nach einer Kontrolle zu essen, Verpackungen auf ein ungewöhnliches Aussehen, Verfärbungen, kleine Löcher und Risse zu prüfen, vor dem Sammeln etwas zu essen und Kindern nur industriell verpackte Süßigkeiten zu geben. Auch die Polizei im Kreis Lippe rät, Halloween-Süßigkeiten vor dem Verzehr zu überprüfen.
Für Kinder können verschluckte Fremdkörper laut dem Kinderarzt Claudio Finetti schwere Verletzungen verursachen, darunter Schäden an der Speiseröhre. Das könne lebensgefährlich sein. Nadeln oder andere Gegenstände könnten allerdings auch unbemerkt verschluckt und später problemlos ausgeschieden werden – eine ziemlich beunruhigende Spannbreite. Trotz der zahlreichen Meldungen sind bisher keine verletzten Kinder bekannt.
Ermittlungen in mehreren Ländern
Auch aus anderen Bundesländern wurden Vorfälle gemeldet. In Lübeck berichteten Kinder von Weingummis mit Waschmittelgeschmack, die sie ausgespuckt hatten. Fälle mit spitzen Gegenständen wurden aus Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein, Thüringen, Baden-Württemberg und Bayern bekannt; in Thüringen wurden unter anderem Tackernadeln gefunden. Bereits im Vorjahr entdeckte eine Mutter in Kiel Rasierklingen in den Halloween-Süßigkeiten ihrer Kinder.
Aus dem Ausland kamen ebenfalls Meldungen: In Linz in Österreich fanden sich etwa ein Zentimeter lange Nägel in den Süßigkeiten von Kindern, äußerlich waren sie nicht sichtbar. Medien berichteten über ähnliche Vorfälle in Irland. US-Behörden warnten in sozialen Medien vor Süßigkeiten mit versteckten Nägeln und Nadeln.
Die Polizei ermittelt wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung. Wer die Süßigkeiten manipuliert hat und welches Motiv dahintersteckt, ist bislang unklar. In vielen Regionen gehen die Behörden von absichtlicher Manipulation aus; ein Zusammenhang zwischen den Funden in verschiedenen Regionen ist bisher nicht belegt. In Essen lagen zwei Fundorte zwölf Kilometer voneinander entfernt, weshalb die Polizei dort mehrere Täter für möglich hält. Die Polizeibehörden wollen die Straßenzüge untersuchen, in denen die manipulierten Süßigkeiten verteilt wurden.
Solche Vorfälle gab es bereits 2025. Ob diesmal ein Trend in sozialen Medien dahintersteckt, konnte die Polizei bislang nicht klären. Der Fall aus Garbsen, bei dem der Riegel im Supermarkt gekauft wurde, könnte darauf hindeuten, dass Süßigkeiten bereits in Geschäften manipuliert wurden – nicht nur nach dem Halloween-Sammeln.
