In der Emsteker Straße in Cloppenburg soll ein „Denkers Supermarkt“ eröffnen. Dafür muss der bisherige „Denns Biomarkt“ weichen: Der Bioanbieter geht, an seiner Stelle ist der neue Markt geplant. Für Kunden aus Cloppenburg und der Region zeichnet sich damit ein Wechsel an einem vertrauten Einkaufsstandort ab.

Bislang gibt es einen „Denkers Supermarkt“ an der Lohner Straße in Vechta. Der Markt in Cloppenburg wäre somit der zweite Standort des Unternehmens. Die Geschäftsführer wollen expandieren. Der Geschäftsführer aus Lohne sieht in Cloppenburg eine Marktlücke.

Zwei Geschäfte verschwinden

Der Denns Biomarkt und auch der Rieker-Store werden ihre Geschäfte in Cloppenburg schließen. Damit verliert die Stadt zwei etablierte Einzelhandelsanbieter, die Kunden aus Cloppenburg und dem Umland angesprochen haben. Denns stand für Bio-Produkte und nachhaltige Konsumgüter; mit der Schließung fällt eine nahegelegene Anlaufstelle für diesen Einkauf weg.

Biomärkte stehen seit Längerem unter Druck. Große Einzelhandelsketten haben ihre Bio-Sortimente ausgeweitet, zugleich haben sich die Einkaufsgewohnheiten verändert. Für Bio-Produkte bleiben damit andere Geschäfte oder Online-Angebote. Beim Schuhkauf müssen Kunden künftig auf andere Händler oder weniger spezialisierte Geschäfte ausweichen.

Auch das Schuhgeschäft Rieker gibt seinen Standort auf. Der Store war auf komfortable Schuhmode spezialisiert und über Jahre im örtlichen Einzelhandel etabliert. Fachgeschäfte in diesem Bereich geraten insbesondere durch den Online-Handel und große Ketten unter Druck. Das merkt man nicht nur in Cloppenburg.

Leerstände und neue Pläne für die Innenstadt

Die beiden Schließungen fügen sich in eine Serie von Geschäftsaufgaben und Umstrukturierungen in Cloppenburg ein. In der Innenstadt stehen zunehmend traditionelle Einzelhandelsflächen leer, während die Mietkosten nicht im gleichen Umfang sinken. Für kleinere und mittlere Handelsbetriebe wird es dadurch schwieriger, rentabel zu wirtschaften.

Als weitere Gründe gelten die dauerhafte Bedeutung des E-Commerce, umfangreiche Online-Angebote für Schuhe und Bio-Produkte sowie Preisvorteile großer Ketten, die von Logistik und größeren Einkaufsmengen profitieren. Hinzu kommen Bevölkerungsveränderungen und die Abwanderung in größere Städte. Für die Mitarbeiter beider Betriebe ergeben sich arbeitsrechtliche Folgen. Wie viele Beschäftigte betroffen sind und welche Perspektiven sie erhalten, soll von den jeweiligen Betreibern geregelt werden.

Die Stadt muss sich mit der Entwicklung ihrer Innenstadt auseinandersetzen. Bundesweit werden dafür neue Nutzungskonzepte, kulturelle Angebote, eine Neupositionierung des stationären Handels, bessere Parksituationen, Veranstaltungen und die Ansiedlung von Dienstleistungen diskutiert. Für Cloppenburg bleibt die Aufgabe, die Attraktivität des Zentrums zu erhalten oder neu zu definieren – kein kleiner Auftrag.

Brancheninitiativen und Handelsverbände halten integrierte Konzepte für erforderlich. Sie sollen nicht nur den Handel betrachten, sondern auch neue Formen von Urbanität und Zentrumsfunktionen berücksichtigen. Mit Denns Biomarkt und Rieker verliert Cloppenburg zwei weitere größere Geschäfte, die zur Vielfalt und Belebung der Innenstadt beitrugen.

Stadtzentren im Wandel

Stadtzentren prägen die Identität und das öffentliche Leben einer Stadt. Historische Bauwerke verweisen auf ihre Geschichte, zeitgenössische Gebäude repräsentieren das Gemeinwesen – etwa Rathäuser, Verwaltungsgebäude und Museen. Die am stärksten frequentierten öffentlichen Räume liegen häufig in den Zentren. Traditionell sorgt dort ein umfangreiches Einzelhandelsangebot für zusätzliche Belebung.

Doch Innenstädte stehen unter hohem Veränderungsdruck: Das Wachstum des Onlinehandels, Filialisierungs- und Konzentrationsprozesse im stationären Einzelhandel sowie veränderte Konsumgewohnheiten verschieben die bisherigen Verhältnisse. Die Corona-Pandemie, die hohe Inflation und gestiegene Energiekosten haben den innerstädtischen Handelsstandort zusätzlich belastet.

Damit Stadtzentren ihre wirtschaftliche, gesellschaftliche und symbolische Bedeutung künftig behalten, müssen sie baulich und programmatisch angepasst werden. Die Abteilung für Stadt- und Transformation beschäftigt sich in Forschung und Lehre mit alternativen Stadtentwicklungskonzepten und der Umgestaltung ehemaliger Einzelhandelsimmobilien. Auch „Umbaukultur“ gehört zu den Themen.

Ob der geplante „Denkers Supermarkt“ in der Emsteker Straße eine solche Lücke schließen kann, wird sich zeigen. Fest steht: Der neue Standort wäre der zweite des Unternehmens – und Cloppenburg bekommt Bewegung in eine Fläche, an der bislang Denns Biomarkt stand.