Santander schließt Filiale in Cloppenburg und verlagert Privatkundengeschäft zu Openbank
In der Mühlenstraße in Cloppenburg ist die Santander-Filiale seit Mitte Juli 2026 Geschichte. Die Leuchtreklame ist verschwunden, die Geschäftsräume im Erdgeschoss sind nicht mehr öffentlich zugänglich. Wer dort früher sein Konto, einen Kredit oder eine Finanzierung besprechen wollte, steht inzwischen vor verschlossenen Türen.
Santander begründet den Schritt mit der Weiterentwicklung des Filialnetzes und der zunehmenden Digitalisierung. Kunden sollen künftig online durch „Openbank by Santander“ betreut werden. Persönliche Beratung bleibt an den Santander-Standorten in Oldenburg und Bremen möglich. Die frühere Telefonnummer der Cloppenburger Filiale ist weiterhin erreichbar und führt zu einem Servicecenter. Dort wurde als Grund für die Schließung die wirtschaftliche Situation genannt.
Standort erst spät aus dem Filialfinder verschwunden
Kurios am Rande: Trotz der Schließung wurde die Filiale bis zum 16. Oktober noch im Online-Filialfinder angezeigt. Erst danach entfernte die Bank den Standort. Zur Zahl der betroffenen Kunden im Oldenburger Münsterland macht Santander keine Angaben.
Auch zum weiteren Schicksal der Beschäftigten äußert sich die Bank nicht. Die vor etwa zehn Jahren eröffnete Filiale soll vier Mitarbeiter gehabt haben. Für die rund 260 Quadratmeter großen Räume ist laut OM-Medien allerdings bereits ein neuer Mieter gefunden; ein Vertrag soll unterzeichnet sein.
Der Rückzug aus Cloppenburg passt zu einer größeren Neuordnung. Santander hatte im Oktober 2025 angekündigt, eigene Filialen zu schließen und das Privatkundengeschäft in der Digitaltochter „Openbank by Santander“ zu bündeln. Openbank ist in Spanien, Deutschland, Portugal und den Niederlanden aktiv.
Aus Santander wird in Deutschland Openbank
Seit dem 28. September 2026 werden die Produkte der Santander Consumer Bank in Deutschland unter der Marke Openbank geführt. Das Institut firmiert bereits seit Mai 2026 als Openbank Deutschland AG. Für Bestandskunden ändert sich bei den wichtigsten Kontodaten nichts: IBAN, BIC, Kartennummern und Zugangsdaten bleiben unverändert. Auch bestehende Verträge, Konditionen, Daueraufträge und Lastschriftmandate laufen ohne Unterbrechung weiter.
Neun zentrale Produktgruppen wurden umbenannt: Aus dem Santander BestGiro wurde das Openbank BestGiro, aus Santander Tagesgeld das Openbank Tagesgeld und aus Santander Festgeld das Openbank Festgeld. Der Ratenkredit heißt nun Openbank BestCredit, der Autokredit Openbank CarCredit. Die vier Karten tragen die Namen Openbank BestCard Basic, Smart, Extra und Premium. Versicherungen wie Santander Protect sowie das Fondsangebot behalten vorerst den Namen Santander.
Die App heißt übergangsweise weiterhin MySantander Banking, während Website und Online-Banking bereits unter Openbank auftreten. Das Openbank BestGiro bleibt ohne Kontoführungsgebühr und ohne Mindestgeldeingang. Zum Konto gehört eine kostenlose Visa-Debitkarte. Für Konten, die nach dem 2. Juni 2026 eröffnet wurden, kann zusätzlich kostenlos eine Girocard beantragt werden. Mit der Visa-Debitkarte sind monatlich sechs weltweit kostenlose Bargeldabhebungen möglich; im Einzelhandel können bis zu 200 Euro ausgezahlt werden.
Bei nach dem 2. Juni 2026 eröffneten oder neu eröffneten Konten fällt bei Fremdwährungszahlungen mit der Visa-Debitkarte kein Auslandseinsatzentgelt an. Außerdem gibt es in den ersten zwölf Monaten 0,20 Prozent Guthabenzins pro Jahr. Die Kontoeröffnung funktioniert digital oder in einer Filiale, ein kostenloser Kontowechselservice steht ebenfalls bereit.
