Auf dem Röderberg in Saarlouis wird wieder eingeräumt, dekoriert und vermutlich auch noch an der letzten Ecke geschraubt: Die Rofu-Kinderland-Filiale öffnet nach Umbau und vorübergehender Schließung erneut. Zuvor lief dort mehrere Wochen ein Abverkauf. Die Wiedereröffnung ist für Freitag, 30. Oktober, und Samstag, 31. Oktober 2026, angekündigt.

Mit dem Neustart bekommt der Standort eine neue Ausrichtung. Die Filiale wurde umgebaut und mit neuen Waren ausgestattet. Im Mittelpunkt stehen künftig Spielwaren, Bücher, Schreibwaren und Schulbedarf – also Dinge, bei denen Kinderaugen leuchten und Eltern spätestens beim Schulranzen kurz nachrechnen.

Rallye, Popcorn und Rofulino

Für Kinder und Eltern hat Rofu zur Wiedereröffnung ein Programm vorbereitet. Geplant sind eine Gutscheinaktion, die „Entdecker-Rallye“ als Schnitzeljagd, kostenloses Popcorn, ein Fotopoint mit dem Maskottchen Rofulino und ein Glücksrad. Da dürfte es am Wochenende ordentlich wuseln.

Die Saarlouiser Filiale gehört zu einem Unternehmen mit 77 Standorten in sechs Bundesländern. Rund 1.150 Mitarbeiter beschäftigt Rofu. Spielwaren verschiedener Marken verkauft das Unternehmen seit mehr als 40 Jahren. Mehrheitsgesellschafter ist die Kids & School Holding GmbH. Die geschäftsführenden Mitgesellschafter Achim Weniger und Bernd Stocker treiben seit der Übernahme im Sommer 2026 die Neuausrichtung voran.

Neustart nach der Sanierung

Der Wiedereröffnung geht ein turbulentes Jahr voraus. ROFU Kinderland hat das Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung abgeschlossen. Alle Gläubigergruppen stimmten dem Insolvenzplan einstimmig zu, sämtliche Bedingungen wurden erfüllt. Das Amtsgericht Idar-Oberstein hob das Insolvenzverfahren auf; der Neustart erfolgte ab 1. August 2026.

Bei einer Sanierung in Eigenverwaltung bleibt die Geschäftsführung im Amt und führt das Unternehmen weiter, während ein gerichtlich bestellter Sachwalter das Verfahren überwacht. Ziel war die wirtschaftliche Stabilisierung und die langfristige Fortführung von ROFU. Die Investorenlösung wurde über einen Insolvenzplan umgesetzt. Das Unternehmen hatte ihn gemeinsam mit den Restrukturierungsexperten von PLUTA erarbeitet; vorgesehen war ein Vergleich mit den Gläubigern.

Die Kids & School Holding GmbH übernahm den Geschäftsbetrieb und wesentliche Vermögenswerte. In den fortgeführten Filialen läuft der Betrieb uneingeschränkt weiter. Künftig sollen 77 Filialen fortgeführt und rund 1.150 Arbeitsplätze erhalten werden. Geschäftsführende Mitgesellschafter der neuen Holding sind Achim Weniger und Bernd Stocker.

Umbau in zehn Städten

Der Sonderabverkauf in zehn Filialen endet am 24. Oktober 2026. Vom 25. bis 28. Oktober bleiben diese Standorte wegen Umbauarbeiten geschlossen, bevor am 30. und 31. Oktober 2026 das Re-Opening stattfindet. Neben Saarlouis betrifft das Cham, Euskirchen, Freiberg, Goldbach, Heppenheim, Heilbronn, Leonberg, Neunkirchen und Rodgau.

Während des Sonderabverkaufs gilt der am Regal ausgezeichnete Preis. Prospekt-, Katalog-, Flyer- und Aktionspreise gelten nicht. Gutscheine können weder gekauft noch eingelöst werden, Geburtstagskisten werden nicht angeboten. Bezahlt werden kann ausschließlich bargeldlos. Neue Bestellungen sowie Reparatur- und Werkstattaufträge nimmt Rofu in dieser Phase ebenfalls nicht an.

Gutscheine bleiben grundsätzlich gültig und können in fortgeführten Filialen eingelöst werden. In Filialen mit Räumungs- oder Sonderabverkauf ist das allerdings nicht möglich. Rückgaben, Umtausch und Reklamationen erfolgen grundsätzlich nach den bisherigen Bedingungen, teilweise mit Ausnahmen.

Modernisiert und wieder geöffnet sind außerdem die Filialen in Straubing, Homburg, Bad Mergentheim, Ginsheim-Gustavsburg und Bochum. Geschlossen wurden Standorte in Albstadt, Ansbach, Bad Saulgau, Birkenfeld, Brühl, Donauwörth, Egelsbach, Eschweiler, Günzburg, Halle, Ingelheim, Kaiserslautern, Koblenz, Kulmbach, Königsbrunn, Lauchringen, Neuburg, Neutraubling, Nieder-Olm, Nördlingen, Schlüchtern, Schmallenberg, Schwandorf, Senden, Weingarten, Weinstadt-Endersbach und Weißenburg.

Die wichtigsten Stationen

Am 19. Januar 2026 stellte ROFU den Antrag auf ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung. Die erste Presseinformation folgte am 21. Januar, am 1. April 2026 eröffnete das Amtsgericht Idar-Oberstein das Eigenverwaltungsverfahren. Im April schied Geschäftsführer Michael Edl aus.

Am 23. April 2026 schloss ROFU die Investorenvereinbarung mit der Kids & School Holding GmbH; der Kaufvertrag wurde unterzeichnet. Bis Juli liefen Räumungsverkäufe in 27 zu schließenden Filialen sowie ein Sonderabverkauf an zunächst fünf fortbestehenden Standorten. Ende Juli folgte der Erörterungs- und Abstimmungstermin der Gläubigerversammlung. Nach der Aufhebung des Insolvenzverfahrens im August 2026 wurde das Unternehmen eigenständig fortgeführt.

Beim Erörterungs- und Abstimmungstermin Ende Juni 2026 hatten alle Gläubigergruppen dem Insolvenzplan einstimmig zugestimmt. Laut Pressemitteilung bleiben durch die Sanierung rund 1.150 Arbeitsplätze erhalten. Stand der Unternehmensangaben ist der 19. Oktober 2026.

Cyberangriff auf den Online-Shop

Neben der Sanierung musste ROFU Anfang Februar 2026 einen Cyberangriff auf den Online-Shop melden. Möglicherweise betroffen waren E-Mail-Adressen, verschlüsselte Passwörter, Namen und Anschriften. Zahlungsdaten wie Kreditkarten- oder Bankverbindungen waren nach aktuellem Stand nicht betroffen.

Betroffene Kundinnen und Kunden wurden informiert und zum Zurücksetzen ihrer Passwörter aufgefordert. ROFU empfiehlt außerdem, ein verwendetes Passwort auch bei anderen Diensten zu ändern und bei verdächtigen E-Mails vorsichtig zu sein. Datenschutzbehörde und Strafverfolgungsbehörden wurden eingeschaltet. Nach Angaben des Unternehmens steht der Vorfall nicht im Zusammenhang mit dem Sanierungsverfahren. Für Datenschutzfragen wurde die Adresse datenschutz-vorfall@rofu.de eingerichtet.