Paderborn zwischen Senioren-Umzug, Windpark und neuer Takko-Filiale
Im Kreis Paderborn liegen Abschied, Aufbruch und neue Pläne dicht beieinander: Die älteste Senioren-Wohngemeinschaft Paderborns muss nach rund 20 Jahren ihre Räume verlassen. Zwischen Hövelhof und Delbrück entsteht ein Windpark, und in Borchen zieht Takko Fashion in eine ehemalige Elektronikfiliale ein.
Für die Bewohnerinnen der Senioren-WG kommt die Nachricht zur Unzeit. Der Caritasverband teilte mit, dass die Räume heutigen Standards nicht mehr entsprächen und deshalb nicht weiter vermietet werden könnten. Die verbliebenen Bewohnerinnen müssen umziehen und fühlten sich vom Caritasverband überrumpelt. Alternative Unterkünfte wurden inzwischen gefunden.
Neue Energie zwischen Hövelhof und Delbrück
Während in Paderborn Wohnraum neu organisiert werden muss, wachsen zwischen Hövelhof und Delbrück die Pläne für einen Windpark. UKA West baut dort drei Windenergieanlagen. Zusammen können sie etwa 11.400 Zwei-Personen-Haushalte mit Strom versorgen.
Auch die umliegenden Kommunen sollen profitieren: Hövelhof, Delbrück, Verl und Schloß Holte-Stukenbrock werden an den Einspeiseerlösen beteiligt. Das Geld können die Kommunen für eigene Projekte verwenden. Als Ausgleichsmaßnahme ist außerdem ein Blühstreifen zum Schutz der Artenvielfalt vorgesehen – zwischen Baustelle, Feldern und später drehenden Rotoren also ein Stück Fläche für Insekten und andere Arten.
Takko übernimmt ehemalige Euronics-Räume
In Borchen wird am 26. November eine neue Takko-Fashion-Filiale eröffnet. Sie kommt in die ehemalige Euronics-Filiale an der Bahnhofstraße. Die bisherigen Lagerflächen des Elektronikmarktes übernimmt künftig die Firma Gebäudetechnik Wieseler zur eigenen Nutzung.
Für Takko ist Borchen Teil einer größeren Expansion. Das Unternehmen plant, innerhalb von drei Jahren rund 300 neue Filialen in Deutschland, Österreich und den Niederlanden zu eröffnen. In der Bahnhofstraße dürfte damit bald wieder Bewegung einkehren – Kleiderständer statt Elektronikregale, neue Schilder an der Fassade inklusive.
Wie Gemeinden und Anwohner an Windkraft beteiligt werden
Die Beteiligung an den Einnahmen ist kein Sonderweg ohne Vorbild. Mecklenburg-Vorpommern führte 2016 als erstes Bundesland mit dem Bürger- und Gemeindebeteiligungsgesetz eine Regelung zur finanziellen Teilhabe ein. Das Gesetz sieht Investitionsangebote für Anwohner und Kommunen in einem Umkreis von fünf Kilometern vor.
Brandenburg folgte 2019 mit einem eigenen Teilhabegesetz. Für jedes neue Windrad müssen Kommunen im Umkreis von drei Kilometern jährlich anteilig 10.000 Euro erhalten. Die Gemeinde Mühlenfließ nahm dadurch im vergangenen Jahr mehr als 300.000 Euro ein – zusätzlich zur Gewerbesteuer. Die finanzielle Beteiligung sorgt allerdings nicht automatisch für Einigkeit: Laut Bürgermeister stieg die Akzeptanz nicht uneingeschränkt, die Bürger seien trotz der zusätzlichen Einnahmen geteilter Meinung.
2024 verabschiedeten Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Thüringen, Sachsen und das Saarland eigene Gesetze zur Beteiligung. Rund sechs weitere ähnliche Regelungen, unter anderem in Sachsen-Anhalt und Bayern, sind derzeit in Planung. In Nordrhein-Westfalen ist eine obligatorische Beteiligung der Anwohner in Form von Nachrangdarlehen vorgesehen. Niedersachsen verlangt zusätzlich eine Beteiligung von 0,1 Cent je Kilowattstunde und Jahr.
Je nach Landesregelung sind außerdem Beteiligungen an der jeweiligen Betreibergesellschaft, vergünstigte Stromtarife oder Bonuszahlungen für Anwohner möglich. Zwischen Windrad, Gemeindekasse und Bürgerhaushalt bleibt also einiges in Bewegung.
