Seit der Schliessung der Migros-Filiale im Zentrum Frohsinn ist die Nahversorgung in Uznach SG spürbar eingeschränkt. Für viele Wege des Alltags fehlt damit ein zentraler Anlaufpunkt – und eine schnelle Lösung ist nicht in Sicht.

Der Gemeinderat suchte nach einer kurzfristigen Übergangslösung, fand jedoch keine geeignete Fläche für ein Provisorium. Verhandlungen mit der Streuli Immobilien AG und weiteren Eigentümern, darunter die SBB und das kantonale Hochbauamt, blieben erfolglos. Der Grund liegt nicht allein im fehlenden Raum: Moderne Detailhändler stellen laut Gemeinderat hohe Anforderungen an Fläche und Infrastruktur, selbst wenn es nur um eine Übergangslösung geht.

Kein Grossverteiler auf absehbare Zeit

Eine vom Gemeinderat beauftragte Marktstudie der Wüest Partner AG kommt zum Schluss, dass ein Grossverteiler im Zentrum derzeit kaum wirtschaftlich betrieben werden kann. Deshalb reduziert der Gemeinderat die im Sondernutzungsplan für das Streuli-Areal vorgesehene Ladenfläche auf rund 500 Quadratmeter.

Damit soll ein modernes Quartier-Versorgungsformat ermöglicht werden. Wie dieses genau aussehen könnte, ist noch offen. Der Gemeinderat führte Gespräche mit bestehenden Kleinversorgern über mögliche Erweiterungen oder Anpassungen ihres Angebots. Weitere Optionen werden geprüft; auch Eigeninitiativen aus der Bevölkerung wären möglich. Für den Moment bleibt es also bei Gesprächen, Plänen und der Suche nach einer tragfähigen Lösung.

Langfristig soll die Versorgung im Zentrum durch die Überbauung Streuli-Park gesichert werden. Bis dahin müssen die Lücken im Alltag irgendwie überbrückt werden – kein kleiner Brocken für eine Gemeinde, in der ein Einkauf oder eine andere Besorgung schnell zur zusätzlichen Fahrt werden kann.

Was andere ländliche Regionen ausprobieren

Die Situation in Uznach steht nicht allein da. In ländlichen Regionen verschwinden zunehmend Angebote wie Supermärkte und Arztpraxen, wodurch der Alltag für die Bevölkerung schwieriger wird. Gleichzeitig sind diese Regionen wichtige Standorte für mittelständische Unternehmen. Nahversorgung betrifft daher nicht nur den Einkauf, sondern auch die Frage, wie attraktiv ein Ort zum Wohnen und Arbeiten bleibt.

Das Forschungsprojekt „LÄNDNAH“ untersuchte, wie die Grundversorgung mit Gütern und Dienstleistungen langfristig gesichert und zukunftsfähig gestaltet werden kann. Das vom Ministerium geförderte Projekt wurde vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO geleitet. Kooperationspartner waren das Institut LOGWERT der Hochschule Heilbronn sowie Prof. Dr. Stephan Rüschen von der DHBW Heilbronn.

Analysiert wurde die Nahversorgung anhand konkreter kommunaler Beispiele. Als Pilotkommunen dienten Eisenbach im Hochschwarzwald, Zaberfeld und Steinheim an der Murr. Das Projektteam führte qualitative und quantitative Erhebungen durch, darunter Bürgerbefragungen und moderierte Workshops. Zusätzlich wurden Unternehmen interviewt, um die Perspektiven lokaler Betriebe und Anbieter innovativer Lösungen einzubeziehen.

Dabei ging es auch um drohnenbasierte Lieferdienste und autonome 24/7-Läden. Zu den entwickelten Lösungsansätzen zählen telemedizinische Sprechstunden, automatisierte Nahversorgungsstationen sowie lokal organisierte Mobilitätsdienste für ältere und weniger mobile Menschen. Nicht alles passt überall – aber genau darum ging es: keine theoretischen Idealmodelle, sondern realitätsnahe Lösungen, die sich flexibel anpassen lassen.

Leitfaden für Verwaltung, Politik und Wirtschaft

Zentrales Ergebnis des Projekts ist der praxisorientierte Leitfaden „Nahversorgung im ländlichen Raum“. Er behandelt sechs Themenfelder: Produkte des täglichen Bedarfs, Dienstleistungen, medizinische Versorgung, Mobilität, Gastronomie sowie Freizeit- und Sozialeinrichtungen.

Beschrieben wird ein Vorgehen von der Bedarfsanalyse über die Konzeptentwicklung bis zur Umsetzung. Praktische Beispiele zeigen, wie Kommunen ihre Nahversorgung strategisch gestalten können. Der Leitfaden richtet sich an Verwaltung, Politik und Wirtschaft. Ergänzend gibt es einen interaktiven Ideenkatalog mit erfolgreichen Beispielen und innovativen Ansätzen.

Das Projekt setzte auf einen partizipativen Forschungsansatz. Bürgerinnen und Bürger sowie kommunale Akteure waren an der Entwicklung und Bewertung der Massnahmen beteiligt. Die Projektbeteiligten bewerteten die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Bürgerschaft und Kommunen als hilfreich. Sie soll zur Sicherung der Lebensqualität, zur Attraktivität ländlicher Standorte und zur Zukunftsfähigkeit der Regionen beitragen.