In der Leipziger Straße in Frankfurt-Bockenheim ist seit Mai 2026 eine „vegane Fleischerei“ zu Hause. Auch am 29. Oktober standen schon zur Öffnungszeit mehrere Kundinnen und Kunden im Laden. Bei der Eröffnung hatten sich lange Warteschlangen gebildet – offenbar wollte sich niemand lange gedulden, bis Leberkäse, Wurst und Käse ganz ohne tierische Zutaten über die Theke gingen.

Hinter dem Geschäft stehen die Brüder Sebastian und Felix Koch. Die Frankfurter Filiale entstand nach dem Vorbild eines Franchise-Unternehmens, das zuvor einen Standort in Mainz eröffnet hatte. Sebastian lernte das Angebot erstmals in München kennen und erzählte seinem Bruder begeistert von veganem Leberkäse und anderen pflanzlichen Alternativen. Felix Koch ist 30 Jahre alt und lebt vegetarisch, Sebastian ist zwei Jahre älter. Als Gründe für ihr Engagement nennen die Brüder Tierwohl und Klimaschutz.

Leberkäse, Fisch und Schinken aus Roter Bete

In der „Veganen Fleischerei Frankfurt“ gibt es ausschließlich pflanzliche Alternativen zu Fleisch-, Wurst- und Milchprodukten. Hergestellt werden die Produkte in einer eigenen Manufaktur in Dresden. Im Sortiment liegen verschiedene Käse- und Wurstsorten, vegane Salamis, Braten, Fisch und Hack, Grill-Spezialitäten, Bolognesesoße, Fertiggerichte im Glas sowie kleine Mahlzeiten für unterwegs. Dazu kommen frisch zubereitete Salate und veganer Schinken aus Roter Bete.

An der heißen Theke dampfen unter anderem vegane Leberkäsebrötchen, auf Wunsch mit veganem Spiegelei, BBQ-Steakbrötchen und Fischbrötchen. Das Spiegelei besteht aus Mungobohnen, Karotten und Tofu. Gerade die Käsevariationen, der Rote-Bete-Schinken und eben dieses Ei sollen den tierischen Vorbildern geschmacklich und optisch nahekommen. Ein bisschen Täuschungsmanöver gehört offenbar dazu – nur dass dafür kein Huhn im Hintergrund gackert.

Lachs, Steak und ähnliche Produkte lassen sich laut Felix Koch in der Pfanne, auf dem Grill oder im Airfryer zubereiten. Einige Angebote gibt es ausschließlich in der Filiale und nicht im Onlineshop. Geöffnet ist montags bis freitags von 11:30 bis 20:00 Uhr, samstags von 10:30 bis 19:00 Uhr. Die Adresse: Leipziger Straße 49, 60487 Frankfurt.

Vom Foodtruck zum elften Standort

Die Kundschaft reicht nach Angaben der Betreiber von überzeugten Tierschützern bis zu Fleischessern, die ihren Konsum reduzieren möchten. Die Brüder waren mit einem Foodtruck unter anderem beim Museumsuferfest unterwegs. Für den Weihnachtsmarkt ist ebenfalls ein Auftritt geplant – dann dürfte es zwischen Glühweinduft und Budenbeleuchtung wieder ordentlich nach heißem Snack riechen.

Das Konzept wächst weiter: In Essen eröffnet bald der elfte Standort in Deutschland. Die erste Filiale gab es in München, wo Sebastian Koch das Angebot kennengelernt hatte. Von dort führte der Weg über Mainz schließlich nach Frankfurt-Bockenheim.

Wachsende Auswahl, weiterhin kleine Nische

Der Frankfurter Laden trifft auf einen Markt, der sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert hat. Die Produktion von Fleischersatzprodukten in Deutschland hat sich seit 2019 mehr als verdoppelt. 2025 endete der Aufwärtstrend allerdings: Rund 125.000 Tonnen Veggie-Burger, Tofuwurst und andere vegane Fleischalternativen wurden hergestellt, 1,2 Prozent weniger als im Vorjahr. Parallel nahm der Fleischkonsum zu.

Im Vergleich zu Fleisch und Fleischwaren bleiben Ersatzprodukte damit ein Nischenmarkt. Der Verkaufswert von Fleisch und Fleischwaren lag 2025 in Deutschland bei 45,2 Milliarden Euro – gut 70-mal höher als der Verkaufswert von Fleischersatzprodukten. Im selben Zeitraum wurden 6,9 Millionen Tonnen Fleisch produziert, mehr als 130.000 Tonnen pro Woche. In der Leipziger Straße wird derweil weiter gebraten, gestrichen und eingepackt.