Wer ab 2027 mit der Bahn durch Österreich und weiter nach Europa fahren will, sollte den Fahrplanwechsel im Kalender markieren: Der neue ÖBB-Fahrplan tritt am 13. Dezember 2026 europaweit in Kraft. Der Ticketverkauf für 2027 läuft bereits, die Preise steigen im Durchschnitt um etwa 3,5 Prozent. Für Pendler, Urlaubsreisende und alle, die am Bahnsteig ungern lange überlegen, heißt das: früh schauen lohnt sich.

Nach der Eröffnung des Koralmtunnels im Dezember 2025 wird das Angebot 2027 vor allem am Tagesrand erweitert. Geplant sind mehr Direktverbindungen innerhalb Österreichs, neue Ziele in Deutschland, Italien, Serbien und der Slowakei sowie zusätzliche und modernisierte Züge. Gleichzeitig bleibt der Fahrplan wegen großer Bauarbeiten eine Angelegenheit mit Kleingedrucktem.

Sanierungen bringen Umwege und längere Fahrzeiten

Vom 8. Februar bis 9. Juli 2027 wird das „Deutsche Eck“ zwischen Freilassing und Rosenheim wegen einer Totalsanierung gesperrt. Gleichzeitig ist die Tauernstrecke zwischen Schwarzach-St. Veit und Mallnitz-Obervellach für die zweite Sanierungsetappe vollständig dicht. ÖBB und Deutsche Bahn richten Ersatz- und Umleitungsangebote ein.

Wer nach Tirol, Vorarlberg oder Zürich unterwegs ist, muss je nach Ziel mit bis zu 120 Minuten längeren Fahrzeiten oder Schienenersatzverkehr rechnen. Das kann im Alltag ordentlich ins Gewicht fallen – besonders morgens, wenn ohnehin jede Minute zählt. Verbindungen von und nach Deutschland über Passau verkehren ab 13. Dezember wieder planmäßig. Die RJX-Züge Wien–München werden über Passau umgeleitet.

Mehr Züge über die Koralmbahn

Im österreichischen Fernverkehr kommen zusätzliche Interregio-Züge zwischen Graz und Villach über die Koralmbahn dazu, insbesondere am Tagesrand. Die Interregio-Züge Graz–Maribor halten künftig am Flughafen Graz. Ab Juli 2027 verkehren außerdem täglich drei zusätzliche IC-Zugpaare je Richtung zwischen Graz und Linz. Damit gibt es elf tägliche Direktzüge je Richtung.

An Werktagen startet in Graz ein neuer Frühzug um 4:48 Uhr nach Klagenfurt. Dort bestehen Anschlussmöglichkeiten nach Villach und Salzburg – für manche beginnt der Tag dann sehr früh, für andere rettet genau diese Verbindung einen Termin.

Die Koralmbahn wird laut ÖBB inzwischen durchschnittlich von 10.000 Fahrgästen pro Tag genutzt; im ersten Halbjahr waren es rund 7.000. Zum Vergleich: 2025 fuhren zwischen Wien und Kärnten durchschnittlich etwa 2.800 Menschen pro Tag. Im Nahverkehr sind zudem eine bessere Anbindung des Flughafens Wien, schnellere Verbindungen zwischen Wolfsthal und Wien, zusätzliche Züge Wien–Wiener Neustadt sowie mehr Züge zwischen Eisenstadt und Wulkaprodersdorf vorgesehen. Auch zwischen Wien Westbahnhof und Eichgraben/Altlengbach soll das Angebot wachsen.

In Vorarlberg entstehen neue grenzüberschreitende Direktverbindungen in die Schweiz und nach Deutschland. Nach Abschluss der Generalsanierung Passau–Nürnberg kehrt der ICE nach Nürnberg, Frankfurt, Dortmund und Berlin zurück. Ein zusätzliches ICE-Zugpaar am Tagesrand verbindet Wien und Dortmund. Ab dem Fahrplanwechsel gibt es insgesamt zehn ICE-Verbindungen von Wien nach Nürnberg; außerdem wird eine Nacht-ICE-Verbindung zwischen Wien und Stuttgart eingeführt.

