In ländlichen Regionen soll das Einkaufen einfacher bleiben: Das Mannheimer Unternehmen Yobsti will 35 bisherige Teo-Märkte übernehmen und unter eigenem Namen weiterbetreiben. Edeka bestätigte die Vereinbarung gegenüber der „Lebensmittel Zeitung“.

Als Übernahmetermin ist der 1. November vorgesehen. Für die technische Umstellung sollen die Märkte anschließend einige Tage schließen; die Wiedereröffnung ist für den 6. November geplant. Danach will Yobsti die Standorte schrittweise weiterentwickeln und das Sortiment stärker an der Nachfrage vor Ort ausrichten.

Regionale Produkte, digitale Abläufe

Edeka bleibt an der Belieferung beteiligt. Edeka Foodservice übernimmt diese Aufgabe. Dadurch sollen künftig auch Produkte der Edeka-Eigenmarke Gut & Günstig in den Märkten erhältlich sein. Sie ergänzen das bisherige Yobsti-Sortiment, das bislang vor allem auf regionalen Lebensmitteln basiert.

Yobsti stellt regionalen Erzeugern die Infrastruktur für den Verkauf ihrer Produkte bereit und führt zusätzlich klassische Handelsprodukte. Die Märkte nutzen digitale Technik und arbeiten mit einem hohen Automatisierungsgrad. Gesteuert werden die Standorte zentral – praktisch, wenn nicht ständig Personal vor Ort sein kann, aber für manche Kundinnen und Kunden vermutlich noch gewöhnungsbedürftig.

Bereits heute betreibt das Unternehmen vier Märkte in ländlichen Gebieten von Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg. Im Sommer 2024 eröffnete Yobsti in Kandel den ersten Markt in einem Übersee-Container. Seit September 2025 gehört auch Schwanheim mit rund 600 Einwohnern zum Filialnetz.

Wenn der nächste Laden weit weg ist

Der Schritt fällt in eine Zeit, in der die Nahversorgung auf dem Land vielerorts unter Druck steht. Einkaufsmöglichkeiten liegen häufig außerhalb des eigenen Wohnorts und sind nicht zu Fuß erreichbar. Kleine Läden sind vielfach wirtschaftlich nicht mehr tragfähig. Veränderte Bevölkerungsstrukturen und Einkaufsgewohnheiten, die Konzentration des Handels auf größere Orte und Gewerbegebiete sowie Schwierigkeiten bei Personalgewinnung und Betriebsnachfolge verschärfen die Lage.

Besonders ältere und wenig mobile Menschen sind auf Angebote in ihrer Nähe angewiesen. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) fördert deshalb mit „LandVersorgt – Neue Wege zur Nahversorgung in ländlichen Räumen“ Modellprojekte, die Einkaufsmöglichkeiten verbessern und Teilhabe sowie Daseinsvorsorge sichern sollen.

In einer bis zu zwölfmonatigen Konzeptphase entwickelten bundesweit 14 Modellprojekte Nahversorgungskonzepte. Jedes Projekt erhielt dafür bis zu 50.000 Euro Förderung; bei einigen Konzepten wird anschließend auch die Umsetzung unterstützt. Erprobt wurden unter anderem digital unterstützte oder mit anderen Dienstleistungen kombinierte Lieferdienste, angepasste Ladenkonzepte sowie teilweise oder vollständig personalfreie Verkaufsstellen.

Vom Dorfladen bis zur Lieferdrohne

Die Bandbreite ist groß. „Altmühl-Jura Regional Digital“ in Kinding (Bayern) entwickelte eine regionale Online-Bestellplattform mit angepasstem Logistiksystem. „BiWi Nahversorgung“ in Kirchlinteln (Niedersachsen) modernisierte das Einkaufen mit Bürgerbeteiligung von Bierde bis Wittlohe. In Steinhöfel (Brandenburg) stehen bei „DorfMarkt24“ Multifunktions-Dorfläden für Einkäufe ohne Auto im Mittelpunkt.