Beim Openbank Tagesgeld erhalten Neukunden ab dem 28. September 2026 vier Monate lang 4,00 Prozent Zinsen pro Jahr auf Guthaben bis 100.000 Euro. Voraussetzung: In den vergangenen zwölf Monaten darf kein Tagesgeldkonto bei der Bank bestanden haben. Für Beträge über 100.000 Euro und nach Ablauf der Aktionsphase gilt derzeit ein variabler Zinssatz von 2,00 Prozent.
Das Tagesgeldkonto hat weder eine Mindest- noch eine Höchsteinlage. Die Zinsen werden monatlich gutgeschrieben, das Geld bleibt jederzeit verfügbar. Auszahlungen sind nur auf ein Referenzkonto des Kontoinhabers möglich. Einzelkonten lassen sich online oder per App eröffnen, Gemeinschafts- und Minderjährigenkonten nur in einer Filiale.
Konditionen bleiben bei Krediten und Karten gleich
Bei Festgeld und Kreditkarten ändert sich lediglich der Name, nicht die Kondition. Die Festgeldzinsen liegen je nach Laufzeit weiterhin zwischen 2,00 Prozent für sechs Monate und 2,50 Prozent für vier Jahre. Die Mindesteinlage beträgt 2.500 Euro.
Beim Openbank BestCredit bleiben Kreditsummen von 1.000 bis 75.000 Euro und Laufzeiten von zwölf bis 96 Monaten möglich. Der reguläre effektive Jahreszins liegt weiterhin zwischen 2,99 und 11,98 Prozent. Befristet gibt es außerdem einen Sofortkredit bis 5.000 Euro mit 60 Monaten Laufzeit zu 5,99 Prozent.
Auch bei den vier BestCards bleibt es bei den bisherigen Bedingungen: Die Basic kostet keine Jahresgebühr, verlangt aber 1,85 Prozent Auslandseinsatzentgelt. Die Smart kostet 24 Euro im Jahr und ist ab einem Jahresumsatz von 2.000 Euro kostenlos. Für die Extra werden 58,80 Euro fällig, für die Premium 118,80 Euro; mit dem Openbank BestGiro als Referenzkonto sind es 70,80 Euro. Bei Smart, Extra und Premium entfällt das Auslandseinsatzentgelt.
Bestandskunden müssen ihre Karte nicht austauschen. Karten mit Santander-Aufdruck bleiben bis zum regulären Ablaufdatum gültig und funktionieren unverändert. Karten mit Openbank-Aufdruck werden normalerweise beim nächsten turnusmäßigen Austausch ausgegeben. Wer früher wechseln möchte, kann das über die App oder telefonisch beantragen.
Arbeitgeber, Vermieter, Versicherungen, Online-Shops und Zahlungsdienstleister müssen wegen der unveränderten Kontodaten nicht informiert werden. Auch die Einlagensicherung bleibt bestehen: Gesetzlich geschützt sind bis zu 100.000 Euro pro Kunde, der freiwillige Einlagensicherungsfonds erweitert den Schutz bis auf drei Millionen Euro pro Kunde.
Die Bank warnt zugleich vor Phishing im Zusammenhang mit der Umstellung. Santander beziehungsweise Openbank fordert Kunden grundsätzlich weder per E-Mail noch per SMS dazu auf, wegen der Umbenennung Kontodaten zu bestätigen oder Links anzuklicken. Bei Unsicherheit soll die bekannte App oder die offizielle Website direkt aufgerufen werden. Lieber einmal mehr tippen als einmal zu schnell klicken.
52 Standorte bundesweit im Blick
Santander Deutschland hat nach eigenen Angaben rund 3,1 Millionen Kunden und zählt zu den größten privaten Banken Deutschlands. Eine genaue Zahl der in Deutschland bereits geschlossenen oder noch zu schließenden Filialen veröffentlicht die Bank nicht. Auch Gewerkschaftsvertreter kennen nach eigenen Angaben keine präzisen Zahlen.
