Bei Aldi Süd wird es im Regal luftiger. Seit Jahresbeginn hat der Discounter zahlreiche Markenartikel und Produktvarianten ausgelistet. Betroffen sind regionale Marken ebenso wie nationale Namen, darunter Rotkäppchen, Zott und Ehrmann. Einzelne Produkte sollen allerdings weiterhin im Aktionsgeschäft auftauchen.

Parallel kamen neue Marken ins Sortiment, etwa Pepsi-Cola und Gustavo Gusto. Unterm Strich sank die Zahl der Markenprodukte laut LZ-net von rund 850 auf 700. Auch das Gesamtsortiment wurde kleiner: Aus etwa 4.550 Artikeln wurden weniger als 4.300. Selbst bei den Eigenmarken wird die Zahl der Varianten zurückgefahren, während die Zahl der Eigenmarken mit rund 2.000 stabil bleibt. Sie machen weiterhin etwa 90 Prozent des Aldi-Süd-Sortiments aus.

Weniger Varianten, mehr Effizienz

Hinter der Sortimentsstraffung steckt kein bloßes Regal-Aufräumen. Warenbestellung, Logistik und Abläufe in den Filialen sollen einfacher werden. Ob sich das für Aldi Süd wirtschaftlich auszahlt, ist aber noch offen. Der Discounter verlor zuletzt Marktanteile; mögliche Umsatzrückgänge durch Auslistungen kamen zu Problemen bei der Warenverfügbarkeit hinzu.

Verbesserungen bei der Logistik und bei der automatischen Bestellung sollen die Warenpräsenz bis Jahresende erhöhen. Derzeit führen zu viele Fehlartikel zu entgangenem Umsatz. Die automatische Warendisposition funktioniert laut dem Bericht noch nicht optimal. In einzelnen Fällen konnten beauftragte Hersteller Waren trotz günstiger Einkaufskonditionen nicht rechtzeitig und zuverlässig liefern. Wenn gleichzeitig die Zahl der Lieferanten sinkt, steigt das Risiko, Lieferausfälle nicht ausgleichen zu können.

Lidl und Netto gehen einen anderen Weg. Beide bauten ihre Sortimente in den ersten neun Monaten 2026 leicht aus, Netto nahm mehr als 100 zusätzliche Eigenmarkenartikel auf. Lidl war zuletzt auch im Vertriebsgebiet von Aldi Süd erfolgreicher und greift den Konkurrenten wiederholt bei der Preisführerschaft an.

Umsatzplus trotz Druck bei den Marktanteilen

Finanziell steht Aldi Süd nicht schlecht da. 2025 erzielte das Unternehmen rund 500 Millionen Euro mehr Umsatz und kam auf insgesamt 18,8 Milliarden Euro. Trotzdem verlor Aldi Süd Marktanteile im deutschen Lebensmitteleinzelhandel. Die Produktivität der einzelnen Filialen stieg in den vergangenen Jahren weiter: Eine Filiale erwirtschaftet inzwischen durchschnittlich 9,3 Millionen Euro Nettoumsatz.

Neue Standorte bringen derzeit kaum noch zusätzliches Wachstum. Die Zahl der Filialen blieb mit 2.022 Standorten unverändert, das Umsatzplus entstand somit auf den bestehenden Verkaufsflächen. 2025 steigerte Aldi Süd das operative Ergebnis zum dritten Mal in Folge. Ausschlaggebend waren vor allem Effizienzgewinne, allerdings sank die Marge gegenüber dem Vorjahr. Die Handelsspanne lag in den vergangenen Jahren relativ konstant bei etwa 23 Prozent, die Investitionen bewegten sich ungefähr auf dem Niveau des Vorjahres.

Mit Sparprogrammen versucht Aldi Süd, die Wettbewerbsposition zu stärken. Personalkosten wurden in den Regionen und in der Zentrale reduziert, zugleich wurde die Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern ausgeweitet. Laut Aldi werden die Einsparungen teilweise an die Kundschaft weitergegeben. Der IT- und Outsourcing-Anbieter Tata Consultancy Services, kurz TCS, kündigte eine Ausweitung seiner Partnerschaft mit Aldi Süd an.

Die Preisführerschaft soll bleiben, verlorene Marktanteile sollen zurückkommen. Regelmäßige Preissenkungen, Dauerniedrigpreise sowie besonders günstige Preise für Obst und Gemüse sollen das Vertrauen der Kunden festigen. Im Einkaufswagen klingt das zunächst erfreulich – an der Kasse wird sich zeigen, wie dauerhaft dieser Eindruck ist.

Verfügbarkeit entscheidet im Alltag

Zur besseren Wettbewerbsposition gehört vor allem eine zuverlässigere Warenversorgung. Ein leerer Platz bei Milch, Tiefkühlpizza oder Waschmittel ist schnell mehr als ein kleines Ärgernis: Kundinnen und Kunden gehen womöglich gleich weiter. Genau dort liegt für Aldi Süd derzeit ein wunder Punkt. Verbesserte Logistik und automatische Disposition sollen die Regale verlässlicher füllen, doch die Technik und die Lieferketten müssen erst sauber zusammenspielen.

Aldi Süd gehört trotz der Marktanteilsverluste weiterhin zu den umsatzstärksten Handelsketten Deutschlands. Das Unternehmen profitiert von hoher Markenbekanntheit, einem klaren Discountprofil und einer treuen Stammkundschaft. Im März 2026 stand Aldi Süd wirtschaftlich solide da, musste seine Strategie im dynamischen Wettbewerbsumfeld aber weiter anpassen.

Für die kommenden Jahre werden strukturelle Veränderungen im Lebensmitteleinzelhandel entscheidend sein: die fortschreitende Digitalisierung, Anpassungen der Lieferketten und steigende Anforderungen an die Warenverfügbarkeit. Das Sortiment schrumpft also nicht einfach nur; Aldi Süd versucht, die Abläufe dahinter neu zu justieren – während nebenan bei Lidl und Netto mehr Artikel ins Regal kommen.

Vom kleinen Warenspektrum zum internationalen Discounter

Die Entwicklung passt auf ihre eigene Weise zur Geschichte der Unternehmensgruppe. Aldi gilt als führender Lebensmitteldiscounter in Deutschland und war Pionier der Discount-Betriebsform. Heute ist Aldi auch in zahlreichen Auslandsmärkten vertreten. Die Gruppe besteht aus den Unternehmensgruppen Aldi Nord und Aldi Süd.

Der Name „Aldi“ setzt sich aus „Albrecht“ und „Discount“ beziehungsweise „Diskont“ zusammen. Theo und Karl Albrecht überarbeiteten ihr Geschäftskonzept, als der zunehmende Wettbewerb durch Supermärkte den traditionellen Lebensmitteleinzelhandel unter Druck setzte. Sie führten ein Handelsformat mit deutlich reduziertem Leistungs- und Warenspektrum ein und begründeten damit den Lebensmittel-Discount.

Die Erben der Gründer zählen aufgrund des Erfolgs dieses Geschäftsmodells zu den reichsten Deutschen. Veröffentlicht wurden diese historischen und wirtschaftlichen Einordnungen vom Statista Research Department am 17. Dezember 2025. Heute, am 16.10.2026, geht es in den Filialen & Standorten von Aldi Süd wieder um etwas sehr Konkretes: Was steht im Regal, was fehlt – und ob der gewünschte Artikel vielleicht doch noch im nächsten Aktionsprospekt auftaucht.