Heftige Regenfälle durch das Sturmtief „Adam“ haben am Dienstag, dem 20. Oktober, am Flughafen Palma de Mallorca sichtbare Schäden hinterlassen: Eine Decke stürzte ein. Der Vorfall ereignete sich im Bereich der Mitarbeiterkantinen nahe den Personaltoiletten. Für die Beschäftigten ist das keine völlig überraschende Entwicklung. Seit Wochen berichten sie von undichten Decken.

Eine Angestellte schilderte, seit einem Monat tropfe Wasser von der Decke. Der Flughafenbetreiber Aena unternehme ihrer Darstellung zufolge nichts. Durch die erneuten Regenfälle habe sich die Decke sichtbar gewölbt. Die Mitarbeiterin befürchtet weitere Einstürze und sagte, sie habe Angst, unter diesen Bedingungen zur Arbeit zu gehen.

Beschädigte Decke bleibt abgesperrt

Nach Angaben der Beschäftigten wurden die Schäden gemeldet. Aena habe mitgeteilt, die Reparaturen seien als dringend eingestuft worden. Die Klimaanlage sei zudem den gesamten Sommer über ausgefallen – gerade bei der Wärme kein kleines Ärgernis.

Nach Angaben von Aena lösten sich in einem Flur bei Büros und Lagerräumen Teile einer abgehängten Gipskartondecke. Zusätzlich drang Wasser durch eine undichte Fuge ein. Das mit den Bauarbeiten beauftragte Unternehmen Acciona entfernte die beschädigten Deckenelemente und repariert die Fuge. Der betroffene Bereich wurde aus Sicherheitsgründen abgesperrt und bleibt bis zum Abschluss der Arbeiten geschlossen.

Beschäftigte äußerten laut der Zeitung „Ultima Hora“ Besorgnis. Nach ihren Angaben war dies nicht der erste ähnliche Vorfall im Zusammenhang mit den Bauarbeiten und starken Regenfällen. Besonders kritisch sehen sie die Situation an der Tax-Free-Stelle. Dort können Reisende aus Nicht-EU-Staaten die Mehrwertsteuer auf ihre Einkäufe zurückfordern. Die Mitarbeiter befürchten, herabfallende Deckenteile könnten Passagiere gefährden.

Wasserschäden begleiten den Flughafen schon länger

Die aktuellen Probleme erinnern an mehrere Vorfälle der vergangenen Jahre. Bereits im Mai und Juli 2025 kam es nach starken Regenfällen zu Wassereinbrüchen in den Check-in- und Passagierbereichen. Im Juli 2025 stürzte außerdem ein Oberlicht in der Gepäckausgabe ein. Die Balearen-Regierung äußerte damals Besorgnis über den Zustand des Flughafens und sprach gegenüber Aena von schwerwiegenden Mängeln.

Im November 2025 wurde der Gepäckabfertigungsbereich überschwemmt. Schon im Sommer 2024 waren nach heftigen Regenfällen Teile des Terminals, Parkflächen sowie die Start- und Landebahn überflutet worden. Tropfen, Pfützen, Absperrbänder – für Reisende mag das nach einem kurzen Ärgernis aussehen, für jene, die dort täglich arbeiten, ist es ein Dauerzustand mit ordentlich Bauchweh.

Der Flughafen wird seit mehreren Jahren umfassend renoviert und umgebaut. An vielen Stellen bestehen weiterhin Baustellen und Absperrungen. Die Arbeiten umfassen unter anderem den Komplettumbau des zentralen Terminals sowie die Erweiterung der Module A und D um mehrere Fluggastbrücken.

Starkregen wird für Flughäfen zum Planungsproblem

Flughäfen sind zunehmend klimatischen Risiken ausgesetzt: steigenden Durchschnittstemperaturen, häufigeren Hitzewellen, Starkregen und weiteren Extremwetterereignissen. Infrastruktur, Personal und Betriebsabläufe müssen deshalb an die zunehmende Klimavariabilität angepasst und resilient ausgelegt werden.

