Elf fränkische Hellweg- und BayWa-Baumärkte schließen bis Ende November 2026
In Franken läuft der Räumungsverkauf auf Hochtouren: Hellweg und die Tochtergesellschaft BayWa Bau & Garten schließen bis Ende November 2026 alle zehn fränkischen BayWa-Bau-&-Garten-Märkte. Dazu kommt die einzige bayerische Hellweg-Filiale in Unterfranken, jene in Bad Kissingen. Für Beschäftigte und Kundschaft in der Region heißt das: Sämtliche betroffenen Standorte machen dicht.
Seit dem 8. September werben Hellweg und BayWa Bau & Garten mit „Wir schließen“ und „Alles muss raus“. Medienberichten zufolge begann der Räumungsverkauf bereits am 7. September. Am 15. Oktober 2026 kündigten die Unternehmen in sozialen Medien neue Rabatte von bis zu 70 Prozent an. Reduziert ist das gesamte Sortiment – solange der Vorrat reicht. Ausgenommen sind Pfand, Tabakwaren, Bestellkäufe, Geschenkgutscheine, Serviceleistungen sowie Fracht- und Versandkosten.
Diese Märkte schließen
Von der Schließung betroffen sind die BayWa-Bau-&-Garten-Standorte in Bad Windsheim, Bindlach, Diespeck, Dinkelsbühl, Fürth, Gunzenhausen, Karlstadt, Nürnberg, Rothenburg ob der Tauber und Würzburg.
Auch der Hellweg-Markt in Bad Kissingen steht vor dem Aus. Fortbestehen könnte er nur, wenn ein anderes Unternehmen ihn übernimmt. Hinweise auf einen Interessenten gibt es bislang nicht.
Für einige der insgesamt 46 BayWa-Bau-&-Garten-Standorte in Bayern und Baden-Württemberg gibt es laut Unternehmen „konkrete Fortführungslösungen“ durch Investoren. Keiner der zehn fränkischen Märkte gehört dazu. Die BayWa-Märkte treten zwar weiterhin unter dem BayWa-Logo auf, werden aber seit 2012 von Hellweg betrieben. Damals brachte BayWa sein Baumarktgeschäft für Privatkunden in ein Joint Venture ein; heute hält das Unternehmen noch rund 15 Prozent an der Betreibergesellschaft.
Sanierung unter gerichtlicher Aufsicht
Mitte Juni 2026 beantragten Hellweg und BayWa Bau & Garten beim Amtsgericht Essen ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Hellweg stellte den Antrag am 16. Juni 2026, das Gericht genehmigte beide Anträge. Die operative Verantwortung bleibt bei der bisherigen Geschäftsführung, die Unternehmen werden also weiterhin eigenständig geleitet.
Unterstützung kommt von zwei Sanierungsexperten der Wirtschaftskanzlei Görg, die in die Geschäftsführung berufen wurden: Rechtsanwalt Prof. Dr. Gerrit Hölzle und Rechtsanwalt Dr. Karl-Friedrich Curtze. Beide verfügen laut dem Bericht über langjährige Erfahrung bei Unternehmensrestrukturierungen und Sanierungsverfahren. Nun sollen sämtliche Kosten- und Ertragsstrukturen überprüft werden. Auch das bestehende Filialnetz und seine künftige Ausrichtung stehen auf dem Prüfstand.
Das Gericht bestellte außerdem Rechtsanwalt Stefan Denkhaus von BRL Boege Rohde Luebbehuesen zum vorläufigen Sachwalter. Er soll das Verfahren im Interesse der Gläubiger begleiten und den Prozess im gerichtlichen Auftrag überwachen. Zusätzlich wurde ein vorläufiger Gläubigerausschuss mit Vertretern der wichtigsten Gläubigergruppen eingesetzt.
Als Gründe für die schwierige Lage nennen die Unternehmen Kaufzurückhaltung, gestiegene Mieten, Lieferkettenprobleme und inflationsbedingte Kostensteigerungen. Die Märkte bleiben zunächst geöffnet, der Betrieb läuft während der geplanten Sanierung weiter. Für die Filialen in Franken ist der Weg allerdings bereits vorgezeichnet.
