Die Parfümeriekette Douglas schließt am Samstag, dem 31. Oktober, aus Sicherheitsgründen zwölf Filialen in Deutschland. Anlass sind angekündigte Jugendproteste, zu denen das Bündnis „Gen Z regelt“ aufruft. Welche Standorte betroffen sind, teilte das Unternehmen nicht mit.

Nach Angaben einer Unternehmenssprecherin haben die Sicherheit der Mitarbeitenden sowie der Kundinnen und Kunden höchste Priorität. Auf Grundlage einer Risikobewertung wurden an ausgewählten, als besonders exponiert eingestuften Standorten vorsorgliche zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen getroffen. Einzelheiten dazu nennt Douglas aus Sicherheitsgründen nicht.

Zwölf Filialen bleiben geschlossen

Douglas hofft auf einen friedlichen Verlauf der angekündigten Demonstrationen. Ende Juni betrieb die Kette in Deutschland 347 Filialen. Welche davon am Samstag geschlossen bleiben, bleibt vorerst offen.

Die Proteste der Initiative „Gen Z regelt“ sollen in 23 deutschen Städten stattfinden. In Berlin, Hamburg, München, Frankfurt am Main und Köln organisiert das Bündnis die Demonstrationen hauptverantwortlich, in 18 weiteren Städten unterstützt es lokale Gruppen. Im Internet haben fast 140.000 Menschen ihre Teilnahme zugesagt. Die meisten Zusagen gibt es bislang in Köln mit rund 12.000, in Frankfurt mit knapp 11.000, in Hamburg und Berlin mit jeweils mehr als 8.000 sowie in München mit knapp 7.000.

Bildung, Lebenshaltungskosten und politische Mitsprache

„Gen Z regelt“ beschreibt sich als unabhängiger, überparteilicher und loser Zusammenschluss junger Menschen. Die Initiative erklärt, sie vertrete die politische Mitte und heiße Menschen unabhängig von ihrer politischen Richtung willkommen. Ausgeschlossen werden extremistische Gruppen, verfassungsfeindliche Symbole, Rassismus, Hetze und Gewalt. Nur friedliche Proteste könnten gemeinsame Veränderungen ermöglichen, betont das Bündnis.

Gefordert werden unter anderem bessere Bildung, ein bezahlbares Leben und mehr politische Aufmerksamkeit für junge Menschen. Die Organisatoren wollen, dass die Interessen von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen stärker in den Mittelpunkt der Politik rücken. Sie kritisieren, dass über ihre Zukunft entschieden werde, ohne sie ausreichend einzubeziehen. Nach Darstellung der Initiative gibt es Krisen und wenige Perspektiven; Einsparungen bei Bildung, Sozialem, Kultur und Gesundheit sowie steigende Lebenshaltungskosten belasteten viele Menschen.

Die Verteilung der Lasten sei ungerecht: Kürzungen träfen junge Menschen besonders, während Großunternehmen weiterhin profitierten und zugleich Milliarden in die Aufrüstung flössen. Weitere Kritik richtet sich gegen mehr Überwachung, die geplante neue Wehrpflicht, die Musterung junger Männer und die Erwartung, für Kriege ausgebildet zu werden, über die junge Menschen nicht mitentschieden hätten. Auch der Fachkräftemangel in Schulen, Pflege und Gesundheitsversorgung beschäftigt die Organisatoren.

Grünen-Chef Banaszak warnt vor einer voreiligen Kriminalisierung der Demonstrationen und fordert, die Gründe für die Proteste ernst zu nehmen. Gleichzeitig warnen Sicherheitsbehörden vor einer möglichen Unterwanderung durch extremistische Gruppen und kündigen konsequentes Vorgehen bei Verstößen an.

Erfahrungen aus Frankreich und anderen Ländern

Die Protestwelle begann in Frankreich und erreicht nun Deutschland. In mehreren europäischen Ländern gehen vor allem junge Menschen gegen Missstände auf die Straße. Französische Proteste, die zunächst bessere Lernbedingungen an Schulen zum Thema hatten, schlugen teilweise in Gewalt um. Bei Ausschreitungen und Plünderungen wurden Geschäfte und öffentliche Gebäude beschädigt, zahlreiche Einsatzkräfte verletzt.

Die französische Regierung macht unter anderem gewaltbereite Personen aus dem linksextremistischen Milieu und aus migrantisch geprägten Vorstädten verantwortlich. Auch in Italien, Spanien und Albanien eskalierten Proteste gegen hohe Lebenshaltungskosten und Probleme im Bildungssystem teilweise gewaltsam. In Barcelona kam es zu Ausschreitungen, Plünderungen und Bränden; die Polizei nahm rund 100 Menschen fest, etwa ein Viertel davon war minderjährig. In Italien führten Proteste von Lastwagenfahrern und Bauern zu leeren Supermarktregalen.

Behörden bereiten sich auf den Samstag vor

Das Bundesinnenministerium fordert eine klare Unterscheidung zwischen friedlichen Schülerprotesten und einer möglicherweise gewaltbereiten extremistischen Szene. Polizei und Innenpolitiker befürchten, dass Extremisten die deutschen Proteste ähnlich wie in Frankreich nutzen könnten. Marc Henrichmann (CDU), Vorsitzender des Geheimdienst-Kontrollgremiums des Bundestags, bezeichnete die linksextremistische Szene als international vernetzt und koordiniert.

CDU-Innenpolitiker Alexander Throm warnte, Linksextremisten und Kriminelle aus dem migrantischen Milieu könnten die Demonstrationen „kapern“. SPD-Innenpolitiker Sebastian Fiedler fordert besondere Aufmerksamkeit für Personen, die die Lage in sozialen Netzwerken anheizen.

Bund und Länder stimmen sich eng ab, unter anderem im Gemeinsamen Extremismus- und Terrorismusabwehrzentrum (GETZ). Die Sicherheitsbehörden erstellen gemeinsam mit Partnerländern laufend Gefährdungsbewertungen. Das Bundesamt für Verfassungsschutz beobachtet verstärkt einschlägige Webseiten und Social-Media-Kanäle. Im Fokus stehen mögliche Aufrufe zu gewaltsamer Teilnahme oder zur Nutzung der Demonstrationen für die Verbreitung von Gewalt.

Bei den Großdemonstrationen sollen Tausende Polizisten eingesetzt werden. Die Bundespolizei kann die Länder bei Bedarf im Rahmen der Amtshilfe unterstützen. Personen, die zur gewaltsamen Teilnahme einreisen wollen, sollen bereits an der Grenze zurückgewiesen werden.

Zusätzliche Arbeit könnte der Kalender bescheren: Die Demonstrationen fallen mit Halloween zusammen. Die Deutsche Polizeigewerkschaft weist darauf hin, dass dadurch unter anderem bei der Durchsetzung des Vermummungsverbots weitere Herausforderungen entstehen könnten. Und während vielerorts Kostüme vorbereitet werden, bleiben bei Douglas am Samstag zwölf Türen vorsorglich zu.