Sanborns schließt zehn Filialen in Mexiko-Stadt und setzt auf kleinere Läden
In Mexiko-Stadt verschwinden zehn Sanborns-Filialen aus dem Stadtbild, darunter zwei Cafés. Grupo Sanborns schloss die Standorte am 7. Oktober 2026. Der Konzern bezeichnete den Schritt als Strategie zur Verbesserung der Rentabilität – nüchtern formuliert, aber für manche Viertel durchaus spürbar.
Hinter der Entscheidung stehen die Wirtschaftlichkeit einzelner Standorte, hohe Mietkosten und der Wunsch, sich stärker auf tragfähige Filialformate zu konzentrieren. Die von Carlos Slim Helú kontrollierte Handelskette passt damit ihre physische Infrastruktur an die aktuellen Bedingungen im Einzelhandel und im Dienstleistungssektor an. Grundlage ist eine interne Veränderung samt Rentabilitätsprüfung der einzelnen Standorte im Wirtschaftsjahr 2026.
Zehn Schließungen in einem Netz mit 469 Standorten
Im Geschäftsjahr 2025 umfasste das Filialnetz von Grupo Sanborns in Mexiko 469 Verkaufsstellen. Dazu gehörten 141 Sanborns-Geschäfte und Restaurants, 14 Sanborns Cafés, 95 Sears-Filialen, 48 Dax-Filialen, 46 Mixup-Läden und 124 iShop-Standorte. Die zehn Schließungen betreffen damit nur einen Teil des gesamten Geschäftsnetzes.
Zwischen 2023 und 2024 waren laut von Bloomberg Línea ausgewerteten Finanzberichten bereits neun traditionelle Sanborns-Filialen, vier Sanborns-Café-Einheiten und eine Filiale des Formats Home & Fashion geschlossen worden. Das sorgte für Spekulationen über einen möglichen Rückzug der Marke – vor allem, weil mehrere traditionsreiche Standorte aufgegeben wurden.
Zu den zuletzt geschlossenen oder aufgegebenen bekannten Standorten in Mexiko-Stadt zählen Sanborns Casa Boker im Centro Histórico, Sanborns Isabel La Católica im Zentrum, Sanborns CETRAM Toreo, Sanborns Café Balderas, Sanborns Zona Rosa im Hotel Génova, Sanborns San Ángel, Sanborns La Fragua und Sanborns Plaza de las Estrellas. Viele dieser Filialen lagen in traditionellen Vierteln, deren Handelsstruktur sich verändert hat.
Mieten, Parkplätze und interne Konkurrenz
Als zentraler Grund gilt die Verschlechterung des Kosten-Nutzen-Verhältnisses. Carlos Slim erklärte, dass Vermieter in mehreren Fällen die Mieten um bis zu 100 Prozent erhöhen wollten. Ein Weiterbetrieb sei dadurch unwirtschaftlich geworden. Dazu kamen schwierige Erreichbarkeit, fehlende Parkplätze, sinkende Besucherzahlen in bestimmten Stadtteilen und ein verändertes Einkaufsverhalten.
Manchmal stand sich Sanborns offenbar auch selbst im Weg: Zu geringe Abstände zwischen eigenen Filialen führten zu interner Konkurrenz. Das Unternehmen will sein Netz deshalb auf Standorte beschränken, die profitabel betrieben werden können. Nach Berichten von Expansión plant Grupo Carso gleichzeitig die Eröffnung von 10 bis 15 neuen Filialen. Diese sollen kleiner sein und schnellere Abläufe ermöglichen.
Die Berichte vom 24. September, 6. Oktober und 7. Oktober 2026 stellten nacheinander die zehn Schließungen, die Geschäftszahlen 2025 und die Standortbereinigung heraus. Für die weitere Entwicklung kommt es besonders auf die Kosten, den Umsatz je Filiale und die Ergebnisbeiträge des verbleibenden Netzes an.
Umsatz gestiegen, Gewinn unter Druck
Grupo Sanborns erzielte 2025 einen Umsatz von 74.296 Millionen MXN – 1,30 Prozent mehr als 2024. Der Nettogewinn sank im selben Zeitraum jedoch um 12,70 Prozent. Schon im ersten Quartal 2025 war ein Gewinnrückgang von 46,50 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gemeldet worden.
Als Belastungsfaktoren galten Investitionen in die technologische Modernisierung, interne Systeme und digitale Plattformen. Das klingt nach Bildschirm statt Schaufenster, schlägt sich aber direkt in der Rechnung nieder. Parallel setzt die Gruppe auf wachstumsstarke Marken wie iShop, DAX und Mixup.
Teil eines größeren Konzerns
Grupo Sanborns S.A. de C.V. ist die Einzelhandelssparte der von Carlos Slim geführten Grupo Carso. Zum Konzern gehören die Restaurant- und Kaufhauskette Sanborns, Mixup-Musikgeschäfte, iShop-Elektronikgeschäfte und autorisierte Apple-Händler sowie Sears-Kaufhäuser in Mexiko. Bis Oktober 2023 gehörte außerdem das einzige Saks-Fifth-Avenue-Geschäft Mexikos dazu.
2021 erzielte die Gruppe einen Umsatz von 53 Milliarden mexikanischen Pesos, umgerechnet etwa 2,6 Milliarden US-Dollar. Damals war sie in 62 Metropolregionen und Städten Mexikos vertreten. Die Geschäftsformate umfassten 197 Sanborns-Restaurants, Sanborns-Einzelhandelsgeschäfte und eigenständige Sanborns Cafés, 141 Mixup- und iShop-Filialen, die sich üblicherweise nebeneinander befinden, sowie 97 Sears-Kaufhäuser im mittleren Preissegment mit vollständigem Sortiment.
Vorsitzender des Unternehmens ist Patricio Slim Domit, der Sohn von Carlos Slim. Für die Kundschaft in Mexiko-Stadt bleibt vorerst vor allem eines sichtbar: Einige vertraute Türen bleiben zu, während andernorts kleinere Läden mit schnellerem Ablauf entstehen sollen.