Italien, Belgrad und Košice rücken näher

Ab Sommer 2027 wird das Bahnangebot nach Italien erweitert. In Kooperation mit Deutscher Bahn und Trenitalia fährt der Hochgeschwindigkeitszug Frecciarossa von München über Innsbruck nach Mailand beziehungsweise Rom. Das klingt nach einer Verbindung für den großen Urlaub – praktisch ist sie auch für alle, die lieber im Zug sitzen und aus dem Fenster schauen, statt sich durch den Flughafen zu schieben.

Für 2027 ist erstmals seit 2019 wieder eine Direktverbindung nach Belgrad geplant: zwei Züge täglich je Richtung, mit einer Fahrzeit von rund sechseinhalb Stunden. Der Starttermin hängt von der Zulassung der Strecke in Ungarn ab. Zwei neue EC-Direktverbindungen führen außerdem von Wien über Bratislava und Žilina nach Košice.

Ab Sommer 2027 werden der RJX 765 von Bregenz über Wien nach Bratislava und der RJX 168 von Bratislava über Wien nach Zürich verlängert. Damit wachsen nicht nur die Fahrpläne, sondern auch die Zahl der Wege, auf denen man ohne Umsteigen über Grenzen kommt.

Neue Züge für mehr Kapazität

Zwischen 2024 und 2030 investieren die ÖBB 6,1 Milliarden Euro in 330 neue Züge. Laut ÖBB sind bereits 30 Prozent davon im Einsatz. Für 2027 sind 27 weitere Cityjet-Doppelstockzüge im Nahverkehr, sechs Coradia-Stream-Züge für den grenzüberschreitenden Verkehr zwischen Tirol und Südtirol, zehn Railjets der neuen Generation und 14 neue Railjet-Doppelstockzüge vorgesehen. Bei den Coradia-Stream-Zügen entfällt der Umstieg am Brenner.

Die ÖBB-Flotte wurde 2026 um etwa 80 Fahrzeuge erweitert, 2027 sollen 57 weitere hinzukommen. Trotz der Sperre der Stammstrecke erwarten die ÖBB stabile Nahverkehrs-Fahrgastzahlen. Im Fernverkehr rechnen sie mit einem Fahrgastzuwachs von etwa 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Hinter den einzelnen Verbindungen steckt ein längerfristiger Ausbauprozess. Die ÖBB-Infrastruktur AG erstellt den Rahmenplan in enger Abstimmung mit dem Bundesministerium; anschließend wird das Einvernehmen mit dem Bundesministerium für Finanzen (BMF) hergestellt. Grundlage ist das Zielnetz der ÖBB-Infrastruktur AG. Es verankert wesentliche verkehrspolitische Ziele, legt die langfristige Entwicklung des Bahnnetzes fest, enthält allgemeine Vorgaben und konkrete Projekte und schlägt anhand von Kosten-Wirksamkeits-Analysen und Verkehrsprognosen Priorisierungen vor.

Die Rahmenpläne setzen dieses Zielnetz Schritt für Schritt um. Derzeit gültig ist das „Zielnetz 2025+“ aus dem Jahr 2011. Zu seinen zentralen Prioritäten gehören die Infrastruktur für die schrittweise Umsetzung des integrierten Taktfahrplans, der Ausbau der Trassenkapazitäten im Hauptnetz und die Verlagerung von Verkehr von der Straße auf die Schiene. Für ein mögliches „Zielnetz 2040“ liegt bereits ein Fachentwurf vor.

Bei der Erstellung des Rahmenplans fließen neben dem Zielnetz 2025+ auch neuere strategische Dokumente und gesetzliche Vorgaben ein: Schwerpunktthemen des Regierungsprogramms, der Nationale Energie- und Klimaplan, die TEN-V-Leitlinien, der Etappenplan Verkehr zur Barrierefreiheit und die Eisenbahnkreuzungsverordnung 2012. Für die Aufnahme von Projekten in den Rahmenplan gibt es abgestimmte Prozesse zwischen dem Bundesministerium, der ÖBB-Infrastruktur AG und der SCHIG mbH. Sie sollen sicherstellen, dass Projekte sinnvoll, kosteneffizient und mit übergeordneten Zielsetzungen vereinbar sind.

Für Reisende in Filialen & Standorte bleibt damit vorerst zweierlei wichtig: Der Ticketverkauf für 2027 ist schon offen, und manche Strecke verlangt trotz neuer Direktzüge etwas Geduld. Zwischen frühen Abfahrten, neuen Railjets und Baustellenfahrplänen wird der Bahnalltag im kommenden Jahr jedenfalls nicht langweilig.