dm testet Wero als europäische PayPal-Alternative im Onlineshop
Wer im deutschen dm-Onlineshop einkauft, soll ab dem 25. August 2026 auch mit Wero bezahlen können. Der Start ist zunächst ein Testlauf und ausschließlich für den digitalen Vertrieb vorgesehen. Noch läuft ein Funktionstest. Für Kundinnen und Kunden bedeutet das: keine zusätzliche Kreditkarte, sondern eine Freigabe des Kaufs in der vertrauten Umgebung der eigenen Bank.
Wero ist der Bezahldienst europäischer Banken. Das Geld wird direkt vom Girokonto abgebucht, die Zahlung innerhalb der Banking-App bestätigt. Wero selbst beschreibt das Verfahren als schnell, sicher und unkompliziert. Für Händler könnte es zudem wegen möglicher Kostenvorteile interessant sein. Zum Vergleich: Laut EHI Retail Institute liegen die Händlergebühren von PayPal im Durchschnitt bei 1,94 Prozent des Umsatzes. Welche Konditionen dm für die Wero-Integration erhält, wurde allerdings nicht genannt.
Vom Geldversand zum Einkauf im Onlineshop
Gestartet ist Wero im Sommer 2024 zunächst mit der Funktion „Geld senden“, also als Lösung für Zahlungen zwischen Privatpersonen. Inzwischen wird das System Schritt für Schritt um E-Commerce, wiederkehrende Zahlungen und Anwendungen im stationären Handel erweitert. 2026 liegt der Schwerpunkt auf dem Einstieg in den Onlinehandel: vorgesehen sind Einmalzahlungen, später auch Abonnements etwa bei Streaminganbietern sowie sogenannte „Event-dependent Payments“. Dabei wird eine Zahlung erst endgültig ausgelöst, wenn ein bestimmtes Ereignis eintritt – zum Beispiel die Warenübergabe beim Click-and-Collect-Geschäft.
Bei Wero liegt kein Guthaben auf einem separaten Zwischenkonto eines Drittanbieters. Die Zahlungen laufen direkt zwischen Bankkonten, ohne zusätzliche Zugangsdaten bei einem externen Zahlungsdienst. Das kann Risiken durch externe Login-Seiten und Phishing verringern. Ein bisschen weniger Passwort-Zirkus im Alltag wäre ja durchaus angenehm.
In Deutschland, Frankreich und Belgien ist Wero inzwischen direkt bei mehr als 25 Banken integriert. Die European Payments Initiative (EPI) nennt europaweit mehr als 50 Millionen Nutzer; S-Payment spricht sogar von 60 Millionen registrierten Nutzern in Europa. Für Deutschland werden je nach Erhebungsstand rund 7 Millionen Nutzer im März 2026 beziehungsweise zehn Millionen registrierte Nutzer genannt. Getragen wird die weitere Skalierung von 14 Anteilseignern, darunter die Deutsche Bank. Als Gründe für das wachsende Interesse nennt die EPI unter anderem den Wunsch nach einer europäischen Bezahllösung und die geopolitische Lage.
dm folgt auf Lidl
dm ist nicht der erste bekannte Händler, der Wero ausprobiert. Lidl integrierte den Dienst im Juli 2026 in seinen deutschen Onlineshop und bezeichnete sich als erster deutscher Lebensmitteleinzelhändler mit dieser Zahlungsmethode. Ende August 2026 folgte dm – gemeinsam mit der EPI und dem Zahlungsdienstleister Nexi. Bei beiden Unternehmen wird direkt über das Girokonto bezahlt und die Transaktion in der Banking-App bestätigt.
Auch Amazon, Eventim und Decathlon bieten Wero bereits an. Nach Angaben der EPI war der Dienst in Deutschland und Belgien bei rund 600 Händlern verfügbar. Später meldete die Organisation, dass mehr als 48.000 Händler in Belgien, Frankreich, Deutschland, Luxemburg und den Niederlanden bereits Wero-Transaktionen verarbeitet haben. In Frankreich zählen unter anderem Decathlon, Fnac Darty, Air France und Orange zu den angekündigten Partnern.
Gerade der Lebensmittelhandel zeigt laut EPI starkes Interesse. Händler prüfen, Wero in ihre eigenen Apps einzubauen. Diese App-Integration gilt als Vorstufe für die vollständige Nutzung an der Ladenkasse. Die Einbindung über bestehende Zahlungsdienstleister soll die technische Einstiegshürde niedrig halten; dafür arbeitet die EPI mit Banken und Zahlungsdienstleistern zusammen. BNP Paribas baut die Wero-Akzeptanz in mehreren europäischen Ländern aus.
Die offene Frage: Wird wirklich damit bezahlt?
Bekanntheit und tatsächliche Nutzung klaffen derzeit noch auseinander. Eine Verivox-Umfrage zeigte, dass 61 Prozent der Deutschen auch zwei Jahre nach dem Marktstart nicht wussten, worum es sich bei Wero handelt. Nur knapp sieben Prozent hatten den Dienst bereits für Geldtransfers oder Onlinekäufe genutzt. Ob Wero eine ernsthafte Alternative zu PayPal und Apple Pay wird, hängt deshalb davon ab, wie viele Händler und Verbraucher dauerhaft mitmachen.
Mehr Nutzer allein reichen nicht. Wero muss regelmäßige Zahlungen ermöglichen und im Onlinehandel sowie an stationären Kassen breiter akzeptiert werden. EPI startete Mitte September 2026 erste stationäre Wero-Zahlungen in Belgien, ein breiter POS-Rollout in Deutschland steht aber noch aus. Gelingt der Ausbau, könnte das System drei Bereiche abdecken: Geldversand zwischen Privatpersonen, Online-Zahlungen und Zahlungen an der Ladenkasse.
QR-Codes zuerst, NFC ab 2027
Für Restaurants und Cafés ist zunächst eine Integration über QR-Codes vorgesehen. Die technische Hürde soll dabei niedrig bleiben. Ab 2027 plant die EPI kontaktloses Bezahlen über NFC. Dann könnte Wero auch an herkömmlichen Kartenterminals neben Debit- und Kreditkarten eingesetzt werden.
Hinter dem Ausbau steht der Wunsch nach mehr europäischer Eigenständigkeit im Zahlungsverkehr. Die EPI will Wero internationalisieren und zugleich den Funktionsumfang erweitern. Für Händler verspricht das ein wettbewerbsfähiges Preismodell und weniger Abhängigkeit von einzelnen globalen Zahlungsanbietern; für Kundinnen und Kunden bleibt der Griff zur Banking-App.
- Europaweite Nutzerbasis: mehr als 50 Millionen; S-Payment nennt 60 Millionen registrierte Nutzer.
- Deutschland: rund 7 Millionen Nutzer im März 2026 beziehungsweise zehn Millionen registrierte Nutzer.
- Direkt integrierte Banken in Deutschland, Frankreich und Belgien: mehr als 25.
- Funktionen 2026: P2P, E-Commerce, Abonnements sowie Click-and-Collect-Zahlungen.
- Stationärer Handel: QR-Code-Integration 2026, NFC-Anbindung ab 2027.
- Anteilseigner: 14, darunter die Deutsche Bank.
Die Angaben zum dm-Start stammen aus einem Bericht der Nachrichtenagentur dpa. Stand dieses Berichts ist der 20.10.2026; der Ort: Filialen & Standorte.
