Galeria erhält vor dem Weihnachtsgeschäft einen neuen Kredit von der US-Investmentgesellschaft Gordon Brothers. Das Massedarlehen im laufenden Insolvenzverfahren soll den Warenzufluss sichern und der Warenhauskette finanziell Luft verschaffen. Für Gordon Brothers ist das Risiko geringer, weil solche Kredite üblicherweise vorrangig zurückgezahlt werden.

Für Kundinnen und Kunden gibt es sofort eine konkrete Nachricht: Galeria-Gutscheine können wieder eingelöst und für neue Einkäufe verwendet werden. In den derzeit 83 Filialen geht der Betrieb zunächst weiter. Ob einzelne Standorte schließen müssen, ist allerdings offen. Der vorläufige Insolvenzverwalter Frank Kebekus will jedes Haus auf seine wirtschaftliche Tragfähigkeit prüfen.

Gehälter für drei Monate gesichert

Das Amtsgericht Düsseldorf hatte Anfang Oktober ein vorläufiges Insolvenzverfahren angeordnet. Es ist Galerias vierter Insolvenzantrag seit 2020. Knapp 10.000 Beschäftigte erhalten für Oktober bis Dezember Insolvenzgeld von der Bundesagentur für Arbeit. Zunächst hatten rund 12.000 Menschen weitergearbeitet, obwohl unklar war, ob diese Unterstützung erneut gezahlt würde. Seit Dienstag steht fest: Die Bundesagentur sichert die Gehaltszahlungen für drei Monate. Danach bleibt vieles offen.

Die Sanierung nach der Insolvenz 2024 hat offenbar nicht gereicht. Zahlreiche Filialen wurden geschlossen, Mietverträge neu verhandelt. Schon im Dezember war die Finanzlage wieder angespannt. Schwache Umsätze im Weihnachtsgeschäft verschärften den Druck, denn normalerweise finanziert diese Zeit die umsatzärmeren Monate danach. Kurz vor Ende des Juni war sogar unklar, ob die Monatsgehälter gezahlt werden konnten.

Gordon Brothers stellte kurzfristig 140 Millionen Euro bereit und verhinderte damit zunächst eine erneute Insolvenz. Das Unternehmen finanziert angeschlagene Handelsunternehmen und erhält Waren als Sicherheit, die im Insolvenzfall verkauft werden können. Ein großer Teil des Geldes floss allerdings direkt in die Tilgung eines bestehenden Kredits der US-Investmentgesellschaft Bain sowie in Verbindlichkeiten gegenüber Vermietern. Galeria ging deshalb nur mit begrenzten Rücklagen in die schwachen Sommermonate.

Wegen der angespannten Lage wurden über Wochen kaum neue Waren bestellt. In den Häusern klaffen weiterhin Sortimentslücken, die den Umsatz zusätzlich drücken. Insider erwarteten bereits im Herbst den nächsten finanziellen Engpass. Anfang Oktober meldeten die Geschäftsführer erneut Insolvenz an.

Viele Filialen stehen auf der Kippe

Die Bundesagentur für Arbeit ermöglicht, dass die 83 Filialen zunächst geöffnet bleiben. Das verschafft Frank Kebekus Zeit, nach einem Investor zu suchen. Im Unternehmensumfeld wurde wiederholt über ein Konsortium aus Lieferanten als Käufer spekuliert. Als möglicher Interessent fiel unter anderem der Name Falke; der Sockenhersteller äußerte sich dazu nicht. Auch der Modehersteller Roy Robson ist ein wichtiger Galeria-Lieferant. Dort wurde eine Übernahme intern kurz besprochen, aktuell wolle man sich dazu aber nicht äußern.

Der Erhalt aller Häuser gilt als ausgeschlossen. Bei etwa zehn Warenhäusern laufen die Mietverträge im Januar aus; ihre Schließung war bereits vor der Insolvenzanmeldung absehbar. Weitere 24 Filialen sind wegen schlechter Geschäftszahlen gefährdet. Außerhalb eines Insolvenzverfahrens wären Schließungen wegen der laufenden Mietverträge vermutlich teuer gewesen. Nun dürften viele dieser Standorte tatsächlich wegfallen.

