Tegut vor dem Aus: Rewe, Edeka und Tante Enso übernehmen Thüringer Märkte
Für viele Tegut-Kundinnen und -Kunden in Thüringen wird sich in den kommenden Monaten einiges ändern. Das Bundeskartellamt hat Rewe die Übernahme von 38 Tegut-Märkten in Deutschland genehmigt. Beantragt waren 40 Filialen, doch zwei hessische Standorte durften aus Wettbewerbsgründen nicht übernommen werden.
Im Süden Erfurts gehört ein Tegut-Markt zu den Filialen, die künftig unter dem Dach von Rewe stehen. Ob dort tatsächlich ein Rewe-Markt entsteht oder Penny einzieht, ist allerdings noch offen. Rewe will die übernommenen Standorte entweder als Rewe-Märkte oder als Penny-Discounter weiterführen. Welche Lösung für welche Filiale gewählt wird, steht noch nicht fest.
Edeka übernimmt zahlreiche Märkte
Auch Edeka darf zugreifen: Bundesweit genehmigte das Kartellamt die Übernahme von 177 Tegut-Märkten, darunter 24 in Thüringen. In Erfurt sind fünf Märkte betroffen, in Meiningen vier und in Weimar drei. Weitere Edeka-Standorte liegen unter anderem in Eisenach, Gotha, Herbsleben, Jena und Schleusingen.
Gleichzeitig untersagte die Behörde Edeka die Übernahme von 24 weiteren Märkten für vier Jahre. Fünf davon liegen in Thüringen: in Bad Langensalza, Erfurt-Marbach, Geisa, Heiligenstadt und Benshausen bei Zella-Mehlis. Der Grund: In einigen Regionen könnte Edekas Marktanteil zu hoch werden und der Wettbewerb darunter leiden. Edeka kündigte außerdem an, einen Teil der übernommenen Filialen durch die Discount-Tochter Netto zu betreiben.
Hinter dem Verkauf steht die Schweizer Migros. Das Unternehmen hatte im März seinen Rückzug aus dem deutschen Markt angekündigt. Die Marke Tegut soll aufgegeben werden – ein Name, der in Thüringen vielerorts seit Jahren zum Einkaufsalltag gehört.
Tante Enso kommt an zehn Thüringer Standorte
Weitere zehn Thüringer Tegut-Märkte sollen an Tante Enso gehen. Für neun dieser Märkte genehmigte das Kartellamt die Übernahme. Der Standort in Ranis nimmt dabei eine Sonderrolle ein: Er gehört nicht Tegut, sondern einer Eigentümergenossenschaft, die Tegut lediglich als Lieferanten hatte.
Aus finanziellen Gründen entschied sich die Genossenschaft für Tante Enso. Mehr als 600 Menschen zeichneten nach Angaben des Aufsichtsratschefs Andreas Gliesing Tante-Enso-Anteile. Diese Beteiligung war Voraussetzung für die Übernahme. Ein ungewöhnlicher Weg für einen Supermarkt – aber einer, der in Ranis offenbar den Ausschlag gab.
Für 15 Märkte ist die Zukunft offen
Bei 15 weiteren Thüringer Tegut-Märkten ist noch nicht klar, wie es weitergeht. Dazu zählen Standorte in Nordhausen, Saalfeld und Zella-Mehlis. Auch Filialen in Bad Salzungen, Bad Langensalza, Bad Liebenstein, Erfurt-Marbach, Geisa, Jüchsen, Heiligenstadt, Langewiesen, Kahla, Mühlhausen, Schleusegrund, Themar und Benshausen gehören zu den ungeklärten Märkten.
Migros verweist weiterhin auf ein laufendes Bieterverfahren. Für Beschäftigte und Kundschaft bleibt damit vorerst vieles in der Schwebe: Wer übernimmt den Markt, bleibt das Sortiment ähnlich, und hängt bald ein anderes Schild über dem Eingang?
Das Kartellamt prüfte die Edeka-Übernahme seit März, den Rewe-Antrag seit April. Im Mittelpunkt standen die Wettbewerbsverhältnisse und die zunehmende Konzentration im deutschen Lebensmitteleinzelhandel. Edeka, Rewe, die Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland sowie Aldi vereinten 2025 zusammen mehr als 90 Prozent des bundesweiten Umsatzes.
Eine gemeinsame marktbeherrschende Stellung der führenden Lebensmittelhändler stellte das Kartellamt allerdings nicht fest. Zugleich zeigen die Entscheidungen, wie eng die Spielräume in einzelnen Regionen werden können: Ein Markt darf wechseln, der nächste bleibt blockiert – manchmal entscheidet dabei ein Standort wenige Kilometer weiter.