Die „Bild“-Zeitung berichtete, dass in Deutschland 52 Standorte geschlossen werden sollen – etwa ein Viertel des Filialnetzes. Dem Bericht zufolge könnten mehr als 100 Beschäftigte ihre Arbeitsplätze verlieren. Andere Medien nennen 150 beziehungsweise 170 Stellen. Wie viele davon tatsächlich betroffen sind, bleibt offen.
Hinter der Umstellung steckt eine europaweite Strategie der spanischen Muttergesellschaft Banco Santander. Im Oktober 2025 kündigte der Konzern an, Openbank und das europäische Kreditgeschäft von Santander Consumer Finance in einer rechtlichen Einheit unter der Marke Openbank zusammenzuführen. Deutschland ist der erste Markt, in dem diese Zusammenführung umgesetzt wird; weitere europäische Länder sollen folgen.
Die Openbank Deutschland AG bleibt eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Banco Santander. Zuständig bleiben die BaFin und die Europäische Zentralbank. Filialservice, digitales Banking sowie Konsumenten- und Fahrzeugfinanzierungen werden weiterhin angeboten.
Banco Santander erzielte 2025 nach eigenen Angaben rund 62 Milliarden Euro Umsatz und etwa 14 Milliarden Euro Gewinn. Weltweit beschäftigt die Bank rund 198.000 Mitarbeiter und betreut etwa 180 Millionen Kunden.
Weniger als 20.000 Filialen in Deutschland
Der Abschied aus Cloppenburg fällt in eine Zeit, in der sich das deutsche Bankennetz insgesamt sichtbar ausdünnt. In Deutschland gibt es erstmals weniger als 20.000 mit Mitarbeitern besetzte Bankfilialen. Zum Jahreswechsel bestanden bundesweit noch 19.501 Standorte von Banken und Sparkassen – 945 weniger als ein Jahr zuvor. Reine Geldautomatenstandorte werden in dieser Statistik nicht berücksichtigt.
Die Bundesbank führt den Rückgang vor allem auf die zunehmende Nutzung von Onlinebanking und den anhaltenden Kostendruck zurück. Laut einer aktuellen Bitkom-Studie erledigen mehr als 80 Prozent der Deutschen ihre Bankgeschäfte online. Bei den über 65-Jährigen nutzt inzwischen ebenfalls die Mehrheit die Online-Dienste ihrer Bank: 54 Prozent, nach 45 Prozent im Vorjahr. Bei den 50- bis 64-Jährigen sind es 92 Prozent, bei den 30- bis 49-Jährigen ebenfalls 92 Prozent und bei den 16- bis 29-Jährigen 94 Prozent.
Ganz verschwinden soll der persönliche Kontakt trotzdem nicht. Banken setzen auf Videoberatung, Beratungscenter mit längeren Öffnungszeiten – teilweise auch samstags –, Sparkassen-Busse und gemeinsam genutzte Filialen mehrerer Institute. Das Tempo der Filialschließungen verlangsamte sich im vergangenen Jahr. Während der Corona-Jahre hatte sich der Trend zum Onlinebanking deutlich verstärkt: 2021 sank die Zahl der Filialen um rund 10 Prozent, 2022 um rund 6 Prozent.
Ende des vergangenen Jahres betrieben Sparkassen und Landesbanken mit 7.104 Standorten weiterhin die meisten Filialen. Die Genossenschaftsbanken, darunter Volks- und Raiffeisenbanken, verfügten über 6.588 Filialen und reduzierten ihr Netz besonders deutlich. Nach Einschätzung der Bundesbank wird sich der Rückgang auf Grundlage der bisher bekannten Bankpläne fortsetzen.
Ende 2023 gab es in Deutschland 1.403 Geldhäuser, 55 weniger als ein Jahr zuvor. Zum Rückgang trugen 52 Fusionen bei, vor allem unter den Genossenschaftsbanken. In Cloppenburg ist derweil schon Platz für den nächsten Mieter – während frühere Kunden den Weg nach Oldenburg oder Bremen antreten oder ihre Bankgeschäfte künftig am Bildschirm erledigen.