Hinzu kommt der Sanierungsbedarf. In zahlreichen Häusern sind Böden verschlissen, Rolltreppen defekt, Investitionen dringend nötig. Die Kosten könnten sich auf mindestens einen hohen einstelligen Millionenbetrag pro Filiale belaufen. Wenn etwa die Hälfte der 83 Filialen das Insolvenzverfahren übersteht, wäre das laut dem Bericht bereits ein Erfolg.

Laut Insidern stehen im Sanierungsplan mindestens gut 30 Filialen vor der Schließung. Kebekus sagte dem ZDF, voraussichtlich würden nicht alle 83 Häuser erhalten bleiben. Jeder Standort solle einzeln auf seine Wirtschaftlichkeit geprüft werden. Das Warenhaus als Einkaufsform hält er grundsätzlich für überlebensfähig.

Umsatz deutlich unter Plan

Die Geschäftszahlen liefern wenig Rückenwind. Von Oktober 2025 bis Ende September 2026 erzielte Galeria 1,79 Milliarden Euro Umsatz statt der geplanten gut zwei Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Rückgang von zehn Prozent. Der Bruttogewinn sank um 12,7 Prozent auf 728 Millionen Euro.

Das große Filialnetz belastet die Finanzen. Gleichzeitig blieb Galeria auf hohen Warenbeständen sitzen und setzte auf umfangreiche Rabattaktionen. Die Eigentümer hatten sich 2024 den Zuschlag unter anderem mit dem Versprechen gesichert, alle 83 Filialen zu erhalten. Andere Bieter hielten damals etwa 60 Häuser für realistisch.

Die Gewerkschaft ver.di macht Management und Eigentümer für die erneute Insolvenz verantwortlich. ver.di-Vertreterin Silke Zimmer kritisiert Managementfehler, fehlende nachhaltige Investitionen und zu geringe Ausgaben für Warenhäuser und ein attraktives Sortiment. Die Beschäftigten seien außerdem zu wenig einbezogen worden.

Miteigentümer Bernd Beetz erklärte gegenüber der „Bild“, die Insolvenz sei grundsätzlich vermeidbar gewesen; der Umbau sei zu langsam vorangekommen. Er und sein Mitinvestor NRDC, die Investmentgesellschaft des US-Amerikaners Richard Baker, hätten viel eigenes Kapital investiert. Nach Informationen des „Spiegel“ stellen Insider diese Darstellung infrage: Die Eigentümer hätten kaum nennenswerte Eigenmittel bereitgestellt, zudem habe Galeria unter anderem Beratungsleistungen der Eigentümer bezahlt.

Nach dem Einstieg der Eigentümer war von Investitionen in Höhe von rund 100 Millionen Euro die Rede. Handelsexperten halten laut dem Bericht eher etwa eine Milliarde Euro für erforderlich. Eine weitere Sanierung, die vor allem auf Forderungsverzichte und Kostensenkungen setzt, werde voraussichtlich nicht ausreichen, sagt Handelsexperte Carsten Kortum von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Heilbronn. Eine vollständige Schließung sei möglich, aber nicht zwangsläufig. Galeria brauche einen Eigentümer, der langfristig am Geschäftsmodell Warenhaus festhält.

Beschäftigte und Innenstädte im Blick

ver.di fordert, dass das Management schnell offenlegt, wie es für die Beschäftigten weitergeht. Die Gewerkschaft verlangt, die Beschäftigten und den Gesamtbetriebsrat einzubeziehen und einen konkreten Zukunftsplan vorzulegen. Viele Galeria-Mitarbeiter verdienen deutlich weniger als Beschäftigte im Einzelhandel mit Flächentarifvertrag, teilweise bis zu 30 Prozent weniger. ver.di kritisiert seit Längerem, dass sich das Management dauerhaft von den Tarifverträgen des Einzelhandels entfernen wolle, und bewertet auch das Zukunftskonzept der aktuellen Geschäftsführung kritisch.

Für die Gewerkschaft geht es dabei nicht nur um einzelne Arbeitsplätze. Warenhäuser seien für die Attraktivität vieler Innenstädte wichtig. Entscheidend für ihren Erfolg seien die Beschäftigten, weil sie Beratung, Service und Kundennähe sicherstellen. Hinter den Kulissen läuft derweil die Standortprüfung – während in den Häusern Waren fehlen, Rolltreppen stillstehen und die Frage nach dem nächsten Frühjahr schwerer wiegt als das Weihnachtsgeschäft.