In dicht bebauten Stuttgarter Stadtteilen ist die Suche nach einem Parkplatz oft ein abendliches Geduldsspiel. Genau dort setzt das geplante „Feierabend-Parken“ an: Parkplätze von Discountern und Supermärkten sollen nach Ladenschluss für Anwohnende geöffnet werden. Auch Stellflächen öffentlicher Einrichtungen wie Schulen und Schwimmbäder kommen infrage.

Die konkrete Umsetzung wird derzeit geprüft. Ausgangspunkt war ein Antrag von CDU, Freien Wählern und FDP im Stadtentwicklungs- und Technikausschuss Anfang 2026. Für viele klingt das zunächst simpel: Wenn die Stellplätze abends ohnehin leer stehen, warum sollten sie dann nicht noch genutzt werden?

Stuttgart schaut nach Düsseldorf

Ähnliche Modelle werden bereits in Nürnberg, Erlangen und Mainz getestet. Als konkretes Vorbild dient Düsseldorf, wo Feierabend-Parken seit 2024 angeboten wird. Dort ist das Angebot von zunächst etwa 190 auf inzwischen rund 2.000 Stellplätze gewachsen.

In Düsseldorf beschränkt sich das Modell nicht auf Supermarktparkplätze. Einbezogen wurden auch Parkhäuser, städtische Liegenschaften und private Bürogebäude. Laut Stadt Düsseldorf wird das Angebot besonders in dicht besiedelten Stadtteilen gut angenommen.

Für die Vorbereitung hat sich Stuttgart mit der Stadt Düsseldorf ausgetauscht. Die Verwaltung will vor allem Discounter ansprechen, die in Stuttgart ansässig sind. Erste Gespräche mit Discountern sind für das erste Quartal 2027 geplant.

Netto macht bereits vor

Ein Beispiel gibt es schon: Netto bietet das Modell seit einigen Monaten in Bad Cannstatt und Münster an. Die Stellplätze lassen sich per App von 18 Uhr bis 8 Uhr am Folgetag mieten.

Eine Nacht kostet drei Euro, eine Woche 16 Euro und ein Monat 40 Euro. Nach Angaben von Netto wird das Angebot an beiden Standorten genutzt. Zur Auslastung macht das Unternehmen keine Angaben; die bisherigen Rückmeldungen seien laut Unternehmenssprecherin positiv.

Parallel erstellt das Amt für Stadtplanung und Wohnen eine Prioritätenliste geeigneter Parkflächen. Städtische Flächen sollen ebenfalls genutzt werden und werden dabei vorrangig geprüft. Welche Standorte am Ende tatsächlich dazukommen, ist noch offen.

Mehrfachnutzung statt neuer Flächen

Der Grundgedanke des Feierabend-Parkens ist die Mehrfachnutzung: Eine Stellfläche kann zu unterschiedlichen Zeiten verschiedenen Nutzergruppen dienen. Parkplätze, die außerhalb ihrer Hauptnutzungszeiten leer stehen, werden so nicht nur einmal am Tag verwendet. Das kann die Auslastung des vorhandenen Parkraums verbessern und den Bedarf an zusätzlichen Flächen senken.

Planbare Parkmöglichkeiten könnten außerdem den Suchverkehr bremsen. Wer gezielt einen freien Stellplatz anfahren kann, muss weniger Runden durch die Straßen drehen. Das kann Emissionen, Lärm und die Belastung des Umfelds verringern – gerade dort, wo abends viele Autos unterwegs sind.

Eine geordnete Nutzung kann zudem unerlaubtes Abstellen auf Gehwegen oder in sensiblen Bereichen reduzieren und damit die Verkehrssicherheit fördern. Digitale Parkkonzepte liefern zugleich Daten für ESG- und Standortberichte. Messen ließe sich die Wirkung etwa anhand von Buchungszahlen, Auslastungsstunden und der Entwicklung von Beschwerden.

Feierabend-Parken kann schließlich Teil eines umfassenderen Mobilitätskonzepts werden, in dem Wohnen, Arbeiten und Freizeit über kurze Wege miteinander verbunden sind. Die gezielte Steuerung des Parkens soll unerlaubtes Parken und Suchverkehr verringern und Abendnutzungen ermöglichen, ohne zusätzliche Konflikte im Umfeld zu schaffen. Bis zu den ersten Gesprächen im ersten Quartal 2027 bleibt in Stuttgart aber noch einiges zu sortieren.