Deichmann-Neueröffnung in Höxter: Neue Schuhe für eine Innenstadt im Wandel
In Höxter verschiebt sich die Neueröffnung der neuen Deichmann-Filiale am Markt: Statt am 22. Oktober soll das Geschäft nun am 7. November öffnen. Zum Start ist ein Schnellzeichner angekündigt, der Porträts von Kundinnen und Kunden anfertigt. Ein bisschen Trubel dürfte also dazugehören.
Deichmann bringt ein modernes Store-Konzept nach Höxter und plant digitale Services wie „Ship to Store“ und „Ship to Home“. Der genaue Standort und weitere Angaben, etwa zur Verkaufsfläche, wurden allerdings noch nicht vollständig veröffentlicht. Bekanntgegeben wurde der Eröffnungstermin vom Unternehmen selbst.
Neue Schuhe für eine Innenstadt im Wandel
Die Neueröffnung erweitert das Einzelhandelsangebot in Höxter. Die Stadt liegt an der Weser, ist Verwaltungssitz des Kreises Höxter und erhielt im Jahr 1250 die Stadtrechte. Ihre Innenstadt hat in den vergangenen Jahren mehrere Leerstände verzeichnet. Eine Filiale eines bundesweit vertretenen Anbieters kann die Besucherfrequenz erhöhen – gerade in einer Zeit, in der der innerstädtische Einzelhandel durch Onlinehandel und veränderte Kaufgewohnheiten unter Druck steht.
Das Essener Familienunternehmen betreibt bundesweit rund 1.300 Filialen. In Deutschland vergibt Deichmann keine Franchise-Lizenzen; sämtliche Filialen werden direkt betrieben. Trotz des wachsenden Onlinehandels hält das Unternehmen an seinem Filialnetz fest.
Wie uneinheitlich die Entwicklung im Kreis Höxter verläuft, zeigt der Blick nach Brakel: Dort gab Deichmann eine Filiale auf. In den ehemaligen Geschäftsräumen stellt A.G.-Wood-Furniture aus Höxter-Ovenhausen inzwischen Massivholzmöbel aus. Inhaber Heinrich Kleine nutzt den Standort als Ausstellungsfläche. Nach dem Rückzug großer Handelsketten finden sich im ländlichen Raum schließlich nicht immer schnell neue Mieter.
Vom Desenberg bis ins Museum
In Warburg sollen der Desenberg und das Museum im Stern künftig touristisch miteinander verknüpft werden. Vorgesehen sind digitale Angebote, eine gemeinsame App sowie neue Informations- und Erlebnisstationen. Auch die Radwegeverbindung soll besser werden; außerdem ist eine Modernisierung des Museums geplant.
Für das Projekt sind insgesamt fünf Millionen Euro vorgesehen. Bis zu 90 Prozent der Kosten könnten aus einem bundesweiten Förderprogramm stammen. Das klingt nach viel Geld – und ist es auch. Dafür soll aus zwei bislang getrennt wahrgenommenen Anlaufpunkten ein stärker verbundenes Erlebnis werden.
Multifunktionsfeld in Ottbergen
Im Höxteraner Ortsteil Ottbergen wurde ein neues Multifunktionsfeld für verschiedene Ballsportarten gebaut. Mehr als 510 ehrenamtliche Arbeitsstunden flossen in das Vorhaben. Die Baukosten beliefen sich auf rund 39.000 Euro; Spenden und Fördermittel verringerten den finanziellen Aufwand.
Wo künftig Bälle über den Belag springen, musste zuvor kräftig angepackt werden. Solche Projekte entstehen selten nur auf dem Papier – und noch seltener ohne Menschen, die nach Feierabend weiterarbeiten.
Was Innenstädte jetzt brauchen
Die COVID-19-Pandemie und mehrere gleichzeitig auftretende Krisen erhöhen den Druck auf den strukturell wandelnden Einzelhandel. Damit verschärfen sich die Herausforderungen für Innenstädte und andere Zentren. Die Zukunftsfähigkeit und wirtschaftliche Grundlage bisher dominierender innerstädtischer Nutzungen werden zunehmend infrage gestellt.
Es entsteht ein Spannungsfeld: Leerstehende Ladenlokale und Büroflächen bieten Potenziale für neue Nutzungen, zugleich geht es um die Neugestaltung öffentlicher Räume, drohende zusätzliche Leerstände und mögliche Umsatzverluste. Für Höxter heißt das: Eine neue Filiale kann Bewegung in die Innenstadt bringen, ist aber nur ein Baustein in einem größeren Umbau.
Die Veröffentlichung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung fasst zunächst die empirischen Ergebnisse einer ExWoSt-Studie zusammen. Auf dieser Grundlage wurden Handlungsempfehlungen für die Entwicklung von Innenstädten und Zentren erarbeitet. Berücksichtigt werden funktionale und räumliche Unterschiede zwischen Innenstädten und Zentren ebenso wie der Einfluss aktueller Megatrends.
Die Empfehlungen umfassen drei strategische Aufgaben, fünf konkrete Aufgabenfelder und Aspekte, die bei der Umsetzung berücksichtigt werden sollen. Das übergeordnete Leitbild lautet „Innenstädte und Zentren stärken“. Die Empfehlungen richten sich vor allem an Kommunen, die als zentrale Akteure den Transformationsprozess aktiv gestalten können.
Behandelt werden unter anderem die Ausgangslage und Fragestellung, Onlinehandel und urbane Logistik, empirische Ergebnisse aus sechs Fallstudien aus den Jahren 2022 und 2023, Zwischenergebnisse und Bewertung sowie Handlungsempfehlungen und Aufgabenfelder für die Zentrenentwicklung. Hinzu kommen die Rahmenbedingungen der Innenstädte und die Umsetzung sowie die Literatur.
Wissenschaftlich begleitet wurde die Studie vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), insbesondere von den Referaten „Stadtentwicklung“ sowie „Digitale Stadt, Risikovorsorge und Verkehr“. Das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen begleitete sie über das Referat „Lebendige Zentren, Nationale Projekte des Städtebaus“.
Auftragnehmer waren Junker+Kruse, Stadtforschung Planung, Dortmund, die HafenCity Universität Hamburg und das Institut für Verkehrsplanung und Logistik der Technischen Universität Hamburg.
Die Veröffentlichung lautet: Kruse, S.; Kopischke, E.; Krüger, T.; Anders, S.; Flämig, H. (2024): Innenstadt, Onlinehandel und Pandemie: Aufgabenfelder für die Zentrenentwicklung. Herausgeber: BBSR, ExWoSt-Informationen 54/2, Bonn. DOI: https://doi.org/10.58007/nk51-wa85.