Der „Hofer-LandLieferBus“ in Rehau (Bayern) prüft ein kombiniertes System für Waren- und Personentransport. „KORB“ in Thallwitz (Sachsen) verbindet eine Regionalmarke, digitale Bestellprozesse und regionale Logistik mit einem „Food-Hub“. „LebensMittelPunkte“ in Nobitz (Thüringen) ermittelte in fünf Dörfern den Bedarf und entwickelte ein Konzept für ein mobiles Netzwerk aus Nahversorgern und soziokulturellen Angeboten. Bei Mitmach-Festen wurde dort außerdem die Nahversorgungssituation untersucht.

In Wolfhagen (Hessen) geht es bei „Lebens.Mittel.Punkte“ um aktive Dorfmittelpunkte für die lokale Nahversorgung. Das Verbundprojekt „MONA LiSA“ in Osterburg und Seehausen (Altmark, Sachsen-Anhalt) bindet mobile Dienstleister über einen Dorfladen in eine Logistikkette für eine stationäre Nahversorgungslösung ein. „NordlippeVersorgt“ in Barntrup (Nordrhein-Westfalen) kombiniert Onlineshop, mobilen Dorfladen und Lieferdienst.

„OMA“ in Filsum (Niedersachsen) vermarktet ostfriesische Lebensmittel und andere Erzeugnisse über einen Dorfladen und ein Online-Portal. „RegioLMP“ in der Samtgemeinde Elbtalaue/Dannenberg (Niedersachsen) arbeitet an einem übertragbaren Nahversorgungskonzept. In Birkenfeld (Rheinland-Pfalz) entwickelt „SMART-EMMA“ smarte, modulare Versorgungsstationen zum Schließen von Versorgungslücken – dort gibt es eine Konzept- und Umsetzungsphase.

Auch ungewöhnliche Lieferwege werden getestet. Das Projekt „Stadt-Land-Drohne“ in Wusterhausen/Dosse (Brandenburg) untersucht Lieferdrohnen für Waren des täglichen Bedarfs. Die Drohne „Marktschwalbe“ absolvierte im Mai 2024 ihren ersten erfolgreichen Flug in Wusterhausen/Dosse. Das Projekt umfasst eine Machbarkeitsstudie und die praktische Erprobung und befindet sich ebenfalls in Konzept- und Umsetzungsphase.

Im Projekt „LebensMittelPunkte“ wurde für fünf Modelldörfer außerdem der spielerische Analyseansatz „dorfnah“ entwickelt. Begleitet wird die Maßnahme vom Deutschen Städte- und Gemeindebund. Finanziert wird sie aus dem Bundesprogramm „Ländliche Entwicklung und Regionale Wertschöpfung“ (BULEplus).

Ein Markt als Teil der Dorfstruktur

Das BMEL zählt die Stärkung ländlicher Räume und gleichwertiger Lebensverhältnisse zu seinen Kernaufgaben. In ländlichen Regionen lebt mehr als die Hälfte der Bevölkerung. Das BULEplus unterstützt Projekte, die das Leben und Arbeiten auf dem Land zukunftsfähig machen. „LandVersorgt“ ist ein BULEplus-Baustein und wird vom Kompetenzzentrum Ländliche Entwicklung in der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung im Auftrag des BMEL umgesetzt.

Vor diesem Hintergrund ist die Übernahme der 35 Teo-Märkte mehr als eine technische Umstellung mit ein paar Tagen geschlossener Türen. Für die Orte zählt erst einmal, dass der Laden weiterläuft: mit regionalen Erzeugnissen, klassischen Handelsprodukten, digitaler Technik und künftig auch Gut & Günstig. Ob das Konzept an jedem Standort gleich gut passt, wird sich zeigen – denn was in einem Dorf schnell über die Kasse geht, bleibt im nächsten vielleicht liegen.

Der BMEL-Beitrag zu „LandVersorgt“ erschien am 21. November 2024. Die Yobsti-Märkte sollen am 6. November wieder öffnen.