Schon vor 7 Uhr war an der neuen Lidl-Filiale an der Friedrich-Ebert-Straße in Bottrop einiges los. Viele Kundinnen und Kunden warteten vor dem Eingang, der Parkplatz war voll. Am späteren Vormittag hatte sich die Lage dann entspannt. Drinnen roch es nach frischen Backwaren, draußen war der erste Andrang vorbei.

Die Filiale ersetzt den bisherigen Lidl-Markt an der Peterstraße, der geschlossen wird. Geplant war der neue Standort zunächst für das Weihnachtsgeschäft 2026; laut Update vom 25. Oktober ist die Eröffnung für den heutigen 29. Oktober 2026 vorgesehen. Die ersten 100 Kundinnen und Kunden sollen einen Einkaufsgutschein über 20 Euro erhalten, außerdem gibt es am Eröffnungstag kostenlose Heißgetränke.

Mehr Platz, weniger Enge

Viele Kundinnen und Kunden lobten das moderne Ambiente, die breiteren Gänge und die niedrigeren Regale. Auch die Orientierung falle leichter. Katharina Mrochem nutzte die Eröffnungsangebote und empfand den neuen Markt als weniger beengt. Lage und Ausstattung seien besser als in der früheren Filiale an der Peterstraße.

Rund 1100 Quadratmeter Verkaufsfläche bietet der neue Lidl. Der alte Markt kam auf etwa 700 Quadratmeter und war vor 27 Jahren nach den damaligen Standards errichtet worden. Ein kompletter Neubau ist an der Friedrich-Ebert-Straße allerdings nicht entstanden: Lidl baute den früheren Expert-Elektronikmarkt umfassend um, modernisierte das bestehende Gebäude und passte es an das aktuelle Lidl-Konzept an. Die Nahversorgung in der Innenstadt soll damit gesichert werden.

Ganz geradlinig ist der Rundgang trotzdem nicht. Wegen der vorhandenen Gebäudestruktur gibt es einige nicht durchgehende Gänge und mehrere „Ecken“. Häufiger die Richtung zu wechseln, störte die Kundschaft laut Artikel nicht. „Da kann man sich drin verlaufen“ – ein bisschen ist tatsächlich dran.

Scan and go und sechs Selbstbedienungskassen

Auf besonders viel Zustimmung stieß die Funktion „Scan and go“. Artikel werden bereits am Regal per Smartphone-App eingescannt. An der Kasse wird anschließend nur noch ein QR-Code vom Smartphone gelesen. Die Waren müssen dadurch nicht einzeln aus dem Einkaufswagen genommen werden – praktisch, wenn der Wagen schon ordentlich voll ist.

Zusätzlich stehen sechs Selbstbedienungskassen bereit. Filialleiter Alding Zutic hob den großzügigeren und offener gestalteten Kassenbereich hervor. Die Waren waren in den Tagen vor der Eröffnung eingeräumt worden; am Morgen selbst mussten nur noch Frischeartikel ergänzt werden.

Die Lagerfläche ist laut Zutic nur wenig größer als am alten Standort. Weil höher gestapelt wird, gibt es trotzdem mehr Lagerkapazitäten. Neu hinzugekommen sind außerdem Pausenräume sowie getrennte Umkleidebereiche für Frauen und Männer. Rund 40 Menschen arbeiten in der Filiale.

Göddertz kassiert für den guten Zweck

Auch Bürgermeister Thomas Göddertz half zeitweise als Aushilfskassierer mit. Seine Schicht hatte einen guten Zweck: Lidl spendete 1000 Euro an den Verein „Tierische Seminare“ für dessen Hof in Kirchhellen.

Bei loser Ware brauchte der Bürgermeister bei den Artikelnummern Unterstützung. Die stellvertretende Filialleiterin Katharina Sondermann bescheinigte ihm dennoch, er habe sich besser angestellt als manche Auszubildende. Göddertz würdigte die tägliche Arbeit der Kassiererinnen und Kassierer – eine Tätigkeit, bei der man offenbar nicht nur freundlich lächeln, sondern auch ziemlich flott im Kopf sein muss.

Ganz ohne Aufregung blieb der Eröffnungsmorgen nicht. Bereits um 5:17 Uhr löste die Brandmeldeanlage aus. Die Feuerwehr rückte an, stellte aber schnell einen Fehlalarm fest. Dampf aus einem Backautomaten hatte den Einsatz ausgelöst.

Was bei Lidl an den Kassen noch kommt

Die neue Bottroper Filiale passt mit ihren Selbstbedienungskassen und der App-Funktion in eine größere Entwicklung bei Lidl. Der Discounter plant ab 2026 einen umfassenden Umbau seiner Kassensysteme. In vielen Filialen sollen neue Selbstbedienungskassen mit künstlicher Intelligenz eingeführt werden. Ziel ist ein schnellerer und einfacher Bezahlvorgang.

Das Wiegen und manuelle Auswählen von Obst und Gemüse soll dabei entfallen. Kameras sollen automatisch erkennen, welche Ware auf der Waage liegt – auch wenn sie sich in Tüten oder Netzen befindet. Kundinnen und Kunden müssten dann lediglich zwischen Bio- und Standardware auswählen.

Ab Frühjahr 2026 will Lidl die neuen Kassen in etwa der Hälfte seiner mehr als 3.250 deutschen Filialen einsetzen. Die Reaktionen der Kundschaft fallen unterschiedlich aus: Einige begrüßen den technischen Fortschritt und rechnen mit einer schnellen Eingewöhnung. Andere befürchten den Abbau von Arbeitsplätzen oder kritisieren die zunehmende Automatisierung.

Lidl betont, dass klassische Kassen mit Mitarbeitenden weiterhin wichtig bleiben. Kundinnen und Kunden sollen selbst entscheiden können, welches Kassensystem sie nutzen. Zusätzlich testet das Unternehmen Handscanner, Einkaufswagen mit Scan-Funktion und app-basierte Systeme. Die KI-Kassen sind Teil einer umfassenderen Digitalstrategie von Lidl.