In der Mainzer Römerpassage ist im Erdgeschoss eine große Verkaufsfläche frei geworden. Die insolvente Dekokette „Depot“ hat ihre Filiale geschlossen; seit Ende August steht das Geschäft leer. Für viele Besucher ist das ein auffälliger Anblick, schließlich gehörten Dekoartikel, Geschenkideen und saisonale Waren lange zum Bild des Centers.

Seit Frühjahr 2026 wird die Römerpassage vom Düsseldorfer Unternehmen „MEC“ verwaltet. Das Center-Management sucht nach einem Mietermix, der zu den lokalen Gegebenheiten passt, bestehende Angebote ergänzt und die Attraktivität der Römerpassage stärkt. Klingt zunächst nüchtern, ist für die Passage aber eine ziemlich konkrete Zukunftsfrage.

Gespräche laufen – auch im Untergeschoss

Zu möglichen neuen Mietern oder einem Zeitplan für die Neuvermietung macht MEC derzeit keine Angaben. Der Grund: Vertragsgespräche laufen. Dabei geht es nicht nur um die frühere Depot-Fläche, sondern auch um weitere Leerstände, darunter die ehemaligen Räume des Discounters „Netto“ im Untergeschoss. Netto hatte seine Filiale dort bereits Ende 2025 geschlossen.

Unter den Leservorschlägen für neue Nutzer finden sich mehrere bekannte Namen: Die Deko- und Geschenkekette „Flying Tiger“ könnte einziehen, ebenso die Discount-Warenhäuser „Action“ oder „Hema“. Andere wünschen sich einen neuen Kreativladen als Ersatz für „Listmann“, eine Verkaufsfläche für Mainzer Winzer oder sogar eine Disco – angelehnt an die frühere Kellerkneipe „Mainzeldorf“. Ob einer dieser Vorschläge umgesetzt wird, ist offen.

Die Zukunft der Depot-Filiale war bereits zuvor ungewiss. Als möglicher Endpunkt des Geschäftsbetriebs war Ende September 2026 genannt worden. Vor Ort reagierten die Mainzer unterschiedlich auf die mögliche Schließung. Als Hintergrund wurde die angespannte wirtschaftliche Lage genannt. Ob die Filiale tatsächlich schließt und wie es mit dem Standort weitergeht, blieb zunächst offen; inzwischen steht die Fläche seit Ende August leer.

Leerstände sind längst kein Mainzer Sonderfall

Der Blick über die Römerpassage hinaus zeigt, warum die Suche nach Nachmietern schwieriger geworden ist. Der Strukturwandel in deutschen Innenstädten läuft seit Jahrzehnten. Frühere Kaufhauskonzerne wie Hertie, Horten, Kaufhof und Karstadt haben zunehmend an Bedeutung verloren. Neu ist laut einer Analyse vor allem die Geschwindigkeit, mit der sich die Veränderungen inzwischen vollziehen.

Der durchschnittliche Ladenleerstand in deutschen Innenstädten liegt bei 15 Prozent. Vor der Corona-Pandemie waren es etwa 10 Prozent. 2025 registrierte Creditreform rund 2.440 Insolvenzen im Einzelhandel – 9 Prozent mehr als im Vorjahr. Für Ende 2026 prognostiziert der Handelsverband Deutschland 296.600 stationäre Einzelhandelsgeschäfte. Das wären rund 70.000 Geschäfte weniger als vor zehn Jahren.

Betroffen sind kleine und große Unternehmen, Traditionsgeschäfte und Handelsketten: Warenhäuser, Modefilialisten, Buchhandlungen. Wo Fachgeschäfte verschwinden, wachsen die Leerstände, und mit ihnen schrumpft die Angebotsvielfalt. Der Handelsverband Deutschland fordert deshalb unter anderem Steuervorteile und faire Wettbewerbsbedingungen.

Onlinehandel und knappe Budgets

Eine zentrale Ursache bleibt der anhaltende Onlinehandel. Im Juni 2026 lag der reale Einzelhandelsumsatz um 0,2 Prozent unter dem Wert des Vorjahresmonats. Der Internet- und Versandhandel wuchs im selben Zeitraum um 4,9 Prozent. Dazu kommt, dass Verbraucher weiterhin vorsichtig mit ihren Ausgaben umgehen. Der GfK-Konsumklimaindex blieb nach einem starken Einbruch im Frühjahr 2026 deutlich im negativen Bereich; für August 2026 wurde ein Wert von −29,6 Punkten erwartet.

Gespart wird vor allem bei Dingen, die nicht unbedingt nötig sind: Kleidung, Bücher, Möbel und Unterhaltungselektronik. Steigende Energiekosten, höhere Mieten und die Inflation drücken zusätzlich auf die Gewinnmargen. Sind finanzielle Rücklagen aufgebraucht, bleibt vielen Unternehmen nur die Schließung. Das geht schnell – und hinterlässt dann eine dunkle Scheibe, ein paar Aufkleber und viel ungenutzte Fläche.

Weniger Geschäfte können Innenstädte weiter schwächen, weil Einkaufen ein wichtiger Grund für einen Besuch ist. Der Onlinehandel wird dauerhaft bestehen bleiben, und auch die wirtschaftliche Stagnation dürfte nicht kurzfristig überwunden werden. Innenstädte können deshalb nicht mehr ausschließlich als Einkaufszentren funktionieren.

Mehr als Einkaufen

Der Handelsverband fordert unter anderem die Möglichkeit, Geschäfte sonntags zu öffnen, um Innenstädte attraktiver zu machen. Experten empfehlen außerdem neue Nutzungskonzepte: öffentliche Räume sollen umgestaltet, Handel, Wohnen und Freizeit stärker verbunden und neue Gründe für einen Innenstadtbesuch geschaffen werden.

Eine Analyse von Creditreform und dem Handelsblatt Research Institute kommt zu dem Schluss, dass Innenstädte sich neu erfinden müssen, wenn sie als lebendige Zentren bestehen wollen. Als Beispiel wird Kempen genannt. Dort setzt die Stadt auf inhabergeführte Geschäfte, persönlichen Service und eine historische Kulisse.

Für die Mainzer Römerpassage heißt das erst einmal: warten. Auf einen passenden Mietermix, auf Gespräche, auf eine Idee, die mehr kann als nur eine leere Fläche zu füllen. Vielleicht wird es ein Laden, vielleicht ein Ort für Wein, vielleicht etwas, worauf bislang niemand gekommen ist.