US-Amerikaner entdeckt im deutschen Aldi Einkaufswagen mit Kultfaktor
Ein Einkaufswagen kann offenbar Kulturschock. Louie Nappi, US-Amerikaner und Teil des deutsch-amerikanischen Paares Louie und Mandy Nappi, besuchte zum ersten Mal eine deutsche Aldi-Filiale. Mandy hielt den Ausflug fest, veröffentlicht wurde das Video auf Instagram. Die Seite „Nappifam“ hat mehr als 160.000 Follower.
Louie staunte gleich über mehrere Dinge: über die Einkaufswagen mit Seitengriffen, die Bewegungen nach vorne, hinten und zur Seite ermöglichen, über eine abgetrennte Fläche im vorderen Bereich und über die ausklappbare Ablage unter dem Korb. Dort lassen sich Getränkekisten transportieren. Die Wagen bezeichnete er als „deutsche Erfindungen“ und lobte die bequemen Griffe.
„Deutschland Aldi. Geil.“
Auch die Preise empfand Louie im deutschen Aldi als deutlich niedriger. Dass Wein verkauft wird und vor dem Markt Fahrradparkplätze stehen, überraschte ihn ebenfalls. Seine Reaktion kam bei vielen deutschen Nutzerinnen und Nutzern gut an. Eine lobte seine Offenheit gegenüber ungewohnten deutschen Eigenheiten. Eine andere schrieb, sie kenne den Zweck der separaten Fläche im Einkaufswagen ebenfalls nicht.
Sein Fazit nach dem ersten Besuch fiel knapp aus: „Deutschland Aldi. Geil.“
Der Discounter gehört in Deutschland zu den beliebtesten Supermarktketten und expandiert seit Jahren stark in den USA. Aldi ist in beiden Ländern unter demselben Namen vertreten, trotzdem unterscheiden sich Sortiment, Preise, Filialgröße und Einkaufsgewohnheiten teils deutlich. In Deutschland ist das Unternehmen seit Jahrzehnten als Discounter etabliert, in den USA gilt es eher als Alternative zu traditionellen Supermärkten.
Zwei Märkte, zwei Einkaufswelten
Gegründet wurde Aldi in Deutschland, später folgte die internationale Expansion, unter anderem in die USA. Aldi Nord und Aldi Süd betreiben weltweit Tausende Filialen; in den Vereinigten Staaten ist hauptsächlich Aldi Süd vertreten. Der deutsche Lebensmittelhandel ist stark von Discountern wie Lidl, Netto, Penny und Norma geprägt. In den USA tritt Aldi vor allem gegen große Supermarktketten und Warenhäuser an. Diese Marktbedingungen wirken sich auf Sortiment und Preisstrategie aus.
Das gemeinsame Ziel bleibt, hochwertige Produkte zu günstigen Preisen anzubieten. In Deutschland liegen die Preise häufig etwas niedriger. Brot, Milch, Butter und Eier kosten durchschnittlich weniger als in den USA. Als Gründe gelten der intensive Wettbewerb unter deutschen Discountern, geringere Logistikkosten innerhalb Deutschlands, die starke Verbreitung von Eigenmarken und der hohe Preisdruck im hiesigen Einzelhandel.
Vergleichbare Produkte können in den USA je nach Bundesstaat 10 bis 40 Prozent teurer sein, besonders in Gegenden mit hohen Lebenshaltungskosten. Dazu kommen unterschiedliche Lohnkosten, Transportwege, Steuern und Abgaben, regionale Einkaufspreise sowie Miet- und Energiekosten. Obst und Gemüse schwanken in beiden Ländern saisonabhängig im Preis. Deutschland profitiert häufig von kürzeren Lieferwegen innerhalb Europas, während in den USA viele Waren über größere Entfernungen transportiert werden.
In beiden Märkten zählt Aldi zu den preisgünstigsten Lebensmittelhändlern. Die Eigenmarken bieten ein vergleichbar gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und machen einen deutlich größeren Teil des Sortiments aus als bei vielen anderen Supermarktketten.
Eigenmarken, Aktionsware und Familienpackungen
Deutsche Filialen führen vor allem Lebensmittel des täglichen Bedarfs, Backwaren, Molkereiprodukte, Tiefkühlkost, Bio-Produkte und regionale Spezialitäten. Dazu kommen wöchentlich wechselnde Aktionsartikel. Die deutschen Aktionsprospekte reichen von Lebensmitteln über Haushaltswaren, Werkzeuge und Kleidung bis zu Gartenartikeln und Elektrogeräten.
US-Filialen orientieren sich stärker an lokalen Vorlieben und Marken. Dort finden sich zusätzlich größere Familienpackungen, amerikanische Snacks, Tiefkühlgerichte sowie glutenfreie und proteinreiche Produkte. Auch das Angebot importierter europäischer Lebensmittel ist in den USA häufig größer. Die deutsche Auswahl setzt dagegen stärker auf regionale Produkte und frische Lebensmittel.
Wöchentlich neue Angebote gibt es in beiden Ländern. In den Vereinigten Staaten sind besonders die „ALDI Finds“ bekannt: zeitlich begrenzte Aktionsartikel, die oft nur in kleinen Stückzahlen erhältlich sind. Immer mehr Kundinnen und Kunden schauen inzwischen in digitale Prospekte, vergleichen Preise und planen damit ihren Einkauf. Wer ein bisserl Zeit investiert, kann in beiden Ländern sparen.
Kompakter Laden, größere Wege
Deutsche Aldi-Filialen sind häufig kompakt gestaltet. Die wichtigsten Produkte sind schnell gefunden, viele Kundinnen und Kunden verbringen nur wenige Minuten im Geschäft. US-Filialen sind dagegen häufig größer, haben breitere Gänge und mehr Verkaufsfläche. Auch die Parkplätze fallen dort meist großzügiger aus.
Eine kleine Gemeinsamkeit gibt es bei den Einkaufswagen: In beiden Ländern wird Pfand verlangt. In Deutschland sind es meist 1 Euro oder ein Pfandchip, in den USA in der Regel eine Quarter-Münze im Wert von 25 Cent. Wer den Wagen zurückbringt, bekommt das Pfand wieder.
Seitengriffe und Ablageflächen für Getränkekisten sind in deutschen Aldi-Filialen verbreitet, in US-Filialen dagegen typischerweise nicht. Genau solche Kleinigkeiten machen für Besucher den Unterschied sichtbar – manchmal reicht dafür schon der Griff zum Einkaufswagen.