Mehr als 4.000 Arbeitsplätze unter Druck
Die Dimension reicht über die elf nun bekannten Schließungen hinaus. Hellweg betreibt 68 Märkte und beschäftigt rund 2.900 Menschen. Die BayWa Bau- und Gartenmärkte kommen auf 46 Standorte und etwa 1.300 Beschäftigte. Damit stehen mittelbar mehr als 100 Märkte und über 4.000 Arbeitsplätze unter Sanierungsdruck.
Der gesamte Baumarktsektor gilt dabei nicht als unmittelbar kollapsgefährdet. Hornbach, Obi und Bauhaus verfügen laut dem zugrunde liegenden Bericht über größere Einkaufsmacht, stärkere Marken und professionellere digitale Strukturen. Schwächelt ein Wettbewerber, kann das für diese Ketten sogar eine Gelegenheit sein, zusätzliche Standorte und Marktanteile zu gewinnen.
Während der Corona-Jahre hatte die Branche von der starken Nachfrage nach Renovierungen, Wohnungsumbauten sowie Balkon- und Gartenprojekten profitiert. Ein Teil dieser Nachfrage war allerdings vorgezogen. Inzwischen hat sich das Marktumfeld normalisiert: Bürokratie, steigende Kosten und verunsicherte Verbraucher bremsen. Neubauprojekte werden verschoben, Finanzierungen bleiben teuer, und Eigentümer schauen bei Investitionen genauer hin.
Inflation, Energiepreise und höhere Lebenshaltungskosten engen die privaten Budgets ein. Größere Modernisierungen werden häufiger aufgeschoben; gekauft werden stattdessen kleinere Reparaturartikel. Für Baumärkte ist das heikel, weil große Projekte Umsätze über mehrere Warengruppen hinweg erzeugen und meist höhere Margen bieten. Mieten, Betriebskosten, Personal- und Lagerkosten laufen aber auch bei geringerer Nachfrage weiter.
Der Einkauf beginnt längst auf dem Smartphone
Verändert hat sich auch der Weg zur Ware. Kunden informieren sich online, vergleichen Preise, warten auf Aktionen, prüfen die Verfügbarkeit und reservieren Artikel. Danach fällt die Entscheidung zwischen Lieferung und Abholung im Markt. Der Kaufprozess startet deshalb oft schon auf dem Smartphone – und nicht erst zwischen Schraubenregal und Gartenabteilung.
Für Baumärkte bleibt das ein Spagat. Verkaufsflächen, Sortimente und Service müssen finanziert werden, obwohl der große Warenkorb keineswegs sicher ist. Besonders unter Druck geraten mittelgroße Filialisten, die zwischen großen Ketten und lokalen Spezialanbietern stehen.
Große Ketten können Einkauf, Logistik, Marketing, Datenanalyse und digitale Kanäle über viele Standorte skalieren. Kleine Spezialanbieter punkten mit Nähe, Beratung oder Nischen. Mittelgroße Unternehmen haben dagegen oft große Flächen, breite Sortimente und hohe Fixkosten, erreichen aber nicht die Skaleneffekte der Marktführer. Handelsexperte Jörg Funder beschreibt solche Unternehmen als zu unflexibel für einzelne Standorte und zugleich zu klein, um die Kostenvorteile großer Ketten zu nutzen.
Der Fall Hellweg zeigt damit auch, dass große Flächen, Bekanntheit und ein breites Sortiment allein nicht mehr ausreichen. Wichtiger werden Einkaufsmacht, Kapital, digitale Fähigkeiten, effiziente Logistik, klarere Sortimente und frequenzstarke Standorte. Der Markt dürfte sich stärker nach Anpassungsfähigkeit und Profitabilität sortieren als nach Tradition. Anbieter mit hohen Flächenkosten und geringen Skalenvorteilen bleiben unter Druck, während Unternehmen mit Einkaufsmacht, Kapital und digitaler Stärke weitere Marktanteile gewinnen können.
