Theo Dreier zieht sich aus Bocholt zurück und stärkt den Standort Borken
Für das Modehaus Theo Dreier ist in Bocholt zum Jahresende Schluss: Die Filiale an der Nordstraße 4 wird aufgegeben. Als Grund nennt das Unternehmen fehlende Perspektiven für weitere Investitionen am Standort. Der Unternehmensleitung sei die Entscheidung nicht leichtgefallen.
Damit verliert die Bocholter Nordstraße ein weiteres Modegeschäft. Nach Angaben eines Berichts schließen dort zum Jahresende 2026 sowohl Theo Dreier als auch Frauenzimmer. An den Standorten Nordstraße 4 und 6 weisen Plakate bereits auf einen Räumungsverkauf hin. Beide Betreiber haben ihre Entscheidungen zur Schließung begründet.
Mehr Gewicht für Borken
Theo Dreier will seine Aktivitäten künftig stärker auf Borken konzentrieren. Dort soll die Filiale modernisiert und personell verstärkt werden. Geschäftsführer Dustin Schöpper verwies auf die langfristige Bindung des Unternehmens an Borken. Für den Standort besteht ein langfristiger Mietvertrag.
Auch Investitionen sind in Borken geplant. Eine Rückkehr nach Bocholt bleibt laut dem Bericht allerdings möglich. Vorerst dürfte in der Nordstraße dennoch viel Bewegung entstehen: reduzierte Ware, leere Kleiderständer und Schaufenster, die sich nach und nach verändern.
Einzelhandel unter Druck
Die Entwicklung in Bocholt fällt in eine Phase, in der der strukturell wandelnde Einzelhandel mit mehreren Belastungen gleichzeitig umgehen muss. Die COVID-19-Pandemie und weitere Krisen erhöhen den Druck, während Innenstädte und Zentren vor zusätzlichen Herausforderungen stehen. Die Zukunftsfähigkeit und wirtschaftliche Grundlage bisher dominierender innerstädtischer Nutzungen werden dadurch zunehmend infrage gestellt.
Für Ladenlokale und Büros ergibt sich ein Spannungsfeld: Es geht um mögliche Nachnutzungen, die Weiterentwicklung des öffentlichen Raums, drohende zusätzliche Leerstände und mögliche Umsatzverluste. Gerade wenn ein Modegeschäft verschwindet, stellt sich deshalb schnell die Frage, was mit der Fläche passiert – und ob sich überhaupt zeitnah ein neuer Betrieb findet.
Die Veröffentlichung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung fasst zunächst empirische Ergebnisse einer ExWoSt-Studie zusammen. Darauf aufbauend wurden Handlungsempfehlungen für die Entwicklung von Innenstädten und Zentren erarbeitet. Berücksichtigt werden dabei funktionale und räumliche Unterschiede zwischen Innenstädten und Zentren ebenso wie der Einfluss aktueller Megatrends.
Was Kommunen tun können
Das übergeordnete Leitbild lautet „Innenstädte und Zentren stärken“. Hauptadressaten der Empfehlungen sind die Kommunen. Sie gelten als zentrale Akteure, die den Transformationsprozess der Innenstädte aktiv gestalten können. Vorgesehen sind drei strategische Aufgaben und fünf konkrete Aufgabenfelder, ergänzt um Aspekte, die bei der Umsetzung berücksichtigt werden sollen.
Behandelt werden unter anderem die Ausgangslage und Fragestellung, Onlinehandel und urbane Logistik, empirische Ergebnisse aus sechs Fallstudien aus den Jahren 2022 und 2023 sowie Zwischenergebnisse und Bewertung. Hinzu kommen Handlungsempfehlungen und Aufgabenfelder für die Zentrenentwicklung, Rahmenbedingungen der Innenstädte und Fragen der Umsetzung.
Wissenschaftlich begleitet wurde das Projekt vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), insbesondere von den Referaten „Stadtentwicklung“ sowie „Digitale Stadt, Risikovorsorge und Verkehr“. Im Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen war das Referat „Lebendige Zentren, Nationale Projekte des Städtebaus“ beteiligt.
Auftragnehmer waren Junker+Kruse, Stadtforschung Planung, Dortmund, die HafenCity Universität Hamburg sowie das Institut für Verkehrsplanung und Logistik der Technischen Universität Hamburg. Veröffentlicht wurde die Arbeit von Kruse, Kopischke, Krüger, Anders und Flämig im Jahr 2024 unter dem Titel Innenstadt, Onlinehandel und Pandemie: Aufgabenfelder für die Zentrenentwicklung. Herausgeber ist das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung, erschienen ist die Veröffentlichung als ExWoSt-Informationen 54/2 in Bonn. Der DOI lautet 10.58007/nk51-wa85.