Die Beispiele reichen weit über Mallorca hinaus. Extreme Hitze beschädigte Start- und Landebahnen sowie Flugbetriebsflächen in Luton und Hannover. Sydney erlebte im Juli 2025 Unwetter und Starkregen, Vancouver plötzliche starke Schneefälle. Vorfeldflächen wurden in Palma de Mallorca und Dubai überflutet; Überschwemmungen gab es außerdem am Norwood Memorial Airport im Jahr 2010 und am Don Mueang International Airport im Jahr 2011.

Regenwassermanagement soll die betriebliche Sicherheit, die Widerstandsfähigkeit und die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben unterstützen. Einfach ist das nicht: Zunehmende Flächenversiegelung, alternde Infrastruktur und strengere Umweltauflagen machen die Planung von Regenwassersystemen komplizierter.

Airsight führt gemeinsam mit dem Ingenieurbüro Sieker Klimarisikobewertungen und detaillierte Überflutungsmodellierungen für Flughäfen durch. Für Flughäfen in Europa und Südostasien wurden bereits Überflutungsrisiken bewertet und Empfehlungen zur Infrastrukturmodernisierung entwickelt. Sieker war unter anderem an hydraulischen Modellierungen und Überflutungsrisikobewertungen für den Flughafen Berlin-Tegel und einen Flughafenstandort in Südostasien beteiligt. Weitere Projekte wurden für Kunden in Europa, Asien und Saudi-Arabien durchgeführt.

Was bei der Vorsorge geprüft wird

Zu den empfohlenen Maßnahmen zählen die Modernisierung der Regenwasserinfrastruktur, Business-Continuity- und Notfallstrategien sowie Schritte, um mögliche Schäden an Infrastruktur und Flugbetrieb zu verringern und den Normalbetrieb rasch wiederaufzunehmen. Neue Anlagen – etwa Terminals, Flugbetriebsflächen oder Photovoltaikanlagen – können eine erneute Bewertung von Überflutungs- und Erosionsrisiken erforderlich machen.

  • Strategische Entwässerungsplanung: Standortbezogene Entwässerungskonzepte werden stufenweise passend zu Ausbau- oder Sanierungszeitplänen entwickelt. Dabei wird geprüft, ob bestehende Infrastruktur weitergenutzt und integriert werden kann.
  • Hydrologische und hydraulische Modellierung: 1D-/2D-Simulationen bilden Regenwasserabfluss, Wasseransammlungen und Oberflächenströmungen ab. Auch Kanalnetz und Oberfläche können gekoppelt modelliert werden; künftige Regen- und Hochwasserszenarien fließen ein.
  • Blau-grüne Infrastruktur: Baumrigolen, Rückhalteräume, Feuchtgebiete, Gründächer und Versickerungsanlagen können den Abfluss verzögern und die Verdunstung fördern. Multifunktionale Freiflächen verbinden Rückhaltung, Erholung und Umweltfunktionen.
  • Klimaanpassung und Risikomanagement: Bewertet werden der aktuelle Zustand, Starkregen- und Überflutungsgefahren sowie Szenarien für künftige Klimabedingungen. Zum Einsatz kommen auch Schwammstadt-Prinzipien und Wasserhaushaltssimulationen.
  • Erosions- und Bodenschutz: MUSLE-basierte Modellierungen zeigen erosionsgefährdete Gebiete. Rasenflächen und Vegetationspuffer können Schäden mindern; Bodenstabilität und kritische Erosionsbereiche unter Extremwetterszenarien werden bei Infrastrukturentscheidungen berücksichtigt.
  • Auswirkungen auf den Flugbetrieb: Modellierungsergebnisse helfen bei der Anpassung der Infrastruktur, bei Safety Assessments, der Optimierung von Betriebsprozessen und der Koordination aller am Flughafen beteiligten Akteure.

Sieker bietet Dienstleistungen und Produkte zu Regenwassermanagement, Starkregen, Überflutungsmodellierung und Klimaresilienz an. Während in Palma nun beschädigte Deckenelemente entfernt und eine undichte Fuge repariert werden, bleibt die Frage nach der dauerhaften Widerstandsfähigkeit größerer Flughafenanlagen offen – und der nächste kräftige Regenguss kommt irgendwann garantiert.