Rewe testet Ube-Schokolade: Viel Lila, wenig Yamswurzel
In den Filialen & Standorten von Rewe fällt eine Schokoladentafel derzeit schon von Weitem auf: helllila, nicht braun, nicht cremefarben – irgendwie wie ein Stück Süßigkeit aus einem TikTok-Video. Die „Ube Style Chocolate“ von Delica Dore bringt eine violette Yamswurzel von den Philippinen in die Süßwarenabteilung. 90 Gramm kosten 3,29 Euro, also rund 3,66 Euro pro 100 Gramm.
Ube ist nach Matcha der nächste auffällige Foodtrend. Die Knolle landet in Lattes, Kuchen und Eis und ist wegen ihrer kräftigen Farbe auf TikTok und Instagram ständig präsent. Starbucks und andere Ketten bieten bereits Ube-Kaffeegetränke an, auch deutsche Cafés und Supermärkte führen Produkte mit Ube. Auf den Philippinen wird die Wurzel seit Jahrhunderten in süßen und herzhaften Gerichten verwendet, unter anderem für Ube-Halaya.
Was hinter der lila Farbe steckt
Die Farbe entsteht durch Anthocyane, sekundäre Pflanzenstoffe, wie sie auch in Heidelbeeren und Rotkohl vorkommen. Geschmacklich wird Ube als mild süß, leicht nussig und vanillig beschrieben, teils auch mit einer Erinnerung an Kokos. Die Knolle enthält vor allem Kohlenhydrate und Ballaststoffe sowie unter anderem Vitamin C und Kalium.
Ein Freifahrtschein zum Superfood ist das trotzdem nicht. Aus dem Anthocyan-Gehalt einzelner Lebensmittel lässt sich laut Verbraucherzentrale keine konkrete Schutzwirkung ableiten. Außerdem hängt der gesundheitliche Wert stark von der Verarbeitung ab: Gesüßte Getränke, Eis und Backwaren bringen häufig ordentlich Zucker mit. Frische Ube-Wurzeln sind in Deutschland selten zu bekommen; im Handel finden sich meist Pulver, Paste oder Sirup. Im deutschen Klima ist der Anbau schwierig, Süßkartoffeln gelten als unkompliziertere Alternative.
Der Test der Rewe-Tafel
Optisch macht die Tafel sofort etwas her. Sie ist tatsächlich helllila und hebt sich deutlich von einer Standardtafel ab. Dafür gibt es im Test 5 von 5 Sternen.
Auf der Zutatenliste stehen allerdings Zucker und Kakaobutter ganz vorn, gefolgt von Magermilchpulver, Molkenpulver und Milchfett. Ube-Pulver macht lediglich 3 Prozent aus. Kokosnuss, Mangoflocken und Crisps sind jeweils mit 2 Prozent enthalten. Dazu kommen unter anderem Emulgator, natürliches Aroma, Nusspaste und Vanilleextrakt. Gerade die Nusspaste ist für Allergiker relevant. Bei den Zutaten reicht es deshalb nur für 2 von 5 Sternen.
Beim Aufreißen der Silberfolie bleibt zunächst der Farbeindruck. Beim Reinbeißen knackt es durch die Rice Crisps angenehm, die Süße wird dadurch ein wenig gelockert. Ansonsten schmeckt die Schokolade überwiegend nach sehr süßer weißer Schokolade mit leichtem Kokosaroma. Ube selbst ist kaum wahrnehmbar; die nussige und zart vanillige Note lässt sich ebenfalls nicht deutlich herausschmecken. Auch die Mango hält sich auffällig zurück. Geschmack: 3 von 5 Sternen.
Mit rund 3,66 Euro pro 100 Gramm kostet die Tafel mehr als gewöhnliche 100-Gramm-Tafeln. Für eine besondere Sorte ist der Preis vertretbar, ein Schnäppchen ist sie nicht. Dafür gibt es 3 von 5 Sternen. Die Gesamtbewertung liegt ebenfalls bei 3 von 5 Sternen.
Viel Farbe, wenig Ube
Verpackt ist die Schokolade in einer Papppackung mit Silberfolie. Einen Hinweis auf nachhaltigen Anbau oder ein entsprechendes Siegel gibt es nicht. Kakao, Kokos, Mango und Ube werden über weite Strecken transportiert. Auch die steigende Nachfrage kann den Druck auf Anbau und Export erhöhen und Preise sowie Verfügbarkeit in den Herkunftsländern beeinflussen. Weil Ube in tropischen Regionen angebaut wird, kommen für die Klimabilanz zusätzliche Belastungen durch lange Transportwege hinzu. Nachhaltigkeit: 2 von 5 Sternen.
Beim Einkauf lohnt sich deshalb ein genauer Blick auf Zutatenliste und Nährwerte. In vielen Ube-Produkten steckt nur wenig von der Wurzel, dafür Zucker, Fette und Zusatzstoffe wie Emulgatoren oder Stabilisatoren. Ube-Produkte sind häufig teurer als vergleichbare heimische Zutaten; der Mehrwert liegt laut Verbraucherzentrale oft vor allem in der auffälligen Farbe.
Wer die Knolle wirklich geschmacklich kennenlernen möchte, ist mit einem Ube-Latte oder einem anderen Ube-Dessert wahrscheinlich besser beraten. Für Liebhaber weißer Schokolade kann die Tafel trotzdem eine ungewöhnliche Variante sein – vor allem, wenn beim Öffnen erst einmal dieses helle Lila ins Auge springt. Wer auf regionale Alternativen mit Anthocyanen und violetten Farbtönen setzt, findet sie in Beeren, Rote-Bete-Pulver, violetten Möhren und dunklen Weintrauben. Diese Zutaten sind häufig günstiger und haben meist kürzere Transportwege.
Die ergänzenden Verbraucherinformationen stammen von der Verbraucherzentrale Hessen; redaktionell wurden sie mit Unterstützung von KI am 6. September 2026 aktualisiert. Der Rewe-Test zeigt derweil ziemlich nüchtern, was in der bunten Tafel steckt: viel weiße Schokolade, etwas Kokos, knackige Crisps – und nur einen kleinen Hauch von Ube.
